Ein Lied mit umstrittener Vergangenheit bringt Bosniens Verteidigungsminister in Bedrängnis. Das Video seiner Gesangseinlage sorgt für politische Turbulenzen.
Der bosnische Verteidigungsminister Zukan Helez steht im Zentrum einer Kontroverse, nachdem er bei einer privaten Feier ein Lied des umstrittenen Sängers Thompson angestimmt hatte. Das in sozialen Medien verbreitete Video zeigt Helez beim Singen von „Mein Ivan“ – einem Lied, das Bezüge zur Schwarzen Legion der Ustascha herstellt, einer Einheit, die für Gräueltaten an serbischen Zivilisten verantwortlich gemacht wird.
In einer Stellungnahme auf Facebook wies Helez die Kritik zurück. Er bezeichnete das Lied als „patriotisch“ und betonte, es besinge lediglich seinen Heimatort, ohne religiöse oder nationale Gefühle zu verletzen. Der Minister vermutet politische Motive hinter der Empörung und sieht sich als Ziel einer Kampagne, die von der „Partei der Demokratischen Aktion“ (SDA) der Bosniaken orchestriert werde. In seinem Statement unterstrich Helez sein Engagement für ein geeintes, multiethnisches Bosnien-Herzegowina.
Umstrittener Liedinhalt
Wie Slobodna Evropa berichtet, thematisiert das Lied „Mein Ivan“ die Schwarze Legion, eine Eliteeinheit der Ustascha (kroatische faschistische Bewegung 1941-1945), die zwar die Stadt Kupres verteidigte, dabei jedoch zahlreiche Verbrechen an der serbischen Zivilbevölkerung verübte. In den sozialen Netzwerken reagierten viele Nutzer mit Unverständnis auf Helez‘ Verhalten und kritisierten, dass er einen Künstler unterstütze, der für die Verherrlichung rechtsextremistischer Ideologien bekannt sei.
Thompson und die Ustascha-Kontroverse
Marko Perković Thompson ist seit den 1990er Jahren für Lieder bekannt, die von Kritikern und internationalen Medien immer wieder mit der Verherrlichung des kroatischen Faschismus und der Ustascha-Ideologie in Verbindung gebracht werden. Bei Konzerten kam es mehrfach zu Vorfällen mit Ustascha-Symbolik und dem Skandieren des Slogans „Za Dom Spremni“ durch Fans. Thompson selbst distanziert sich von solchen Symbolen, macht jedoch keine Kleidervorschriften für sein Publikum.
Das Lied „Moj Ivane“ (Mein Ivan) bezieht sich laut übereinstimmenden Medienberichten explizit auf die Schwarze Legion, jene Eliteeinheit der Ustascha, die während des Zweiten Weltkriegs die Stadt Kupres verteidigte und dabei zahlreiche Verbrechen an serbischen Zivilisten verübte.
Mögliche Konsequenzen
Ob der Vorfall juristische Folgen für den Verteidigungsminister haben wird, bleibt offen. Der Sender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Radio-Televizija Republike Srpske (RTRS) fordert bereits Konsequenzen, doch eine offizielle Reaktion steht noch aus.