Wenn Familienfeste auf Trennungsrealität treffen, stehen Eltern vor emotionalen Herausforderungen. Experten zeigen jetzt praktische Lösungen für entspannte Feiertage nach der Trennung.
Mit dem Herannahen der Weihnachtszeit und des Jahreswechsels steht für viele Menschen eine emotional herausfordernde Periode bevor. Während Weihnachten traditionell als Familienfest mit festlichen Ritualen und vertrauten Abläufen gilt, stellt diese Zeit besonders für getrennt lebende Eltern und deren Kinder eine komplexe Situation dar. Darauf wiesen die Krisenhilfe Oberösterreich und der Verein Rainbows, der Kinder bei Trennungssituationen oder dem Verlust von Bezugspersonen unterstützt, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag hin.
Katja Sieper, Leiterin der Krisenhilfe, betont: „Das Bild vom idealen, traditionellen Familienfest hält sich hartnäckig in unseren Köpfen, auch wenn sich familiäre Strukturen im Lauf der Zeit zunehmend gewandelt haben.“ Als praktische Lösung für die Frage, wo Kinder die Feiertage verbringen sollen, empfiehlt sie, auch den Jahreswechsel in die Planung einzubeziehen. So könnten Kinder beispielsweise den Heiligen Abend bei einem Elternteil verbringen und den Jahresbeginn beim anderen feiern.
Daniela Schneeberger, Landesleiterin von Rainbows, unterstreicht: „Das Um und Auf ist, Kindern Zeit und Zuwendung zu schenken. Kinder benötigen Sicherheit und Geborgenheit, nicht Perfektion, wie auf Instagram oder in Hochglanzmagazinen inszeniert.“ Diese Herangehensweise eröffne auch Raum für die Entwicklung neuer Familientraditionen und Rituale.
Die Krisenhilfe verzeichnet vor Weihnachten einen deutlichen Anstieg an Anfragen von getrennt lebenden Eltern. Nach einer Trennung werden viele vormals selbstverständliche Aspekte zu Fragen der Organisation, finanziellen Machbarkeit, emotionalen Belastbarkeit und gegenseitigen Rücksichtnahme. Auch finanzielle Einschränkungen nach Trennungen spielen häufig eine Rolle.
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Entlastende Strategien
Katja Sieper erinnert daran, dass langfristig nicht die Geschenke, sondern die emotionale Atmosphäre in Erinnerung bleibt. Sie rät Eltern zur Absprache bei Geschenken und warnt vor Konkurrenzsituationen. Wichtig sei zudem, die eigenen Belastungsgrenzen zu respektieren und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Krisentelefon ist rund um die Uhr unter 0732/2177 erreichbar.
Für getrennt lebende Eltern gibt es mehrere entlastende Strategien: Den Perfektionsanspruch reduzieren und Vergleiche mit idealisierten Social-Media-Darstellungen vermeiden. Bestehende Rituale kritisch hinterfragen und sich auf jene konzentrieren, die unter den neuen Umständen gut funktionieren – dies schafft auch Raum für neue Traditionen.
Weihnachten lässt sich auch mit begrenztem Budget gestalten, denn gemeinsame Zeit, einfache Lieblingsgerichte und selbstgemachte Dekorationen schaffen oft mehr Verbundenheit als teure Geschenke. Für Kinder zählt weniger der perfekte Ablauf als vielmehr die emotionale Nähe und Zuwendung.
Alternative Feiertermine können Entlastung bringen – Weihnachten muss nicht zwingend am 24. Dezember stattfinden. Für manche Familien bietet es sich an, den Jahreswechsel dort zu feiern, wo die Kinder Weihnachten nicht verbracht haben.
Kindgerechte Strukturen
Für Kinder mit getrennten Eltern sind klare Strukturen besonders wichtig: Verlässliche Informationen darüber, wer wann für sie da ist, geben Orientierung und verhindern, dass Kinder sich eigene Erklärungen zusammenreimen müssen. Obwohl Eltern ihre eigenen Gefühle nicht verstecken müssen, sollten Kinder nicht das Gefühl bekommen, für die elterlichen Emotionen verantwortlich zu sein oder in die Trösterrolle gedrängt zu werden.
Loyalitätskonflikte sollten vermieden werden – Kinder dürfen nicht in die Situation geraten, sich für ein Elternteil entscheiden zu müssen oder als Vermittler zu fungieren. Vertraute Rituale bieten emotionalen Halt, auch wenn das Fest anders gestaltet ist als früher.
Kinder sollten nach ihren Wünschen gefragt werden und Ideen einbringen dürfen, ohne jedoch mit Entscheidungsverantwortung belastet zu werden. Es ist wichtig, Raum für alle Gefühle zu bieten – ob Freude, Wut oder Traurigkeit. Altersgerechte Bilderbücher oder professionelle Unterstützung können dabei helfen, im Gespräch zu bleiben.
In Patchwork-Familien empfiehlt es sich, die Rolle neuer Partner während der Feiertage etwas zurückzunehmen und den leiblichen Elternteilen Vorrang zu geben.
Eine sensible Gestaltung der Festtage, bei der beide leiblichen Eltern präsent bleiben, hilft Kindern, sich in der veränderten Familienkonstellation sicher und zugehörig zu fühlen.