Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Ratgeberskandal

Bundeskanzleramt rät Alleinerziehenden: Nach großer Kritik Broschüre offline

Bundeskanzleramt rät Alleinerziehenden: Nach großer Kritik Broschüre offline
Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Ein Ratgeber des Bundeskanzleramts für Alleinerziehende sorgt für Aufruhr – und ist inzwischen offline. Der Inhalt ließ viele fassungslos zurück.

Ein Elternratgeber des österreichischen Bundeskanzleramts hat in den vergangenen Tagen für erheblichen Unmut gesorgt und wurde inzwischen von der Website der Bundesregierung entfernt.

Die Broschüre unter dem Titel „ElternTipps Alleinerziehend“ war ursprünglich als praktischer Alltagsbegleiter für Familien in besonderen Lebenslagen gedacht. Zum Verhängnis wurde ihr vor allem ein Abschnitt im Kapitel „Erste Hilfe bei Selbstmitleid“, der Alleinerziehenden nahelegte, finanzielle Schwierigkeiten nicht als vorrangiges Problem zu betrachten.

Welle der Empörung

Diese Formulierungen lösten in sozialen Netzwerken rasch eine Welle der Empörung aus. Das Familienministerium sah sich daraufhin zu einer Reaktion veranlasst, bezeichnete die betreffenden Passagen als „so nicht in Ordnung“ und kündigte eine Überarbeitung an.

Die Broschüre war erstmals 2016 erschienen und für das Jahr 2026 lediglich mit aktualisierten Links und Zahlen versehen worden – inhaltlich blieb sie weitgehend unverändert. Neben den Ratschlägen zum Umgang mit finanziellen Belastungen geriet auch eine Zusammenstellung von Medientipps in die Kritik: Vätern wurde darin die Serie „Shameless“ empfohlen, Müttern die „Gilmore Girls“. Familien-Creatorin Stefanie Dellmann kommentierte die Serienauswahl mit den Worten: „Shameless, das ist die Serie über einen alkoholkranken Vater, dessen Kinder sich selbst groß ziehen.“

Grundsätzliche Forderungen

Familienministerin Claudia Bauer hatte im Vorwort der Broschüre noch unterstrichen, der Staat unterstütze Menschen in sorgenden Beziehungen so gut wie möglich. Angesichts der anhaltenden Kritik aus der Influencer-Szene und dem breiteren Onlinediskurs räumte das Familienministerium ein, dass die Aufbereitung der Inhalte nicht mehr zeitgemäß sei.

Familien-Creator Jonas Rühl nutzte die Debatte für eine grundsätzlichere Forderung: „Warum gibt man nicht einen Ratgeber raus, der Vätern erklärt, dass sie ihre Verantwortung genauso zu tragen haben wie Mütter.“ Der Vorfall fügt sich in eine Reihe familienpolitischer Debatten ein, die zuletzt auch Äußerungen von Bundeskanzler Christian Stocker zur Kinderbetreuung einschlossen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen