Jagd nach dem eigenen Auto: Als ihr Luxuswagen verschwand, mussten zwei Londoner Anwälte selbst zu Detektiven werden. Die Polizei hatte keine Zeit für den Fall.
Ein Londoner Ehepaar musste sein gestohlenes Luxusauto selbst aufspüren, nachdem die Polizei wegen Überlastung nicht eingreifen konnte. Als Mia Forbes Pirie und Mark Simpson am Mittwochmorgen bemerkten, dass ihr Jaguar E-Pace vor ihrem Haus in Brook Green verschwunden war, überprüften sie zunächst die Daten des im Fahrzeug versteckten AirTags. Dieses hatte den Standort des Wagens zuletzt um 3:20 Uhr in der Nähe ihres Hauses registriert, bevor es sich später am Vormittag auf einen Ort in Chiswick aktualisierte.
Die Diebe hatten offenbar nicht mit der umfassenden Sicherheitsausstattung des Fahrzeugs gerechnet. Neben dem versteckten Ortungsgerät war der Jaguar mit einem speziellen Ghost-Immobiliser gesichert, der eine bestimmte Tastenkombination an der Steuereinheit erfordert, um den Motor zu starten. Als das Ehepaar den Notruf wählte, erhielten sie jedoch eine ernüchternde Antwort: Die Beamten konnten nicht sagen, wann sie Zeit für Ermittlungen hätten. Auf die Frage, ob sie selbst nach dem Wagen suchen sollten, riet man ihnen lediglich, die Polizei zu verständigen, falls sie fündig würden.
Erfolgreiche Eigeninitiative
In einer ruhigen Seitenstraße in Chiswick entdeckten die beiden Anwälte schließlich ihren Jaguar. Das Fahrzeuginnere war verwüstet – die Diebe hatten Teppiche herausgerissen und versucht, an die Verkabelung zu gelangen. Das Paar, dem bereits früher ein Fahrzeug gestohlen worden war, hatte diesmal vorgesorgt und mehrere Sicherheitssysteme installiert. Nach ihrer Einschätzung handelte es sich um eine professionelle Operation, bei der vermutlich ein Abschleppwagen zum Einsatz kam. Nachbarn berichteten später, in der Nacht ungewöhnliche Geräusche gehört zu haben.
In einem LinkedIn-Beitrag beschrieb Forbes Pirie die Situation als „etwas amüsant“, stellte jedoch die beunruhigende Frage, ob die mangelnde Polizeiarbeit Bürger künftig zu mehr Selbstjustiz verleiten könnte. Erst nach der eigenständigen Rückholung des Fahrzeugs meldete sich die Polizei bei dem Ehepaar. Forbes Pirie zeigte zwar Verständnis für die Überlastung der Beamten, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Ressourcenknappheit.
Alarmierende Statistiken
Am Tag nach dem Diebstahl wurde dem Paar mitgeteilt, dass ein forensisches Team Untersuchungen durchführen würde. „Mittlerweile haben zahlreiche Personen das Auto berührt. Die Polizei will nun unter den Teppichen und am Sicherungskasten nach Fingerabdrücken suchen“, erklärte Forbes Pirie. „Wenn es keine Konsequenzen für Autodiebstahl oder andere Straftaten gibt, sehe ich keinen Grund, warum die Täter damit aufhören sollten.“
Die Statistiken der Londoner Polizei zeichnen ein ernüchterndes Bild: Im Jänner 2024 wurden in der britischen Hauptstadt 33.530 Fälle von Kraftfahrzeugdiebstahl registriert – ein Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders alarmierend ist die Aufklärungsquote: Von allen gemeldeten Fällen führten nur 326 zu einem „positiven Ergebnis“.
Das entspricht einer Erfolgsrate von weniger als einem Prozent.