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KLARTEXT: Warum 30-jährige Männer, die sich noch von Mami bekochen lassen, der mega Abturner sind

(FOTO: iStockphoto)

Alena Lagavska spricht in ihrem Blog KLARTEXT über all die Dinge, die man sich nie in der Balkan-Community – und darüber hinaus – zu sagen traut.

Es ist ein typisches Jugo-Klischee, und doch hat jedes Klischee – ähnlich wie ein Witz – einen wahren Kern: Männer, um die 30, oft schon in einer Partnerschaft oder sogar verheiratet und trotzdem immer noch angewiesen auf Mama! Wer mir jetzt erklären will, dass er in seinem gesamten Bekanntenkreis vom Balkan kein einziges solches Exemplar kennt, der hat entweder einen faszinierend ungewöhnlichen Freundeskreis, oder belügt sich schlicht und ergreifend selbst. Ich jedenfalls kenne solche Männer zu genüge! Und immer wieder stelle ich mir die Frage: Wie willst du so eine Frau finden? Und wenn du eine findest, soll sie dich dann auch „bemuttern“ oder soll sie deine Frau sein? Und ganz besonders dringend erscheint mir immer wieder aufs Neue die Frage: Welche Frau will so einen Typen?

Kochen, Wäsche waschen, und dann noch einkleiden
Sind die lieben Muttersöhnchen unter euch denn wirklich auf die Hilfe ihrer Mama angewiesen? Könnt ihr euch selbst nichts kochen? Wisst ihr nicht, wie man Wäsche wäscht oder die Wohnung sauber hält? Oder habt ihr nicht genug Stilbewusstsein, um euch eure Kleidung selbst auszusuchen? Schon klar, es ist sehr schön, umsorgt zu werden und wer könnte das besser als die Frau, die einen geboren und aufgezogen hat!? Aber irgendwann einmal muss damit Schluss sein.

Die meisten dieser Männer – jedenfalls jene, die ich selbst persönlich kenne – stehen ja auch schon mitten im Leben. Sie haben einen Job, ein eigenes Heim und oft sogar eine eigene Partnerin. Ein Freund von mir aus Serbien ist doch ernsthaft mit seiner Freundin in die Wohnung neben den Eltern eingezogen. Dort verbringen sie ihr gemeinsames Leben in trauter Zweisamkeit – zumindest so lange, bis Mama am Nachmittag mit frisch gekochtem Kaffee vorbeikommt, oder mit Snacks für die Gäste oder aber der Wäschekorb schon droht überzugehen und sie „nur schnell ein bisschen Schmutzwäsche abholt“. Ich persönlich könnte mir nie vorstellen, so zu leben.

„Peter Pan-Syndrom“
Ein Problem bei diesem Ganzen „Mama macht alles für mich“, das ich selbst beobachten konnte, bzw. welches mir von mehreren Freundinnen berichtet wurde, ist, dass dieses Umsorgen ab einem bestimmten Punkt einfach nur mehr Verhätscheln bzw. Verziehen ist. Das Ergebnis sind dann unselbstständige Männer, die nichts selbst auf die Reihe bekommen und in ihrer Traumwelt leben, in der sie nie erwachsen werden müssen – „Peter Pan-Syndrom“ lässt grüßen! Schuld sind immer die anderen. Egoismus steht an oberster Stelle. Und Probleme können nur mit Hilfe gelöst werden.

„Meine Mutter macht das aber anders“
Aber das mit Abstand größte Problem, das ich mit solchen Männern habe, ist, dass sie unbewusst die Erwartung entwickeln, dass ihre Partnerinnen in Zukunft die Rolle ihrer Mutter übernehmen müssen. Die Zukünftigen dürfen dann also auch noch mit der Mutter höchstpersönlich konkurrieren: „Aha, du machst das so – meine Mutter macht das aber anders“, „Vielleicht kannst du ja meine Mutter fragen, wie sie das kocht, das schmeckt bei ihr nämlich viel besser!“ Und jetzt einmal ganz im Ernst: Wer will sich denn so einen Vergleich antun? Wer will ein Mutterersatz für den eigenen PARTNER sein!? Das ist einfach nur krank.

Eltern sind mit schuld
Allerdings darf und kann man bei dem Ganzen auch nicht die Rolle der Eltern vergessen! Denn seien wir uns mal ehrlich: Wenn einem alles auf dem Silbertablett serviert wird, dann greift man auch zu! Und wie soll man ein Verantwortungsbewusstsein entwickeln, wenn man nie selbst die Verantwortung für etwas übernehmen muss? Es liegt also auch an den Eltern und an der Erziehung irgendwann im Leben einmal einen Schlussstrich zu setzen und seine erwachsenen Kinder auch endlich erwachsen werden zu lassen!

Und für die betroffenen Männer selbst gibt es auch nur zwei Möglichkeiten: Entweder man versucht bewusst aus diesem Abhängigkeitsverhältnis auszubrechen oder man bleibt für immer ein hoffnungsloses Muttersöhnchen. Die Entscheidung liegt bei euch!