Russlands Weltraumforschung schickt lebende Fracht ins All: 75 Mäuse und über 1000 Fruchtfliegen sollen in 800 Kilometer Höhe zeigen, wie kosmische Strahlung Leben verändert.
Der russische Forschungssatellit Bion-M No. 2 steht kurz vor seinem lang erwarteten Flug ins All. Nach mehrjährigen Verzögerungen hat Roskosmos den Start für den 20. August 2025 offiziell bestätigt, wenn eine Sojus-2.1b-Rakete den Satelliten vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aus in die Erdumlaufbahn befördert. Wie Space.com berichtet, werden an Bord 75 Mäuse und über 1.500 Fruchtfliegen reisen. Zum wissenschaftlichen Inventar gehören zudem Zellkulturen, Mikroorganismen und Pflanzensamen. Das Hauptziel der Mission liegt in der Erforschung der Auswirkungen kosmischer Strahlung auf lebende Organismen.
Die staatliche russische Forschungseinrichtung für Weltraumbiologie (IMBP) hat als zentrales Untersuchungsziel die Wechselwirkung zwischen Mikrogravitation und Strahlungsempfindlichkeit von Organismen definiert. Diese Erkenntnisse sollen direkt in die Planung künftiger Weltraummissionen einfließen und die Sicherheit für künftige russische Raumstationen gewährleisten. Roskosmos begründet die Wahl von Mäusen als Versuchstiere mit deren genetischer Ähnlichkeit zum Menschen sowie ihren kurzen Lebenszyklen, die eine Beobachtung von Veränderungen über Generationen hinweg ermöglichen.
Forschungsdesign
Das Forschungsdesign umfasst drei separate Mäusegruppen: Eine Gruppe verbringt die Zeit im Weltraum, während zwei Kontrollgruppen auf der Erde verbleiben – eine unter satellitenähnlichen Bedingungen, die andere in gewöhnlicher Umgebung. Die Weltraummäuse werden durch ein Echtzeit-Überwachungssystem mit Kameras und Sensoren kontinuierlich beobachtet. Jeder Mäusebehälter verfügt über eigene Systeme zur Fütterung, Beleuchtung, Belüftung und Abfallentsorgung.
Der Satellit wird in einer hochlatitudinalen Umlaufbahn in etwa 800 Kilometer Höhe kreisen und dort 30 Tage verbleiben. Diese spezifische Flugbahn soll die Strahlungsintensität im Vergleich zur Vorgängermission aus dem Jahr 2013 deutlich erhöhen. Die während des einmonatigen Fluges erwartete Strahlungsdosis entspricht laut Experten der Belastung, der Astronauten bei einem dreijährigen Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ausgesetzt wären.
Wissenschaftliche Ziele
Nach ihrer Rückkehr zur Erde werden die Mäuse umfassenden Untersuchungen unterzogen, um ihre Anpassungsfähigkeit an die Weltraumbedingungen und die anschließende Readaptation an die irdische Umgebung zu dokumentieren. Diese Daten sollen wesentlich zur Vorbereitung bemannter Langzeitmissionen beitragen. Ein weiteres Experiment umfasst 16 Reagenzgläser mit Staub und Gestein, deren Zusammensetzung der Oberfläche der Mondpole nachempfunden ist. Die Analyse dieser Proben nach ihrer Rückkehr soll Aufschluss darüber geben, wie sich Weltraumstrahlung und Vakuum auf diese Materialien auswirken – eine wichtige Grundlage für zukünftige Mondbauprojekte.
Diese Erkenntnisse könnten entscheidend für die Zukunft der bemannten Raumfahrt sein.