Hospiz und Palliative Care – Würdevoll und in guten Händen

INTERVIEW

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Hospiz und Palliative Care – Würdevoll und in guten Händen

Hospiz und Palliative Care (FOTO: iStock)

TABU. Das Thema „unheilbare Erkrankungen“ ist psychisch sehr schwer zu verdauen, weshalb viele Menschen bei seiner Erwähnung einfach weghören. Mag.a Leena Pelttari, MSc, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich, erklärt, was Hospiz und Palliative Care ist und warum es wichtig ist, sich rechtzeitig darüber zu informieren.  

KOSMO: Palliative Care ist ein sehr wichtiges Thema. Nichtdestotrotz wissen viele gar nicht, worum es geht und was darunter zu verstehen ist. Können Sie den Begriff, sowie die Ziele und Aufgaben von Palliative Care näher erläutern?
Leena Pelttari: Das Wort Palliativ kommt von pallium – was auf Lateinisch „Schutzmantel“ bedeutet. Bildlich gesehen, gibt man den schwerkranken und sterbenden Menschen einen Schutzmantel – man schützt sie und tut alles, um ihre Schmerzen zu lindern. Irrtümlich  glauben viele, dass Palliative Care nur in der letzten Phase angewendet wird. Die Betreuung in den letzten beiden Lebenswochen und der Sterbephase wird international „end of life care“ genannt.

Hospiz- und Palliativbetreuung, so übersetzen wir Palliative Care gern, soll idealerweise einsetzen, wenn man die Diagnose einer nicht heilbaren Erkrankung erhält. Es geht also um schwerkranke und sterbende Patientinnen und Patienten. Hospiz- und Palliativbetreuung hat zum Ziel, die Lebensqualität bei diesen Menschen so gut wie möglich zu verbessern und zu erhalten. Lebensverlängerung um jeden Preis ist kein Ziel. Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Palliative Care das Leben verlängert, auch wenn man auf aggressive Therapien verzichtet, weil man dabei wirklich auf die Lebensqualität eingeht bzw. gleichzeitig die sogenannte kurative und palliative Medizin eingesetzt werden. In Österreich sprechen wir immer von Hospiz und Palliative Care, weil diese zwei Bereiche eine Einheit bilden.

Wie wird das Leben von kranken Personen dank Palliative Care verbessert? Wie werden sie unterstützt?
Es geht vorwiegend um die Schmerzlinderung. Man sagt, dass man 98% der Schmerzen mit den jetzigen Schmerzmitteln und -behandlungen in den Griff bekommt. Es geht auch um die Symptomlinderung, weil viele Symptome wie z. B. Müdigkeit oder Übelkeit durch die Medikamenteneinnahme entstehen, die dann gelindert werden. Bei Hospiz- und Palliativbetreuung geht es immer um eine multiprofessionelle Betreuung – Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen, Sozialarbeiterinnen und ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen arbeiten eng zusammen, die Menschen in all ihren Dimensionen sind wichtig. Es geht nicht nur um die Patientinnen und Patienten, sondern auch um ihre ganze Familie und die Angehörigen. Psychosoziale Betreuung ist unglaublich wichtig und daher ein untrennbarer Teil der Hospiz und Palliative Care.

„Hospiz- und Palliativbetreuung hat zum Ziel, die Lebensqualität bei schwerkranken und sterbenden Menschen so gut wie möglich zu verbessern und zu erhalten.“

Seit wann existiert Hospiz und Palliative Care in Österreich?
Den Dachverband Hospiz Österreich gibt es seit 26 Jahren und die Anfänge der Hospiz- und Palliativversorgung liegen 30 Jahre zurück. Die Caritas war die erste Organisation mit Hospizteams in Österreich. Heute gibt es rund 350 Einrichtungen für die Hospiz- und Palliativbetreuung für Erwachsene – 172 Hospizteams, 59 Palliativkonsiliardienste, 57 mobile Palliativteams, 43 Palliativstationen, 13 stationäre Hospize und 5 Tageshospize.

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