Wien heißer als Rom, Hamburg auf Paris-Niveau – der Sommer 2026 hat die Klimakarte Europas neu gezeichnet.
Der Sommer 2026 hat Deutschland und Österreich mit Temperaturen konfrontiert, die bislang als Merkmal südeuropäischer Urlaubsregionen galten – und die Messwerte sprechen eine deutliche Sprache.
Freiburg im Breisgau verzeichnete im Sommer eine mittlere Temperatur von 24,55 Grad und liegt damit klimatisch auf dem Niveau Siziliens. Frankfurt am Main kam auf 22,45 Grad, Mainz auf 22,27 Grad. In Köln betrug die Sommermitteltemperatur 21,00 Grad, Berlin verzeichnete 20,38 Grad, und Hamburg lag mit 19,16 Grad in einem Bereich, der bislang mit Paris assoziiert wurde.
Nach Daten des Copernicus Climate Change Service lag die durchschnittliche Temperatur in Westeuropa im Juni und Juli 2026 bei 21,62 Grad Celsius und damit 2,79 Grad über dem Mittel der Jahre 1991–2020, was den bisherigen Rekord aus dem Sommer 2022 übertroffen hat.
Wiens neue Realität
Wien reiht sich mit einer mittleren Sommertemperatur von 24 Grad in diese Entwicklung ein. Wetterfachmann Manuel Oberhuber bringt die Dimension dieser Verschiebung auf den Punkt: „Kaum zu glauben, aber in Wien war es in diesem Sommer im Mittel heißer, als es früher einmal in Rom oder in Catania auf Sizilien war.“
Die Klimazonen, so zeigen es die Daten, haben sich um rund 1000 Kilometer nach Norden verlagert. Eine Studie des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) kommt für Europa zu dem Ergebnis, dass sich sechs große Vegetationszonen infolge des Klimawandels im Durchschnitt um rund 1100 Kilometer nach Norden verschieben, wobei die stärksten Veränderungen in den nördlichen Breiten und im Mittelmeerraum auftreten.
UBIMET-Experte Nikolas Zimmermann ergänzt: „Die Verschnaufpausen schrumpfen“ – womit er auf die immer kürzer werdenden Erholungsphasen zwischen Hitzephasen verweist.
Städte unter Druck
Diese Entwicklung stellt Stadtplanung und Infrastruktur vor grundlegende Fragen. „Unsere Städte wurden nicht gebaut um klimatisch so weit im Süden zu liegen“, lautet die nüchterne Einschätzung, die den Handlungsbedarf umreißt.