Hazim Hadžić: „Viel Selbstvertrauen und wenig Scham“

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Hazim Hadžić: „Viel Selbstvertrauen und wenig Scham“

Hazim Hadžić (FOTO: iStock, zVg.)

Alle fordern uns auf, „an unsere Träume zu glauben“, „niemals aufzugeben“ und „vorwärts zu schauen“. Nun ja, das Leben ist ein bisschen rauer als das.

Auch wenn wir keine fremden Meinungen brauchen, um Erfolg zu haben, sind fremde Meinungen doch manchmal auch zu etwas gut. Oder eigentlich: fremde Kritik. Sie härtet uns ab, rüttelt uns auf, verändert unsere Vorgehensweise, wenn wir ins Verderben rennen, weil wir meinen, dass wir alles am besten wissen.

Diejenigen, über die man in Talentshows lacht, sind die mit zu viel Selbstvertrauen, die nicht wissen, was Bescheidenheit ist. Sie sind selbstbewusst und prahlen, sie seien die Besten und ihr Talent das wichtigste. Und dann – plumps – fallen sie auf den Boden der Realität zurück. Oder sie kommen gar nicht herunter, sondern leben weiter im Wahn, dass sie, und nur sie, alles richtig machen.

Bei den Talentshows siegen aber nicht nur die Talentierten, sondern auch die Schamlosen. Das Lob, das wir uns selbst vor anderen aussprechen, verblasst zuerst, und die Aufmerksamkeit der anderen verspielen wir, wenn wir anfangen, von uns selber in Superlativen zu reden. „Der Verlust des Schamgefühls ist das erste Zeichen von Schwachsinn“, sagte Freud. Und viele gelehrte Menschen haben dazu aufgerufen, die Scham zu einem unserer Grundwerte zu machen.

Aber nicht Scham im Sinne von Schüchternheit, bei der wir uns vor der Kommunikation mit anderen fürchten; nicht Scham wegen fremder Blamage und Angst, jemand könnte sich für uns und unser Benehmen schämen. Sondern die Scham, die die Ehrbarkeit unseres Verhaltens prüft; die Schlecht von Gut unterscheidet. Die, die dafür sorgt, dass wir uns später nicht schämen. Darum fordere ich alle auf, selbstbewusst und doch bescheiden durch die Welt zu gehen. Scham, Bescheidenheit, Selbstbewusstsein – auch wenn diese drei Wörter unterschiedliche Definitionen haben, sind sie in diesem Kontext doch sehr ähnlich. Darum trenne ich sie nicht, denn wir können alle drei Begriffe auf verschiedene Weise ausleben oder auch auf dieselbe.

Autor: Hazim Hadžić
Autor, Kolumnist, Szenarist und Student

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