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Demenz

Kristin glaubt, ihr Mann liebt sie nicht mehr – dann der Schock!

(FOTO: theaftd)
(FOTO: theaftd)

In San Francisco, USA, machte ein junges Paar eine herzzerreißende Erfahrung, die ihre Beziehung und ihr Verständnis von Krankheit auf die Probe stellte.

Kristin und Lee Holloway, einst das Bild eines glücklichen, jungen Paares, sahen sich mit einer Diagnose konfrontiert, die ihr Leben für immer verändern sollte. Lee, erst Mitte 30, wurde mit einer seltenen und aggressiven Form der Demenz diagnostiziert, was zunächst als Midlife-Crisis fehlinterpretiert wurde.

Vom Traum zum Albtraum

Es begann wie im Märchen: Kristin und Lee heirateten 2015 auf Maui und bekamen 2016 bekamen ihr gemeinsames Baby. Doch innerhalb weniger Monate wurde ihr „brillanter, toller Ehemann“ ein ganz anderer Mensch. Der einst leidenschaftliche und engagierte Mitarbeiter einer Cybersicherheitsfirma konnte plötzlich kaum noch seiner Arbeit nachgehen. Er verschlief und kam zu spät oder kam an manchen Taggen gar nicht in die Arbeit. Aggressives Verhalten gegenüber Kollegen und sein Rückzug aus dem sozialen Leben ließen Krisen in der Ehe und persönliche Unzufriedenheit vermuten.

Die schockierende Wahrheit

Die Diagnose im Januar 2017 brachte die erschütternde Wahrheit ans Licht: Lee litt unter Frontotemporaler Demenz (FTD), einer Krankheit, die vor allem jüngere Personen betrifft und sich durch Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen bemerkbar macht. Diese Form der Demenz ist seltener und aggressiver als Alzheimer und traf Lee im Alter von nur 35 Jahren.

Bei der Krankheit werden Nervenzellen des Gehirns zunächst im Stirn- und Schläfenbereich, dem Fronto-Temporal-Lappen, abgebaut. Anders als bei Alzheimer bleiben Gedächtnis und Erinnerung intakt, dafür ändert sich die Persönlichkeit und das Verhalten der Betroffenen. So kann jemand, der bisher ehrgeizig und gutmütig war, plötzlich widerspenstig und teilnahmslos werden. Die Erkranken sind sich oft ihres anderen Auftretens gar nicht bewusst. Zwanghaftes Verhalten und ein Verlust des Interesses an persönlicher Hygiene sind ebenso Anzeichen dieser zerstörerischen Krankheit.

Entscheidungen und Herausforderungen

Lee, nun 43, kann kaum sprechen und benötigt rund um die Uhr Betreuung. Er lebt nun bei seinen Eltern in Kalifornien, zusammen mit einer 24-Stunden-Hilfe. Getrennt von Kristin und ihrem Sohn, die in San Francisco geblieben sind. Kristin traf die schwerwiegende Entscheidung zugunsten eines normalen Lebens für ihren Sohn. Gleichzeitig engagiert sie sich im Vorstand der „Association for Frontotemporal Degeneration“ (Verein für Frontotemporale Degeneration), um Bewusstsein für die Krankheit zu schaffen und die Forschung voranzutreiben.

Verändertes Leben und veränderte Perspektiven

Die Erkrankung führte zu einer vollständigen Umgestaltung des familiären Alltags. „Der Vergleich zwischen der Entwicklung meines Sohnes und Lees Fortschritt war eine wilde Reise: Als mein Sohn aufs Töpfchen musste, wurde Lee inkontinent. Und als mein Sohn anfing zu reden, hörte Lee damit auf“, schilderte Kristin die Situation.

Noch weiß die Forschung nicht, was die Nervenzellen zerstört. Daher existieren gibt es derzeit keine Therapiemöglichkeiten. Mit Medikamenten lassen sich die Verhaltensauffälligkeiten der Patienten mildern. Auch der ehemaligen Actiondarsteller Bruce Willis („Pulp Fiction“, „Stirb langsam“) litt vorerst nur an Sprachproblemen. Im März 2023 veröffentlichte seine Familie dann die erschütternde Diagnose. Seine Ehefrau sagte in einem Fernsehinterview über die Erkrankung: „Es ist hart für die Person mit der Diagnose, es ist auch hart für die Familie.“