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Revolution

Herzinfarkt bei Frauen wird oft übersehen – neue Regeln aus Wien sollen Leben retten

Herzinfarkt bei Frauen wird oft übersehen – neue Regeln aus Wien sollen Leben retten
Symbolfoto. FOTO: iStock/dragana991
3 Min. Lesezeit |

Herzinfarkte treffen Frauen anders – mit schwerwiegenden Folgen. Neue medizinische Leitlinien fordern nun eine geschlechtsspezifische Behandlung und individuellere Therapieansätze.

Das akute Koronarsyndrom (ACS) umfasst verschiedene Herzinfarktformen mit plötzlicher Einschränkung der Herzmuskeldurchblutung. Die neuen Empfehlungen legen besonderen Wert auf die medikamentöse Behandlung spezifischer Herzinfarkttypen, die vorwiegend Frauen betreffen. Bei Frauen tritt der erste Herzinfarkt durchschnittlich in höherem Alter auf als bei Männern, zudem leiden sie häufiger an Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Nierenfunktionsstörungen. Zusätzlich beeinflussen hormonelle Veränderungen während Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahren das Blutgerinnungssystem und damit das Risiko für Blutungen und Thrombosen.

Obwohl diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bekannt sind, weist die MedUni darauf hin, dass Frauen in klinischen Studien zur Herz-Kreislauf-Therapie deutlich unterrepräsentiert bleiben. „Die Biologie von Frauen war in der kardiovaskulären Forschung lange unterbelichtet. Dieses Konsensus-Statement liefert eine fundierte Grundlage für eine geschlechtersensible Versorgung und ist ein Aufruf an die gesamte kardiologische Gemeinschaft, hier systematisch umzudenken“, erklärte Jolanta Siller-Matula von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien, die das Konsensus-Statement leitete.

Blutungsrisiken reduzieren

Herzinfarktpatientinnen erleiden häufiger Komplikationen durch Blutungen – oft verursacht durch nicht individuell angepasste Medikamentendosierungen oder risikoreichere Zugangswege bei Katheterinterventionen. Das veröffentlichte Konsensus-Statement empfiehlt daher, Medikamente wie Heparin und Plättchenhemmer individuell nach Körpergewicht und Nierenfunktion zu dosieren, um Blutungsrisiken zu verringern. Bei Katheterinterventionen wird der Zugang über die Handgelenksarterie empfohlen, der weniger Blutungskomplikationen verursacht als der Zugang über die Leiste.

Die Fachzeitschriften „European Heart Journal“ und „EuroIntervention“ haben die Empfehlungen veröffentlicht.

Erarbeitet wurden sie von einem internationalen Expertengremium der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI) und der Arbeitsgruppe Thrombose der European Society of Cardiology (ESC).

Erste praktische Umsetzungen

Die neuen Leitlinien finden bereits Anwendung in der klinischen Praxis, wobei verstärkt auf atypische Symptome bei Frauen geachtet wird. Anders als Männer zeigen Frauen bei einem Herzinfarkt häufig kein klassisches Brustschmerzsymptom, sondern eher Druck- oder Engegefühl im Brust- oder Bauchraum, was zu Verzögerungen bei der Diagnose führen kann.

In der praktischen Umsetzung wird die Dosierung blutverdünnender Medikamente jetzt gezielter an die individuelle Konstitution der Patientinnen angepasst. Auch der empfohlene Zugang bei Katheterinterventionen über die Handgelenksarterie setzt sich durch, da er bei Frauen nachweislich zu weniger Komplikationen führt als der traditionelle Zugang über die Leiste.

Um die Versorgung und Prognose von Frauen mit Herzinfarkt weiter zu verbessern, unterstützen Initiativen wie der bundesweite Aktionstag „Go Red“ die Bewusstseinsbildung sowohl beim medizinischen Personal als auch in der Bevölkerung. Diese gezielten Aufklärungskampagnen sollen dazu beitragen, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Herzerkrankungen stärker in den Fokus zu rücken und Behandlungsstrategien entsprechend anzupassen.

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KO KOSMO-Redaktion
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