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Ausschreitungen

Kroatien-Proteste: “Faschisten sind Parasiten” – Tausende protestieren, Rechte attackieren mit Fackeln

Protest Zagreb
(FOTO: EPA/ANTONIO BAT)

**Während tausende Kroaten gegen rechtsextreme Strömungen demonstrierten, eskalierte die Lage in mehreren Städten. Maskierte Angreifer störten die friedlichen Proteste.**

Massenproteste

In vier kroatischen Städten gingen am Wochenende tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Erstarkung rechtsextremer Kräfte zu protestieren. Die von der Initiative “Vereint gegen Faschismus” organisierten Kundgebungen in Zagreb, Rijeka, Pula und Zadar wurden jedoch von gewalttätigen Zwischenfällen überschattet.

In Zagreb versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund 5.000 Menschen, während in Rijeka und Pula jeweils etwa 1.000 Demonstranten teilnahmen. In Zadar fanden sich mehrere hundert Personen ein. Die Teilnehmer trugen Transparente mit Aufschriften wie “Allergisch gegen Faschismus”, “Freiheit ist stärker als Angst” und “Faschisten sind Parasiten der Gesellschaft”.

Die Proteste wurden von Störaktionen überschattet. In Zadar warfen zwei maskierte Personen von einem Boot aus mit roter Flüssigkeit gefüllte Ballons auf die Demonstranten. Zudem kam es zu Rangeleien zwischen schwarz gekleideten jungen Männern und der Bereitschaftspolizei, die schließlich Reizgas einsetzte, um die Störer zu vertreiben.

Gewalt eskaliert

Auch in Rijeka kam es zu Ausschreitungen. Eine Gruppe maskierter junger Männer warf Knallkörper auf die Demonstranten. Nach dem Protest attackierten schwarz gekleidete Jugendliche Teilnehmer, die in einem Café saßen, mit Fackeln. Eine Person wurde dabei verletzt.

Die Organisatorin Maja Osmancevic kommentierte die Vorfälle: “Das sind junge Männer in Schwarz, die bereit sind, jedem den Krieg zu erklären, der nicht mit ihnen übereinstimmt, im Auftrag derer, die sie aufhetzen und bestehlen.” Die Demonstranten reagierten mit dem Ruf “No pasarán!” (Sie werden nicht durchkommen).

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Auch die Journalistin und Gewerkschafterin Maja Sever sprach bei der Kundgebung und beklagte Angriffe auf Medienschaffende: “Für manche sind wir ‘Huren, Würmer und Schmierfinken’, schuld an allem, was nicht stimmt, angegriffen von Menschen, die ihre eigene Identität verbergen.”

Politische Reaktionen

Der Bürgermeister von Zadar, Sime Erlic von der regierenden HDZ, verurteilte die Angriffe auf die Demonstranten: “Ungeachtet unterschiedlicher Standpunkte darf Gewalt keine Antwort sein.” Gleichzeitig appellierte er an die Protestierenden, “alle Patrioten nicht als Faschisten zu bezeichnen”.

Nach den Protesten meldete sich der umstrittene Sänger Marko Perkovic Thompson in den sozialen Medien mit den Versen: “Patriotismus nennen sie Faschismus / So verteidigen sie ihren Kommunismus” und bezog sich damit offensichtlich auf die Märsche.

Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete ausführlich über die Proteste und stellte einen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der extremen Rechten und der Koalition zwischen der HDZ und der rechtspopulistischen Heimatbewegung sowie Thompsons jüngstem Konzert im Zagreber Hippodrom her.

In Pula nahmen neben zahlreichen Bürgern auch der istrische Präfekt Boris Miletic, Bürgermeister Pedja Grbin und weitere Lokalpolitiker an dem Protestmarsch teil. Laut dem Verein Pulski susreti beteiligten sich dort 1.530 Menschen – was im Verhältnis zur Einwohnerzahl 22.500 Demonstranten in Zagreb entsprechen würde.

Ein Ehepaar unter den Demonstranten erklärte die Motivation für ihre Teilnahme: “Wir haben Kinder und Enkel. Wir hatten Väter, Mütter und Großeltern – und alle waren Antifaschisten.”

Ein anderer Teilnehmer beklagte, dass sich die Gesellschaft drei Jahrzehnte nach dem Krieg erneut mit Herausforderungen konfrontiert sehe, von denen man dachte, sie würden nie wiederkehren.