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WEGEN SCHWERER VERLÄUFE

Kurswechsel: Gynäkologen empfehlen Corona-Impfung nun auch für Schwangere

(FOTO: iStockphoto)

In Bezug auf die Immunisierung von schwangeren und stillenden Frauen gibt es nun einen Kurswechsel: Gynäkologen empfehlen nun auch werdenden Müttern sich impfen zu lassen.

Bisher setzte man in Bezug auf schwangere und stillende Frauen auf eine indirekte Immunisierung, um eine Covid-19-Erkrankung dieser besonders vulnerablen Gruppe zu verhindern: Anstatt, dass sich Schwangere selbst impfen lassen – v.a. da die aktuell verfügbaren Impfstoffe noch nicht für sie zugelassen sind – sollten bisher besonders ihre Angehörigen (etwa Partner oder Familie) geimpft werden. Doch nun scheint sich der Kurs zu ändern.

Die internationalen Fachgesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe änderten am Freitag ihre Empfehlungen: Schwangeren sollte die Möglichkeit zur Impfung „nicht grundsätzlich“ vorenthalten werden, betont etwa die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) in einer aktuellen Stellungnahme. 

Nutzen und Risiko
Bei der Immunisierung sollte aber nach Nutzen und Risiko genau abgewogen werden, heißt es weiter: „Da diese [Anm.: Schwangere] eine besonders vulnerable und schützenswerte Personengruppe darstellen, ist es selbstverständlich, dass hier streng Nutzen und Risiko abzuwägen sind.“ Besonders raten die Experten bei schwangeren Frauen mit Risikofaktoren (Autoimmunerkrankungen, kardiovaskuläres Risiko usw.) zu einer Immunisierung.

Grund für die Impf-Empfehlung sind schwere Verläufe
Ein Großteil der Infektionen verlief bisher bei Schwangeren sowie in der Allgemeinbevölkerung symptomlos bzw. mit lediglich milder Symptomatik (70-89% aller infizierten Schwangeren). Mittlerweile nehmen jedoch Daten zu, dass eine Infektion in der Schwangerschaft häufiger als bei nichtschwangeren Frauen schwere Verläufe zeigt: „Ein schwerer Erkrankungsverlauf mit Lungenentzündung, stationärer sowie intensivmedizinscher Betreuung war im Durchschnitt bei ungefähr 15% der erkrankten Schwangeren notwendig“, betont die OEGGG. 

Im Vergleich zeigten nicht-schwangere Frauen mit Covid-19 Erkrankung lediglich in ca. 5,8% einen schweren Verlauf mit Notwendigkeit einer stationären Betreuung. Weiters benötigen 5,7% aller wegen Covid-19 stationären Schwangeren eine intensivmedizinische Behandlung. Außerdem bestehe ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt bei Schwangeren mit Covid-19-Infektion, wie Daten zeigen.

Kinderwunsch
Für diejenigen, die erst eine Schwangerschaft planen, raten die Experten hingegen ganz allgemein zur Vakzine. Eine Impfung wird bei Kinderwunsch sogar ganz konkret empfohlen: „Es wird derzeit vorsichtshalber empfohlen, die Impfung ca. 1 Monat vor einer geplanten Schwangerschaft durchführen zu lassen. Die zweite Dosis sollte zu diesem Zeitpunkt verabreicht worden sein.“

Impfstoffe für Schwangere nicht zugelassen
Derzeit sind die am Markt verfügbaren und zugelassenen Impfungen allerdings noch nicht für Schwangere zugelassen. Grund ist, dass schwangere Frauen in den durchgeführten Studien nicht aktiv erfasst wurden; die Wirkung auf die Impfung ist daher nicht bekannt. Allerdings waren unter den Studienteilnehmerinnen auch einige unwissentlich Schwangere.  Weder bei ihnen noch bei ihren Babys wurden Beeinträchtigungen beobachtet.

Quellen und Links: