Steuerliche Neuerungen sorgen für Zündstoff: Während Pensionisten beim Weiterarbeiten profitieren sollen, droht Überstunden-Leistungsträgern eine empfindliche Kürzung der Steuerbegünstigung.
Ab Jänner 2026 könnten zwei umstrittene steuerliche Neuerungen in Kraft treten: eine pauschale Besteuerung für erwerbstätige Pensionisten sowie eine Verringerung der steuerfreien Überstundenzuschläge. Beide Vorhaben belasten den Staatshaushalt erheblich und sorgen für kontroverse Debatten zwischen Befürwortern und Kritikern.
Die Regierung möchte Pensionisten künftig stärkere Anreize zum Weiterarbeiten bieten. Konkret sollen Nebeneinkünfte während des Ruhestands ab 2026 einheitlich mit 25 Prozent besteuert werden – unabhängig von der Einkommenshöhe. Zusätzlich entfallen für die Beschäftigten sämtliche Sozialversicherungsbeiträge, während Arbeitgeber nur noch die Hälfte entrichten müssen.
Noch ungeklärt bleibt, ob diese Regelung ausschließlich für Angestellte gilt – wie von SPÖ-Finanzminister Marterbauer betont – oder ob auch Selbständige einbezogen werden, wie es die ÖVP anstrebt. Die SPÖ-Staatssekretärin Schmidt versichert, man arbeite mit Hochdruck an der termingerechten Umsetzung bis Anfang 2026. Die Maßnahme schlägt mit geschätzten 300 Millionen Euro im Jahr 2026 und 470 Millionen Euro im Folgejahr zu Buche.
Überstunden-Streit
Gleichzeitig entbrennt ein Streit um die steuerliche Behandlung von Überstunden. Der aktuelle Freibetrag von 200 Euro für maximal 18 Überstunden monatlich soll 2026 auf 120 Euro für höchstens zehn Überstunden sinken. Die ÖVP widersetzt sich dieser geplanten Reduktion trotz bestehender Koalitionsabsprachen.
ÖVP-Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer vertritt die Position: „Wer mehr arbeitet, soll auch mehr davon haben.” Die großzügigere Regelung wurde 2023 im Zuge der Abschaffung der kalten Progression eingeführt, läuft jedoch Ende 2025 aus. Das Finanzministerium verweist auf das Regierungsprogramm, das zwar ab 2027 Steuererleichterungen für Überstunden vorsieht, diese jedoch unter Finanzierungsvorbehalt stellt.
Budgetäre Herausforderungen
Wirtschaftsexperten betrachten angesichts der angespannten Budgetlage beide Initiativen skeptisch. Allein die Beibehaltung des höheren Überstundenfreibetrags würde jährlich 150 Millionen Euro kosten. SPÖ-Arbeitsministerin Schumann mahnt zudem, vor steuerlichen Entlastungen müsse zunächst das Problem unbezahlter Mehrarbeit gelöst werden.
Statistiken zufolge wurden im Vorjahr 42 Millionen Überstunden weder finanziell noch durch Freizeitausgleich abgegolten. Die beiden Projekte – Pauschalbesteuerung für arbeitende Pensionisten und Überstundenfreibetrag – stehen somit im Spannungsfeld zwischen Leistungsförderung und Haushaltskonsolidierung.
Die endgültige Ausgestaltung hängt vom Ausgang der aktuellen Koalitionsverhandlungen ab.
Folge uns auf Social Media!














