Ein verbotenes Nervengift dezimiert Österreichs Greifvögel – und die Dunkelziffer der Fälle ist erschreckend hoch.
In Österreich häufen sich Vergiftungsfälle bei Wildtieren durch das verbotene Nervengift Carbofuran – ein Pestizid, das trotz seines illegalen Status seit 2017 für neun von zehn nachgewiesenen Vergiftungen verantwortlich ist. Besonders Greifvögel und Aasfresser geraten ins Visier, doch auch Haustiere wie Hunde und Katzen sind durch die ausgelegten Giftköder gefährdet. Allein zwischen 2017 und 2025 wurden 98 Prozent aller dokumentierten Greifvogelvergiftungen auf diesen Wirkstoff zurückgeführt. Carbofuran ist in der Europäischen Union seit dem 13. Dezember 2008 verboten; das Verbot umfasst Verkauf, Anwendung und Besitz des Mittels.
Zuletzt wurden im Lesachtal in Kärnten sieben Gänsegeier mit Vergiftungssymptomen aufgefunden – nur eines der Tiere überlebte.
Forderungen nach Konsequenzen
WWF und BirdLife reagieren auf die anhaltende Entwicklung mit klaren Forderungen: Die Organisationen verlangen eine konsequentere Strafverfolgung sowie zusätzliche Ressourcen für die Ermittlungsarbeit. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die tatsächliche Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte, da zahlreiche Fälle unentdeckt bleiben oder nie zur Anzeige gebracht werden. „81 geschützte Greifvögel wurden im Berichtszeitraum nachweislich Opfer von Vergiftungen, davon 79 durch Carbofuran“, so die Organisationen.
Vergiftungen gelten als eine der schwerwiegendsten Erscheinungsformen der Wildtierkriminalität, weil sie häufig mehrere Tiere auf einmal treffen. Der aktuelle Wildtierkriminalitätsbericht verzeichnet für den Zeitraum von 2017 bis 2025 österreichweit 66 dokumentierte Vergiftungsfälle – das entspricht mehr als jedem fünften bestätigten Delikt in diesem Bereich. Giftköder und vergiftete Tierkadaver müssen möglichst rasch lokalisiert und beseitigt werden, um Folgeopfer unter Wildtieren, Haustieren und Menschen zu verhindern.
Gemeinsames Bündnis
Im Rahmen des EU-kofinanzierten wildLIFEcrime-Projekts haben sich 13 Organisationen aus Österreich und Deutschland zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Wildtierkriminalität vorzugehen. Das Bündnis vereint Naturschutzverbände, Polizeibehörden, Universitäten, staatliche Stellen und Veterinärmediziner mit dem Ziel, bedrohte Tierarten besser zu schützen. Das Projekt ist bis 2028 angelegt und soll in beiden Ländern zur spürbaren Eindämmung von Wildtierkriminalität beitragen.
WWF und BirdLife appellieren an die Bevölkerung, verdächtige Beobachtungen, die auf mögliche Giftköder hinweisen, umgehend den zuständigen Behörden zu melden.