Ein neuer Gesetzesvorschlag sieht vor, den Verkauf von Eis und Pizza nach Mitternacht zu untersagen. Der stellvertretende Bürgermeister Marco Granelli erklärt das Anliegen als eine Suche nach Ausgleich: „Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen Geselligkeit und Unterhaltung sowie der Ruhe und Gelassenheit der Anwohner zu finden.“ Die kontroverse Entscheidung sorgt bei Nachtschwärmern und Essensliebhabern für Stirnrunzeln.

Kampf gegen den Lärm
Die Regelung, die ausschließlich für Außengastronomie gelten soll, zielt darauf ab, nächtliche Ruhestörungen durch scharenweise hungrige Feiernde und Touristen, in den Griff zu bekommen. Angesichts von Lärm, Müll und öffentlicher Ordnung soll der Verkauf an Wochentagen im Außenbereich der Lokale um 0.30 Uhr und am Wochenende um 1.30 Uhr eingestellt werden. Für Straßenverkäufer ist bereits ab 20.00 Schluss. Dies trifft auch Einheimische. die sich nach dem Abendessen noch schnell ein Eis holen möchten. Dies betrifft den Zeitraum von Mai bis November und umfasst Stadtviertel wie Nolo, Lazzaretto und Brera.
Feedbackphase für Bewohner und Betriebe
Bis Anfang Mai haben Anwohner und Verkäufer nun die Möglichkeit, ihre Bedenken zu äußern und Anpassungen vorzuschlagen. Die Idee ist nicht neu: Bereits vor rund zehn Jahren gab es einen ähnlichen Vorstoß, der jedoch nach heftigem Widerstand der Mailänder aufgegeben wurde. Bürgermeister Giuliano Pisapia musste seine Initiative damals unter dem Druck von Protesten zurücknehmen. Er betonte später: „Wenn es einen Fehler unsererseits gab, wurde dieser bereits korrigiert. Mailänder und Nicht-Mailänder können Eis essen, wann und wo sie wollen. Es gab vielleicht einen Fehler bei der Interpretation der Regeln oder vielleicht einen Fehler in der Art und Weise, wie die Dinge geschrieben wurden.“
Italien reguliert den Tourismus
Die Maßnahmen in Mailand sind nicht die einzigen. Erst kürzlich führte Portofino Bußgelder in Höhe von 275 Euro für das Verweilen in beliebten Selfie-Zonen ein – eine Maßnahme gegen das „anarchische Chaos“. Bürgermeister Matteo Viacava machte deutlich, dass die neuen Regelungen nicht darauf abzielen, den Ort exklusiver zu machen, sondern vielmehr die Schönheit des Ortes für alle zugänglich zu erhalten und gleichzeitig Überfüllung und die damit verbundenen Gefahren zu vermeiden.
In Venedig müssen Tagestouristen mittlerweile eine Eintrittsgebühr von fünf Euro zahlen. Damit hofft die Stadtregierung, den Besucherandrang zu regeln. Wer kein gültiges Ticket hat, dem drohen Strafen von bis zu 300 Euro.
Im Kern verfolgt Mailand ein ähnliches Ziel – das feine Gleichgewicht zwischen belebter italienischer Lebensfreude und dem Bedürfnis nach ruhigen Nächten. Ob der Gesetzesvorschlag in der vorgeschlagenen Form Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.
