Flucht, Festnahme, zehn Kinder – und ein Versprechen vor Gericht, das den Richter nicht kalt ließ.
Schneeweiße Hose, blassgrünes Hemd, zwei Handschellen am Handgelenk – so erschien er vor Gericht. Einer filmreifen Flucht war eine Festnahme in Spanien auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls vorangegangen. Am Mittwoch stand ein bei Frauen offenbar äußerst beliebter Mittelamerikaner vor einem Wiener Gericht, dem mutmaßlicher Kokainkonsum und -handel zur Last gelegt werden.
Der Angeklagte, Vater von zehn Kindern mit vier verschiedenen Frauen, soll wegen seines erheblichen Eigenkonsums stark gestreckte Ware verkauft haben – unter anderem an einen verdeckten Ermittler.
Appell an den Richter
Nach seiner Überstellung nach Wien übernahm Anwalt Zaid Rauf die Verteidigung des dreifach vorbestraften Mannes und versicherte: „Wenn es um alles geht, ändern sich Menschen.“
Mit spanischem Akzent, aber auf Deutsch, schilderte der Angeklagte seine aus nachvollziehbaren Gründen belastende Familiensituation und wandte sich mit einem eindringlichen Appell an den Richter: „Sie werden nie wieder etwas von mir hören, versprochen. Ich habe zwei kleinere Kinder zu Hause, wovon eines meine Unterstützung dringend benötigt.“ Er sprach sich dafür aus, eine Therapie absolvieren zu dürfen, anstatt weiterhin in Untersuchungshaft zu bleiben.
Das Gericht zeigte sich nicht unberührt – wenn auch in einem begrenzten Maß. Das Urteil lautet auf zwei Jahre Haft mit der Möglichkeit einer Therapie. Es ist bereits rechtskräftig.