**Drastischer Sparkurs beim Medienriesen: RTL Deutschland streicht 600 Jobs und schließt eine Produktionsfirma. Die TV-Werbeeinnahmen sind seit 2019 dramatisch eingebrochen.**
Der Medienkonzern RTL Deutschland setzt den Rotstift an und streicht rund 600 der insgesamt 6.000 Arbeitsplätze. Die Kürzungen betreffen nahezu alle Unternehmensbereiche – von Marketing und Produktion bis zur Personalabteilung. Zusätzlich fallen etwa 100 Stellen durch die Schließung der hauseigenen Produktionsfirma 99pro Media weg, die bisher für bekannte Formate wie „Zwischen Tüll und Tränen“ oder „Goodbye Deutschland“ verantwortlich zeichnete. RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Wir planen eine grundlegende Neuordnung unserer Strukturen.“
Als Hauptursachen für die Sparmaßnahmen führte Schmitter die angespannte Wirtschaftslage und den verschärften Wettbewerb durch US-amerikanische Streamingdienste an. Plattformen wie Netflix, Disney+ und Amazon sowie Social-Media-Kanäle wie Youtube, Tiktok und Instagram hätten dem traditionellen Fernsehen erhebliche Marktanteile bei Zuschauern und Werbekunden abgenommen. Laut RTL sind die TV-Werbeeinnahmen im linearen Bereich seit 2019 um mehr als ein Fünftel eingebrochen. Auch der Konkurrent ProSiebenSat.1 reagiert mit einem Stellenabbau von rund 400 Positionen in diesem Jahr.
Das kommende Jahr 2025 bezeichnete Schmitter als wirtschaftlich besonders herausfordernd. Er rechnet mit einem Rückgang der TV-Werbeerlöse im oberen einstelligen Prozentbereich. Bereits im November hatte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe mit einer Gewinnwarnung signalisiert, dass die ursprünglichen Erwartungen nicht erreicht werden: Der Jahresumsatz werde voraussichtlich nur zwischen 6,0 und 6,1 Milliarden Euro liegen – anstatt der geplanten 6,45 Milliarden. Auch die Gewinnprognosen wurden nach unten korrigiert.
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Streaming-Fokus
Die strategische Neuausrichtung des Konzerns sieht eine stärkere Konzentration auf den hauseigenen Streamingdienst RTL+ vor. „Wir richten Strukturen und Kosten konsequenter auf das Streaminggeschäft aus“, erläuterte Schmitter. Trotz 6,6 Millionen zahlender Abonnenten schreibt RTL+ weiterhin rote Zahlen. Die Einbußen im gewinnträchtigen linearen Fernsehgeschäft können durch Streamingwerbung allein nicht kompensiert werden. Daher plant der Konzern, die Abo-Preise bei mehreren Tarifmodellen anzuheben und ein komplett werbefreies Angebot zu einem „möglichst erschwinglichen“ Preis einzuführen. Am Ziel, RTL+ bis 2026 in die Gewinnzone zu führen, hält der Geschäftsführer fest.
Gleichzeitig stehen dem Unternehmen erhebliche Ausgaben bevor: Die noch kartellrechtlich zu prüfende Übernahme von Sky Deutschland sowie der millionenschwere Vertrag mit Entertainer Stefan Raab verursachen beträchtliche Kosten. Zu den genauen Beträgen macht RTL keine Angaben, doch in der Branche kursieren Zahlen von insgesamt etwa 90 Millionen Euro für Raabs Fünfjahresvertrag oder sogar bis zu 40 Millionen Euro jährlich für Produktion und Exklusivrechte.
Programm-Einsparungen
Während Raabs Formate auf den Streamingplattformen und in der zeitversetzten Nutzung ordentliche Abrufzahlen erzielen, bleiben die Quoten im linearen Fernsehen deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Stefan & Bully gegen irgendson Schnulli“ erreichte zuletzt nur 8,2 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe, die wöchentliche „Stefan Raab Show“ im Durchschnitt 7,9 Prozent. „Einige Dinge laufen aktuell nicht nach Plan. Die Quote im linearen Fernsehen muss besser werden“, räumte Schmitter ein. Mit den zusammengerechneten Reichweiten sei man jedoch „zufrieden“.
Die Sparmaßnahmen waren in der Belegschaft bereits spürbar: Dienstreisen und Neuanschaffungen wurden seit Wochen gestoppt, selbst die Weihnachtsfeier fiel dem Rotstift zum Opfer. Nun wird deutlich, dass auch das Programmangebot betroffen ist, da RTL die Ausgaben für Inhalte reduziert und vermehrt auf Wiederholungen setzt. „In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage müssen wir das Programmbudget genau prüfen“, erklärte Schmitter. Künftig werde es häufiger eine Mischung aus Neuproduktionen und Wiederholungen geben, wobei das Auftragsvolumen 2025 regelmäßig überprüft werde. Produktionsfirmen berichten bereits, dass ursprünglich für 2025 geplante Folgen auf 2026 verschoben werden, um Produktionskosten einzusparen.
Trotz der Einsparungen will RTL gezielt in Schwerpunktbereiche wie Unterhaltung, Sport, Nachrichten und neue Technologien investieren. Der Stellenabbau solle „so fair und verantwortungsvoll wie möglich“ umgesetzt werden – mit großem Respekt gegenüber den betroffenen Mitarbeitenden.
Die Maßnahmen seien „einschneidend, aber unumgänglich“.