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Wohntrend

Mietpreise explodieren: Warum Österreicher dennoch glücklich wohnen

Mietpreise explodieren: Warum Österreicher dennoch glücklich wohnen
FOTO: Stadt Wien
4 Min. Lesezeit |

Trotz steigender Mietkosten und historischem Tiefstand bei Baugenehmigungen: Die Österreicher bewerten ihre Wohnsituation mit 8,1 von 10 Punkten überraschend positiv.

Die Österreicher zeigen sich mit ihrer Wohnsituation äußerst zufrieden. Auf einer Skala von null bis zehn liegt die Wohnzufriedenheit bei beachtlichen 8,1 Punkten. Dies sei bemerkenswert, „trotz vieler Baustellen in diesem Bereich“, wie Regina Fuchs von der Direktion Bevölkerung der Statistik Austria am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien erläuterte.

Mit den angesprochenen „Baustellen“ bezog sich Fuchs nicht auf den drastischen Einbruch bei Baugenehmigungen, die 2024 einen historischen Tiefstand erreichten, sondern vielmehr auf die kontinuierlich steigenden Mietkosten.

Österreichweit existieren 4,16 Millionen Hauptwohnsitzwohnungen, wobei 48 Prozent davon Eigentum sind. Im Durchschnitt bewohnen 2,17 Personen eine 102 Quadratmeter große Wohneinheit mit 3,9 Räumen. Mit einer Mietquote von 46 Prozent liegt Österreich europaweit an zweiter Stelle hinter Deutschland (53 Prozent) und deutlich über dem EU-Durchschnitt von 32 Prozent. Diese vergleichsweise hohe Quote wird maßgeblich durch Wien beeinflusst, wo 78 Prozent der Wohnungen gemietet sind.

Am unteren Ende der Skala befinden sich das Burgenland mit 22 Prozent und Niederösterreich mit 28 Prozent Mietanteil. In den übrigen Bundesländern bewegt sich die Quote zwischen 34 und 40 Prozent, wie aus der Erhebung „Wohnen 2024“ der Statistikbehörde hervorgeht.

Wohnqualität und Kosten

Zwischen Eigentums- und Mietwohnungen bestehen erhebliche Unterschiede in der Wohnqualität. Eine durchschnittliche Eigentumswohnung verfügt über 132 Quadratmeter Fläche, 4,7 Zimmer und ist mit Zentralheizung ausgestattet. Mietwohnungen hingegen umfassen lediglich knapp 69 Quadratmeter mit 2,9 Wohnräumen und werden typischerweise mit Fernwärme beheizt.

Die Mietkosten sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich über der Inflationsrate gestiegen, wie Fuchs darlegte. Während 2010 durchschnittlich nur 6 Euro pro Quadratmeter inklusive Betriebskosten anfielen, betrug dieser Wert im Vorjahr bereits 9,80 Euro. Allein 2024 verzeichneten die Mieten einen Anstieg von 4,8 Prozent, während der Verbraucherpreisindex lediglich um 2,9 Prozent zulegte.

⇢ Mieten explodieren in diesem Bundesland: Fast doppelt so hoher Anstieg wie Inflation

Der soziale Wohnbau wirkt dabei preisdämpfend: In Gemeindewohnungen werden durchschnittlich 8 Euro pro Quadratmeter inklusive Betriebskosten fällig, in Genossenschaftswohnungen 8,50 Euro, während andere Hauptmietverhältnisse mit 11,60 Euro zu Buche schlagen. Neuvermietungen liegen deutlich über diesen Durchschnittswerten.

Regional zahlen Mieter in Salzburg am meisten (11,90 Euro), dicht gefolgt von Tirol und Vorarlberg (11,50 bzw. 11,30 Euro). Am günstigsten wohnt man zur Miete in Kärnten (7,70 Euro) und im Burgenland (7,40 Euro).

Soziale Unterschiede

Junge Singles und Personen mit Migrationshintergrund tragen überdurchschnittlich hohe Mietbelastungen. Einpersonenhaushalte unter 30 Jahren zahlen 11,30 Euro pro Quadratmeter (gegenüber 9,70 Euro bei Einfamilienhaushalten), während Alleinlebende über 60 Jahre nur 8,50 Euro entrichten. Haushalte mit ausschließlich österreichischen Staatsbürgern wenden durchschnittlich 9,10 Euro für Wohnkosten auf, Haushalte ohne österreichische Staatsbürgerschaft hingegen 11,10 Euro.

Die Vertragsdauer variiert je nach Mietform erheblich. Bei Gemeindewohnungen beträgt die durchschnittliche Mietdauer 13,2 Jahre, bei Genossenschaftswohnungen 8,3 Jahre und bei privaten Hauptmietverhältnissen lediglich 2,4 Jahre. Diese Diskrepanz erklärt sich hauptsächlich dadurch, dass fast die Hälfte der privaten Mietverträge befristet ist, während dies bei Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen selten vorkommt.

Von allen Mietwohnungen in Österreich entfallen 39 Prozent auf Genossenschaften, 16 Prozent auf Gemeinden und 45 Prozent auf andere Hauptmietformen wie Privatvermietungen.

Die Baugenehmigungen haben 2024 einen historischen Tiefstand erreicht. Verglichen mit dem Höchstwert von 71.805 Bewilligungen im Jahr 2017 (für Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser) bedeuten die 31.867 Genehmigungen von 2024 mehr als eine Halbierung. Bereits 2023 lag die Zahl der Bewilligungen auf ähnlich niedrigem Niveau.

Beim Immobilienerwerb sind Bestandsobjekte seit der Zinswende günstiger geworden. Erst im letzten Quartal 2024 zeichnete sich wieder ein leichter Aufwärtstrend ab. Neubauwohnungen und -häuser verzeichneten nur kurzzeitig einen Preisrückgang – 2023 um 0,3 Prozent – und verteuerten sich im Vorjahr wieder um 2,7 Prozent.

Auch die Anzahl der Immobilienkäufe steigt laut Statistikbehörde seit dem zweiten Quartal 2024 wieder an, nachdem seit dem dritten Quartal 2021 Rückgänge bis hin zu deutlichen Einbrüchen in den Jahren 2022 und 2023 zu verzeichnen waren.

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KO KOSMO-Redaktion
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