Start Magazin
POLITIK

Martin Polaschek: „Es besteht ein Reformbedarf im veralteten Lehrersystem Österreichs“


Wie plant das Bildungsministerium, die Unterrichtsqualität und die Lehrerunterstützung in Österreich zu verbessern, basierend auf den Ergebnissen der PISA-Studie?


Wir nehmen die PISA-Ergebnisse sehr ernst und erkennen, dass wir noch mehr für die Chancengleichheit tun müssen. Viele Schülerinnen und Schüler haben Probleme, Aufgaben zu verstehen, besonders in Mathematik, oft wegen mangelnder Sprach- und Lesekompetenz. Deshalb haben wir Initiativen zur Förderung der Lesekompetenz und -freude gestartet, einschließlich Lesebotschaftern und Wettbewerben.

Wir haben auch die Deutschförderklassen ausgeweitet, um Sprachkenntnisse zu verbessern, und das Gesetz angepasst, sodass Kinder, die noch Deutsch lernen müssen, weiterhin Förderklassen besuchen können. Zudem setzen wir Maßnahmen, um Eltern stärker einzubeziehen, besonders aus bildungsfernen Schichten. Dazu gehört auch ein Video-Dolmetschsystem, das die Kommunikation zwischen Lehrkräften und nicht deutschsprachigen Eltern erleichtert.

393.234 Studierende gab es 2023 in Österreich.

Vor 20 Jahren hatte das Maturazeugnis in Österreich einen viel höheren Stellenwert. Hat Österreich ein Problem mit dem Image der Matura?


Die Matura hat ein gutes Image, und es war mir wichtig, nach der Pandemie zum alten Regelwerk zurückzukehren, um die Qualität zu sichern und den Wert der Matura zu betonen. Einige Erleichterungen, wie die Einreichung der Jahresnote, bleiben bestehen. Der Trend zeigt, dass qualifizierte Berufe zunehmen und oft ein akademischer Abschluss erforderlich ist. Dennoch sehen wir, dass man mit der Matura gut ins Berufsleben einsteigen kann. Dies zeigt sich daran, dass die Zahl der Studienanfänger zurückgegangen ist, da viele Absolventen, besonders von berufsbildenden höheren Schulen, direkt Arbeit finden.

Wie steht das österreichische Bildungsministerium zur Frühsexualisierung von Kindern in Bildungseinrichtungen? Gibt es Überlegungen, entsprechende Lehrbücher im österreichischen Bildungssystem einzuführen oder zu verbieten?


In Österreich gibt es mehrere Erlässe des Ministeriums zur Sexualerziehung und -pädagogik. Die Lehrpläne für Volksschulen und Sekundarstufen regeln, dass diese Themen altersgerecht behandelt werden sollen. Die Entscheidung, wie Inhalte vermittelt werden, liegt bei den Lehrkräften. Schulbücher werden von einer breit aufgestellten Kommission geprüft. Diese kontrolliert, ob die Inhalte und die Vermittlungsart für die jeweilige Altersgruppe angemessen sind. Die Kommission besteht aus Expertinnen und Experten verschiedener Bereiche. In Österreich funktioniert diese Vorgehensweise gut.


Ist die Erhöhung der Medizinstudienplätze eine effektive Lösung gegen den Ärztemangel, und welche Maßnahmen können gegen die Abwanderung ins Ausland ergriffen werden?


Österreich hat genügend Medizinstudierende und Absolventen, mehr als Deutschland oder die Schweiz. Eine massive Erhöhung der Studierendenzahl würde die Studienqualität und Betreuungsmöglichkeiten verringern. Wichtig ist, dass Absolventen im Land bleiben und gute Arbeitsbedingungen sowie Ausbildungsplätze im Gesundheitssystem finden. In Wien fehlen Ausbildungsplätze in Krankenhäusern, was eine Herausforderung darstellt. Bezüglich der Quote ausländischer Studierender, die durch Verhandlungen mit der Europäischen Kommission festgelegt wurde, sind wir in Kontakt mit der Kommission, um eine mögliche Erhöhung zu diskutieren.

Eine massive Erhöhung der Studierendenzahl der Medizinstudierenden würde die Studienqualität und Betreuungsmöglichkeiten verringern.”

Wir haben bereits reagiert und im Universitätsgesetz die Möglichkeit geschaffen, zusätzliche Studienplätze speziell für österreichische Studierende zu reservieren. Dieses Jahr stehen 85 speziell gewidmete Plätze Studierenden zur Verfügung, die sich nach Studienabschluss dazu verpflichten, in bestimmten Berufen, wie beispielsweise als Amtsärzte oder als Ärzte beim Bundesheer. Für eine Diskussion über einen möglichen weiteren Ausbau der Plätze bin ich stets bereit.