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Bildungsreform

Lehrer-Zwang für Sommerschule? Wiederkehr greift durch

Lehrer-Zwang für Sommerschule? Wiederkehr greift durch
FOTO: BKA/Andy Wenzel
4 Min. Lesezeit |

Die Sommerschule in Österreich steht vor einem Wandel: Bisher nutzten lediglich 17 Prozent der rund 49.000 außerordentlichen Schülerinnen und Schüler das freiwillige Angebot, wie das Bildungsministerium mitteilt. Mit der Einführung einer Teilnahmepflicht könnte sich die Zahl der Teilnehmenden im nächsten Jahr auf über 70.000 nahezu verdoppeln.

Die neue Verpflichtung betrifft alle außerordentlichen Schüler, also Kinder mit ungenügenden oder mangelhaften Deutschkenntnissen, die künftig gezielt gefördert werden sollen. Damit sollen deutlich mehr Kinder erreicht werden als bisher – eine Maßnahme, die ab 2026 in Kraft tritt.

Bildungsminister Wiederkehr zeigt sich im APA-Sommerinterview optimistisch, genügend Lehrkräfte auf freiwilliger Basis zu gewinnen. Das Angebot sei attraktiv gestaltet – mit einer Vergütung von etwa 60 Euro pro Stunde oder einer Stundenreduktion im folgenden Schuljahr. Die genaue Vergütung beträgt 60,7 Euro pro Unterrichtsstunde, wobei diese Abgeltung alle mit dem Unterricht verbundenen Aufgaben umfasst. Aktuell übersteigt die Zahl der Bewerbungen sogar die verfügbaren Stellen.

Sollte die Freiwilligkeit dennoch nicht ausreichen, hält Wiederkehr auch eine Verpflichtung von Lehrkräften für denkbar: „Wenn sich nicht genug melden, soll es aber aus meiner Sicht auch die Möglichkeit geben, Lehrkräfte zu verpflichten. Denn für mich gilt, dass die Kinder ein Recht haben, dass sie eine Förderung im Sommer bekommen.“ Besonders Pädagogen mit Erfahrung in Deutschförderklassen oder -kursen stehen im Fokus. Parallel dazu steht eine massive Entbürokratisierung bevor: Mit Beginn des neuen Schuljahres werden die Schulen etwa 80 Prozent weniger Rundschreiben und Erlässe aus dem Ministerium erhalten. Der Minister betont, dass Qualitätskontrollen weiterhin stattfinden werden, jedoch mit deutlich schlankeren Regelwerken. Ziel sei ein unkomplizierter Zugang zu notwendigen Vorschriften.

Die ersten konkreten Entbürokratisierungsmaßnahmen aus dem Projekt „Freiraum Schule“ sollen bereits im Herbst umgesetzt werden. Für diese Initiative wurden im Juni insgesamt 19.000 Vorschläge von verschiedenen Bildungsakteuren eingereicht – von Lehrkräften über Schulleitungen bis hin zu pädagogischen Hochschulen und Verwaltungspersonal. Diese Ideen werden nun auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Für das am 1. September beginnende Schuljahr sieht Wiederkehr die Personalsituation entspannter als in den Vorjahren. Zwar bestünden regional weiterhin Engpässe, etwa bei bestimmten Fächern an Mittel- und Volksschulen, doch die Bewerbungszahlen seien um 17 Prozent gestiegen. Auch das Quereinsteiger-Modell verzeichne mit 2000 Bewerbungen großen Zuspruch. Einschränken möchte der Minister hingegen die Praxis, dass Studierende bereits früh in ihrer Ausbildung bis zu 20 Wochenstunden unterrichten.

⇢ Meinl-Reisinger im ORF Sommergespräch: „Verpflichtende Deutschkurse im Sommer“ kommen

Neue Schulklassen

Die kürzlich eingeführten Orientierungsklassen für Kinder und Jugendliche ohne Bildungserfahrung werden laut Wiederkehr im Herbst voraussichtlich selten zum Einsatz kommen. Der Migrationsdruck sei derzeit gering. Seit der Aussetzung des Familiennachzugs im Juli kämen nur noch Härtefälle sowie Kinder ohne schulische Vorerfahrung nach Österreich. In Ballungsräumen rechnet der Minister dennoch mit vereinzelten Orientierungsklassen. Die neue gesetzliche Regelung stelle sicher, dass man auf einen möglichen Anstieg vorbereitet sei.

Suspendierungsbegleitung

Von der verpflichtenden Suspendierungsbegleitung, die ab Februar 2026 eingeführt wird, erwartet Wiederkehr „große Effekte“. Schülerinnen und Schüler, die wiederholt durch Gewalt, Drohungen oder Sachbeschädigung auffallen, können dann für bis zu vier Wochen vom Unterricht ausgeschlossen werden. Während dieser Zeit sollen sie an speziellen Schulstandorten zwischen zehn und 20 Stunden pädagogisch und psychologisch betreut werden. „Es gibt dann eine Konsequenz, eine Sanktion, sodass man nicht, wenn man suspendiert wird, im Einkaufszentrum abhängen darf“, erklärt der Minister. Diese Unterbrechung des gewohnten Umfelds sei wichtig für die Verhaltensreflexion. Flankierend soll die Schulpsychologie personell verdoppelt und die Schulsozialarbeit ausgebaut werden. Zeitgleich mit der Suspendierungsbegleitung werden Verwaltungsstrafen für kooperationsunwillige Eltern eingeführt.

Trotz angespannter Wirtschaftslage betrachtet Wiederkehr das Bildungsbudget als gesichert – auch im Kontext des für 2025 und 2026 geplanten Sparpakets der Bundesregierung. Die Ressortbudgets sollen gemäß Vereinbarung stabil bleiben, einschließlich der Bildungsinvestitionen.

Der Einsparungsbeitrag der Ressorts betrage bereits 1,1 Milliarden Euro.

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KO KOSMO-Redaktion
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