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Megaprojekt

Mega-Tunnel in Bosnien: US-Firmen zeigen Interesse am Großprojekt

Mega-Tunnel in Bosnien: US-Firmen zeigen Interesse am Großprojekt
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

1.300 Meter Gestein über dem Kopf, Milliarden auf dem Tisch – und nun ein mächtiger Akteur, der alles verändern könnte.

Seit Jahren wird er angekündigt, seit Jahren bleibt er Versprechen: der Prenj-Tunnel, das wohl ambitionierteste Infrastrukturvorhaben in Bosnien-Herzegowina. Doch nun verdichten sich die Zeichen, dass das Megaprojekt tatsächlich in Bewegung geraten könnte.

Geplant ist der Tunnel als Herzstück der künftigen Autobahn zwischen Sarajevo und Mostar. Mit einer Länge von rund 10,9 Kilometern würde er nicht nur zum längsten Straßentunnel des Landes avancieren, sondern auch zu einem der längsten in ganz Südosteuropa. Die Trasse führt direkt durch das Massiv des Prenj – eines der geologisch wildesten und imposantesten Gebirge der Region.

Was das Projekt dabei in eine eigene Dimension hebt, ist weniger die schiere Länge als vielmehr die Tiefe: An bestimmten Streckenabschnitten werden die Tunnelröhren mehr als 1.300 Meter unter der Bergoberfläche verlaufen. Fachleute bezeichnen diese gewaltige Gesteinsüberlagerung als eines der größten bautechnischen Herausforderungsszenarien, mit denen ein europäisches Tunnelprojekt derzeit konfrontiert ist.

Entsprechend schlägt das Vorhaben finanziell zu Buche. Die aktuellen Kostenschätzungen bewegen sich zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Konvertible Mark (rund 560 bis 610 Millionen Euro) – womit der Prenj-Tunnel zum teuersten Einzelbauwerk des gesamten Korridors Vc und zu einem der größten Infrastrukturprojekte in der Geschichte des Landes wird. Ohne ihn ist die durchgehende Autobahnverbindung zwischen den beiden größten Städten der Föderation schlicht nicht realisierbar.

Amerikanisches Interesse

Genau hier kommt eine neue Entwicklung ins Spiel, die in Fachkreisen aufhorchen lässt: Amerikanische Unternehmen haben konkretes Interesse an Finanzierung und Bau des Tunnels signalisiert. Besonders der Infrastrukturriese Bechtel – eines der größten Bauunternehmen weltweit – soll sich in Stellung gebracht haben, wie das Wirtschaftsportal BiznisInfo.ba berichtet.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht allein der Name, sondern das dahinterstehende Modell: Statt der bislang vorgesehenen Finanzierung über die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie die Europäische Investitionsbank setzen amerikanische Akteure auf Konzessionsmodelle oder direkte Partnerschaftsvereinbarungen. Verträge könnten damit in einem Bruchteil der Zeit abgeschlossen werden, die klassische Entwicklungsbankenprozesse üblicherweise beanspruchen.

Als Referenzbeispiel wird in diesem Zusammenhang häufig die sogenannte Südinterkonnektion angeführt, bei der amerikanisches Engagement festgefahrene Prozesse nach jahrelangem Stillstand wieder in Gang gebracht hat. Für viele Beobachter gilt das Interesse aus den USA daher als möglicher Wendepunkt für ein Projekt, das seit Jahren als das wichtigste unvollendete Glied des Korridors Vc gilt.

Geologische Unbekannte

Technisch soll der Prenj-Tunnel europäischen Spitzenstandards entsprechen. Vorgesehen sind zwei vollständig voneinander getrennte Röhren mit je zwei Fahrspuren, Sicherheitsdurchgänge zur Evakuierung, moderne Belüftungs- und Brandschutzsysteme, Videoüberwachung mit automatischer Vorfallserkennung sowie eine zentrale Verkehrsleitzentrale. Aufgrund der Tunnellänge greifen dabei die strengsten einschlägigen EU-Normen für große Straßentunnel.

Die eigentliche Unbekannte bleibt jedoch die Geologie. Das Prenj-Massiv gilt als eines der karstreichsten und hydrologisch unberechenbarsten Gebirge des Landes – durchzogen von unterirdischen Wasserläufen, Höhlen, Kavernen und tektonischen Verwerfungen. Selbst umfassende Voruntersuchungen können nicht mit Sicherheit erfassen, was sich in mehr als einem Kilometer Tiefe verbirgt.

Experten warnen, dass unvorhergesehene Hohlräume oder Wassereinbrüche den Baufortschritt erheblich beeinflussen können. Der Tunnel trägt deshalb in Fachkreisen den Beinamen „die große Unbekannte“ – und das nicht ohne Grund.

Das übergeordnete Ziel ist klar: Die Fahrzeit zwischen Sarajevo und Mostar soll nach Fertigstellung der Autobahn auf rund eine Stunde sinken – bei deutlich höherer Verkehrssicherheit und ohne die chronischen Engpässe der heutigen Magistralstraße durch das Neretva-Tal. Darüber hinaus würde der Abschnitt einen entscheidenden Schritt zur Vervollständigung des Korridors Vc bedeuten, jener transeuropäischen Verkehrsachse, die Mitteleuropa mit der Adria verbindet.

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KO KOSMO-Redaktion
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