Der Iran-Krieg fordert das US-Militär auf eine Weise, die selbst Washington ins Schwitzen bringt – und die Zahlen dahinter sind alarmierend.
Der Krieg gegen den Iran entwickelt sich zu einer Belastungsprobe für die US-Streitkräfte, die selbst das bestausgerüstete Militär der Welt an seine Grenzen bringt. Wie CNN unter Berufung auf mehrere Insider berichtet, warnen hochrangige Offiziere, dass die Munitionsvorräte des Pentagon mittlerweile „gefährlich niedrig“ seien. Schätzungen zufolge verfügten die USA zu Kriegsbeginn Ende Februar über rund 2200 Patriot-Abwehrraketen – von denen inzwischen die Hälfte verbraucht sein soll.
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzte die Vorkriegsbestände auf etwa 2330 Patriot-PAC-3-MSE-Abfangraketen und 452 THAAD-Abfangraketen – Zahlen, die den CNN-Bericht weitgehend bestätigen. Laut einer CSIS-Analyse wurden in der frühen Phase des Iran-Kriegs mindestens 1060 bis 1430 Patriot-Raketen eingesetzt, während die US-Produktionslinie in Camden, Arkansas, jährlich nur etwa 600 bis 620 Patriot-Raketen fertigt.
Noch drastischer stellt sich die Lage beim Luftabwehrsystem THAAD (Terminal High Altitude Area Defense, ein Raketenabwehrsystem für große Höhen) dar: Von ursprünglich 452 verfügbaren Raketen sollen laut den Insidern nur noch etwa 90 Stück einsatzbereit sein, was einem Verbrauch von rund 80 Prozent entspricht. Auch bei den Angriffswaffen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab – die USA hätten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters „praktisch alle“ Kurzstreckenraketen der Typen ATACMS und PrSM aufgebraucht.
Abgesagter Großangriff
Den schwindenden Waffenbeständen dürfte nach Einschätzung von Insidern eine entscheidende Rolle dabei zugekommen sein, dass US-Präsident Donald Trump einen für das Wochenende geplanten Großangriff absagte. US-Verbündete im Nahen Osten, die in ihrer Luftabwehr stark auf amerikanische Systeme angewiesen sind, hatten zuvor Bedenken angemeldet, mögliche iranische Vergeltungsschläge mangels ausreichender Abfangkapazitäten nicht abwehren zu können. „Der Mangel an Abfangraketen bedeutet, dass konventionelle Angriffe nach hinten losgehen können“, wird ein Insider von CNN zitiert.
Als Reaktion könnten Kampfdrohnen in großer Zahl eingesetzt werden, die in der Lage wären, die geschwächte Luftabwehr zu durchdringen. Besonders die arabischen Golfstaaten sahen sich in den vergangenen Monaten immer wieder iranischen Gegenschlägen ausgesetzt, wenn Trump eine Eskalation des Krieges anordnete. Parallel dazu verdichten sich die Anzeichen, dass beide Seiten eine diplomatische Lösung anstreben könnten.
Pentagons Dementi
Die US-Regierung weist die Berichte über einen Munitionsengpass entschieden zurück. „Das US-Militär ist das stärkste der Welt und hat alles, was es braucht, um Einsätze nach dem Willen des Präsidenten durchzuführen“, erklärte das Pentagon gegenüber CNN. Auch Weißes-Haus-Sprecherin Anna Kelly betonte, man habe „mehr als genug Munition, um alle strategischen Ziele von Präsident Trump und noch mehr zu erreichen“.
Scharf reagierte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth auf den CNN-Bericht. Der Bericht sei „nicht wahr“, schrieb er auf X. Ganz im Stil seines Vorgesetzten, der unabhängige Medien regelmäßig attackiert, fügte Hegseth hinzu: „Wir hassen die Fake-News-Medien noch nicht genug.“