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„KETCHUP-EFFEKT“

Kurz versprach „Impfung für alle“ – Bis zu diesem Tag ist es soweit

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(FOTO: BKA/Andy Wenzel)

Noch vor dem Corona-Gipfel am heutigen Dienstag gab Kanzler Kurz einen Lichtblick: Endlich gebe es genug Impfstoff für ganz Österreich. Bis zu diesem Datum sollen alle, die wollen, eine Impfung erhalten haben.

„Ketchup-Effekt“ nannte es Sebastian Kurz einst in einer Pressekonferenz. Gemeint ist: Zuerst kommt wenig aus der Flasche und dann plötzlich ein ganzer Schwall. So soll es in den nächsten 100 Tagen auch mit den Corona-Impfstoffen sein, verspricht der Kanzler. Denn innerhalb der nächsten 100 Tage sollen sich alle in Österreich, die das wollen, impfen lassen können. Aber ist das logistisch überhaupt machbar?

Wie viele Menschen könnten eine Impfung erhalten?
In Österreich gibt es theoretisch 7.531.239 impfbare Menschen, sprich: Bewohner über 16 Jahren, die einen Impfstoff erhalten können. Doch nicht alle Personen, die könnten, wollen sich auch impfen lassen.

Wie viele wollen Impfung?
Laut einer Schätzung des Gesundheitsministeriums wollen nur rund fünf Millionen der über 7,5 Mio. impfbaren Österreicher sich auch tatsächlich impfen lassen.

Wie viele sind schon geimpft?
1.270.558 (16,38 Prozent) erhielten eine erste Dosis, 488.062 (6,29 Prozent) haben bereits vollen Impfschutz.

Wie viel Impfstoff braucht es und wie viel haben wir?
Um alle Impfwilligen (also ca. 5 Mio.) immunisieren zu können, braucht man grob geschätzt 10 Millionen Impfdosen.

Vom 27. Dezember 2020 bis zum 25. April 2021 werden laut Ministerium insgesamt rund 2,9 Millionen Impfdosen geliefert. Die Verteilung sieht dabei wie folgt aus: 1,8 Mio. von BioNTech, 326.000 von Moderna, 785.000 von AstraZeneca und erstmals nächste Woche 16.800 Dosen von Johnson & Johnson. Bei diesem Impfstoff ist nur ein Stich notwendig.

Reicht das?
Wie bereits erwähnt sollen somit bis zum 25. April rund 2,9 Millionen Impfdosen geliefert werden. Um alle 5 Millionen impfwilligen Menschen zu immunisieren, bräuchte es aber wie gesagt rund 10 Millionen Dosen. Wie soll sich das also in den angekündigten 100 Tagen ausgehen? Ab da wird es konfus. Das zuständige Ministerium kündigte an, das bis zum 30. Juni noch einmal 7 Mio. Impfdosen geliefert werden sollten, sofern alle Hersteller ihre Verträge brav einhalten (was bisher aber selten klappte). Aber: Das Ministerium kann nicht sagen, welcher Hersteller wieviel liefert. Wie man auf die exakte Zahl sieben Millionen kommt, bleibt daher rätselhaft.  

Können alle in 100 Tagen geimpft werden?
In den kommenden 100 Tagen, sprich bis zum Stichtag 14. Juli, sollten also 9,9 Mio. Dosen zur Verfügung stehen. Kann sein, dass sich das ausgeht, muss aber nicht. Klar ist: Nur wenn das eintritt, kann Kurz sein Versprechen einlösen. Anschobers Ministerium ist allerdings optimistisch.  

Ebenfalls ein möglicher Stolperstein: Das Impftempo. Dieses muss deutlich steigen. Am Ostersonntag wurden nur 8.996 Menschen geimpft. Sechs Mal so viele wären nötig gewesen, um den Zeitplan einzuhalten.

Quellen und Links: