Kroatien: Anne Frank verschwindet aus der Schullektüre

PETITION

Kroatien: Anne Frank verschwindet aus der Schullektüre

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Das-Tagebuch-der-Anne-Frank
Das-Tagebuch-der-Anne-Frank (FOTO: zVg.)

Eine neue, veränderte Liste der verpflichtenden Schullektüre sorgt in Kroatien für Aufregung.

Kritik übt vor allem die „Kroatische Gesellschaft der Schriftsteller“: Die Tatsache, dass „Das Tagebuch der Anne Frank“ sich nicht mehr auf der Liste befindet, findet aber nicht nur diese Organisation besorgniserregend. Neben dem bekanntesten Tagebuch in der Weltliteratur werden die Schüler in Kroatien auch weitere Kunstwerke nicht mehr lesen müssen, wie z. B. „Der Fänger im Roggen“ von amerikanischem Schriftsteller J. D. Salinger, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera sowie zahlreiche weitere Bücher heimischer Autoren.

Die Kroatische Gesellschaft der Schriftsteller nannte die jetzige Liste der verpflichtenden Lektüre einen „Kafka-Alptraum“, berichtet Index.hr. Mittlerweile wurde auch eine Petition für die Wiedereinführung des Buches in die Pflichtlektüre gestartet. Das „Tabeuch der Anne Frank“ basiert auf den Texten eines Mädchens, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurde.

„Das Tagebuch der Anne Frank“ verschwand von der Liste der Schulbücher. Wir wissen nicht warum, aber wir wissen, dass dieses Werk äußerst wichtig ist, um zu verstehen, wie weit das menschliche Böse sich in einer dunklen Zeit entwickeln kann. Wir glauben, dass der Holocaust kein Thema ist, das im Unterricht der kroatischen Sprache übersprungen werden kann“, wird in der Petition angegeben.

„Einstellung gegenüber dem Buch ist mit der Einstellung gegebüber dem Holocaust verbunden“
Gleichzeitig sagte der unabhängige Parlamentsabgeordnete Bojan Glavašević, dass die Einstellung gegenüber „Dem Tagebuch der Anne Frank“ ein anschauliches Beispiel für die Einstellung der Regierung gegenüber dem Holocaust ist und, dass das Vermeiden der Vergangenheit ein direkter Weg in die Wiederholung der alten Fehler ist, berichtet Hina.

„Hier geht es nicht um irgendein Buch, sondern um eines der tausenden Zeichen eines Prozesses des kollektiven Vergessens, der mit der Absicht in der Gesellschaft durchgeführt wird“, sagte Glavašević und deutete darauf hin, dass viele Generationen junger Europäer das Buch zumindest obreflächlich gelesen haben.

„Das Bucht stellt eine Art der intellektuellen und emotionalen Impfung dar und gäbe es das Buch nicht, würde die heutige Welt ganz anders aussehen“, appellierte Glavašević auf die kroatische Gesellschaft, etwas für die Wiedereinführung des Buches in die Schullektüre zu unternehmen.

Hier gelangt ihr zur Petition.