Letzte Runde in der Kultbar: Nach drei Jahrzehnten steht das Taro in Bruck an der Leitha vor dem Aus. Doch Betreiber Gerald Straus kämpft gegen die Uhr.
Nach mehr als 30 Jahren hat die Cocktailbar Taro in Bruck an der Leitha ihren Betrieb eingestellt. Das bei Gästen beliebte Lokal musste seine Türen schließen, wie Betreiber Gerald Straus gegenüber den „Niederösterreichischen Nachrichten“ bestätigte. Hintergrund ist ein von der Österreichischen Gesundheitskasse im März beantragtes Insolvenzverfahren, das Ende Mai eröffnet wurde. Das Landesgericht Korneuburg verfügte nun die sofortige Schließung aufgrund der finanziellen Schieflage des Unternehmens.
Der Gastronom Gerald Straus gibt sich im Gespräch mit „Heute“ jedoch zuversichtlich. Er betont, dass es sich lediglich um eine temporäre Betriebsunterbrechung handle und er intensiv an einer Lösung arbeite. Die Insolvenzverfahren seien noch nicht abgeschlossen und zahlreiche Anträge stünden noch zur Bearbeitung aus. Masseverwalter Wolfgang Sindelar macht jedoch deutlich, dass Straus für eine Wiedereröffnung zügig einen entsprechenden Antrag einreichen müsste – verbunden mit einer überzeugenden Planrechnung sowie einer Fortführungskaution in Höhe zweier Brutto-Monatsumsätze.
Zeitlicher Druck
Der Zeitdruck wächst: Gläubiger können ihre Forderungen nur noch bis zum 13. August anmelden. Die erste Tagsatzung ist für den 27. August um 10:45 Uhr angesetzt. Für Straus, der das Lokal seit 16 Jahren führt, stellt die finanzielle Hürde eine erhebliche Herausforderung dar. Laut „NÖN“ reicht die vorhandene Insolvenzmasse nicht einmal zur Deckung der Masseforderungen aus. Die angespannte finanzielle Lage ist laut Masseverwalter vor allem auf fehlende liquide Mittel zurückzuführen, was letztendlich zur behördlich angeordneten Schließung führte.
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Kulturelles Zentrum
Das Taro war in seiner langjährigen Geschichte weit mehr als nur eine gewöhnliche Bar. Es entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum, in dem Improvisationstheater, Nachwuchsmusiker und Kleinkunst eine Bühne fanden. Namhafte Künstler wie Ernst Molden, Birgit Denk und Peter Kern traten hier auf. Auch das „Low Budget Impro-Orchester“, bei dem Straus selbst mitwirkte, gehörte zum regelmäßigen Programm. Für sein kulturelles Engagement erhielt der Barbetreiber 2015 den Kulturpreis der Stadt Bruck.
Auch die Qualität der Getränke überzeugte Fachkreise: Im renommierten Falstaff Bar Guide wurde das Taro mit drei von vier möglichen Cocktail-Gläsern ausgezeichnet. Die Bewertung lobte besonders Barkeeper Gerald Straus für sein Fachwissen und seine kreativen Mixgetränke.
Teil eines größeren Trends
Das Schicksal des Taro steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen viele Kulturbars in Niederösterreich konfrontiert sind. Branchenexperten berichten von einer spürbaren Zunahme an Insolvenzen im regionalen Gastgewerbe. Besonders kleinere Lokale mit kulturellem Schwerpunkt geraten durch die Nachwirkungen der Pandemie, steigende Energiekosten und erhöhte Abgaben zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Hinzu kommen Personalmangel und eine generell gedämpfte Konsumfreude, die das wirtschaftliche Überleben dieser Betriebe erschweren.
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Ob die Cocktailbar eine Zukunft hat, liegt nun in den Händen des Gerichts – und hängt maßgeblich von der finanziellen Situation ab.
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