Ein seltenes Virus, das fast immer tödlich endet – jetzt hat es erneut einen Menschen in Bayern das Leben gekostet.
In Bayern ist erneut ein Mensch an den Folgen einer Borna-Virus-Infektion gestorben. Wie das Landratsamt am Donnerstag bekanntgab, wurde die Infektion im Raum Bad Wörishofen im Landkreis Unterallgäu festgestellt. Bundesweit werden jährlich weniger als zehn solcher Fälle registriert, der überwiegende Teil davon in Bayern.
Das zuständige Gesundheitsamt arbeitet derzeit an der Aufklärung des Übertragungswegs und steht dabei in engem Austausch mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Wie sich die betroffene Person infiziert hat, ist bislang nicht geklärt.
Übertragung & Schutz
Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) ist in der Feldspitzmaus beheimatet. Nach Einschätzung von Fachleuten überträgt sich das Virus durch den Kontakt mit den Ausscheidungen dieser Tiere. Infizierte Feldspitzmäuse geben den Erreger über Kot, Urin, Speichel und die Haut ab, ohne selbst Krankheitszeichen zu zeigen.
Lebende wie tote Tiere sollten daher keinesfalls mit bloßen Händen angefasst werden. Wer eine verendete Maus oder deren Ausscheidungen beseitigt oder staubaufwirbelnde Arbeiten an Orten durchführt, an denen Feldspitzmäuse vorkommen – etwa beim Kehren in einem Schuppen – sollte Gummihandschuhe, Schutzbrille und eine Feinstaubmaske tragen. Im Anschluss empfiehlt sich eine Dusche, das Waschen der getragenen Kleidung sowie die gründliche Reinigung kontaminierter Flächen.
Tote Tiere sollten in einem verschlossenen Plastiksack über den Hausmüll entsorgt werden. Feldspitzmäuse ernähren sich von Insekten, sind nachtaktiv und scheu, kommen nur selten vor und lassen sich an ihrem deutlich spitzeren Gesicht im Vergleich zu anderen Mausarten erkennen.
Therapie & Meldepflicht
Zur Behandlung stehen sowohl eine antivirale als auch eine immunsupprimierende Therapie zur Verfügung. Laut Experten ist es letztlich die überschießende Reaktion des Immunsystems, die die schweren und in den meisten Fällen tödlich verlaufenden Symptome auslöst. Die Letalitätsrate bei BoDV-1-Infektionen beim Menschen liegt bei über 90 Prozent. Der Erreger ist in der Tierwelt seit Langem bekannt.
Dass BoDV-1 auch auf den Menschen übertragbar ist und dabei meist tödliche Gehirnentzündungen verursachen kann, wurde erst 2018 wissenschaftlich belegt. Seit 2020 unterliegt die Erkrankung der Meldepflicht.
Auf dem Online-Portal der AGES wird festgehalten, dass das Virus in Österreich „bei Tieren bisher nur vereinzelt nachgewiesen wurden“ – in den vergangenen Jahren wurden demnach vier Fälle von Bornascher Krankheit beim Pferd erfasst. „Bei Menschen ist in Österreich noch kein Fall einer durch Bornaviren verursachten Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) aufgetreten.“