Nach der Übernahme der Elektronikhandelskette MediaMarkt durch den chinesischen Konzern JD.com stehen strategische Veränderungen bevor. Die im Juli bekanntgegebene Mehrheitsübernahme der MediaMarkt-Muttergesellschaft Ceconomy durch JD.com markiert einen Wendepunkt für den europäischen Elektronikhandel. Trotz des Eigentümerwechsels sollen Filialnetz, Personalbestand und Markenstrategie zunächst unangetastet bleiben – JD.com garantiert in diesen Bereichen für mindestens drei Jahre Kontinuität.
Die Erfolgsgeschichte von MediaMarkt begann 1979, als Helga und Erich Kellerhals den ersten Markt in München eröffneten. Heute zählt das Unternehmen mit über 1.000 MediaMarkt- und Saturn-Standorten in elf Ländern zu Europas führenden Elektronik-Fachhändlern.
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Lius Expansionsstrategie
In seiner Heimat China hat JD.com-Gründer Richard Liu durch die Verbindung von Online-Handel, stationärem Geschäft und moderner Logistik ein Milliardenvermögen aufgebaut. Dieses Erfolgsrezept plant er nun nach Europa zu übertragen. Vor dem MediaMarkt-Deal erklärte Liu gegenüber Journalisten in Peking: „Unsere Definition von Erfolg ist es, 1.000 chinesischen Marken zum Erfolg zu verhelfen – wenn uns das gelingt, dann war auch JD erfolgreich.“ Diese Marken sollen Exklusivität bieten und weder bei Amazon noch bei europäischen Wettbewerbern erhältlich sein.
Liu beabsichtigt, chinesischen Herstellern bei regulatorischen Hürden, Zertifizierungen und notwendigen Vorbereitungen zu unterstützen. Als Beispiele für sein Vorhaben nennt er die chinesischen Haushaltsgerätehersteller Haier und Midea. Die internationale Etablierung dieser Marken sieht JD.com als langfristiges Projekt über 10 bis 20 Jahre. „Erst danach werden westliche Konsumenten beginnen, chinesische Marken zu akzeptieren und einer Handelsplattform aus China zu vertrauen“, wird Liu zitiert.
Qualität statt Billigware
Der JD.com-Gründer betont, dass MediaMarkt unter seiner Führung nicht zum Vertriebskanal für minderwertige Produkte aus China werden soll. Bereits im Sommer distanzierte sich Liu deutlich von Geschäftsmodellen wie Temu und Shein. Statt auf grenzüberschreitenden E-Commerce mit Billigwaren zu setzen, möchte er qualitativ hochwertige chinesische Produkte fördern. „Billige Waren schaden dem Ruf unseres Landes erheblich“, erklärt Liu. Seine Expansionsstrategie basiere vielmehr auf „lokalen Handel, lokale Infrastruktur, lokale Mitarbeiter, lokale Beschaffung und lokale Lieferung.“
Einen Ausblick auf die künftige Ausrichtung von MediaMarkt könnte JoyBuy geben – ein internationaler Ableger von JD.com, der bereits in mehreren europäischen Ländern im Online-Handel tätig ist. Während der Black-Friday-Aktionen bot die deutsche Plattform Joybuy.de zahlreiche chinesische Elektronikmarken mit erheblichen Preisnachlässen an.
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Das Handelsblatt spekuliert, dass eine ähnliche Strategie im kommenden Jahr auch bei MediaMarkt – sowohl in den Filialen als auch im Webshop – zum Einsatz kommen könnte.