Ein Milliardenprojekt, chinesische Auftragnehmer und ein Minister, der öffentlich Fehler einräumt – die Bahnlinie Belgrad–Budapest sorgt für Wirbel.
Der ungarische Verkehrs- und Investitionsminister Dávid Vitézi hat im Parlament scharfe Kritik am Bahnprojekt zwischen Belgrad und Budapest geübt. Er stellte offen die Frage, ob Ungarn und Serbien bei der Entwicklung dieser Eisenbahnverbindung tatsächlich den richtigen Weg eingeschlagen hätten – und gab selbst die ernüchternde Antwort: „Wahrscheinlich nicht.“
Vitézi forderte vollständige Transparenz und verlangte, dass die chinesischen Auftragnehmer sämtliche Verträge, Vertragsänderungen, Begleitdokumente sowie alle Kosten- und Abrechnungsdaten der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zudem müssten die zuständigen Institutionen umfassend Stellung nehmen.
Offene Sicherheitsfragen
Die Lage sei nach wie vor ungeklärt, so der Minister. Zwar seien die Bauarbeiten an der Strecke bereits weitgehend abgeschlossen, doch zahlreiche technische und sicherheitsrelevante Fragen blieben offen. Insbesondere die Sicherungs- und Steuerungssysteme für den Bahnbetrieb seien noch nicht vollständig in Betrieb genommen worden.
Derzeit laufen zusätzliche Tests und Überprüfungen, ohne die ein sicherer Betrieb nicht gewährleistet werden kann. „Das System kann weder in Betrieb genommen noch vollständig bezahlt werden, solange nicht belegt ist, dass es alle vorgeschriebenen Sicherheitsstandards erfüllt“, betonte Vitézi.
Technische Mängel
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die technische Konzeption der Strecke selbst. Vitézi räumte ein, dass die Trasse für Geschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde ausgelegt und dafür weitgehend neu gebaut worden sei. Dennoch verblieb eine erhebliche Anzahl höhengleicher Kreuzungen – also Bahnübergänge, an denen Straßen und Schienen auf gleicher Ebene verlaufen.
Diese Kreuzungen stellen nach Einschätzung des Ministers einen gravierenden Mangel dar, der die volle Ausschöpfung der projektierten Geschwindigkeit auf bestimmten Abschnitten verhindert. In der Praxis werde die Höchstgeschwindigkeit dort auf 160 Kilometer pro Stunde begrenzt bleiben. „Wir haben eine Strecke für 200 Stundenkilometer gebaut – und können sie auf Teilen davon nicht entsprechend nutzen“, so Vitézi.
Ob die chinesische Seite von diesen Einschränkungen von Anfang an gewusst habe, ließ der Minister offen. Er wolle niemanden pauschal verteidigen, stellte jedoch klar, dass die fraglichen technischen Lösungen bereits im Vertrag festgehalten gewesen seien und damit im Vorhinein bekannt waren.