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Machtkonzentration

Modegigant vor radikalem Schritt – Experten warnen vor Kettenreaktion

Modegigant vor radikalem Schritt – Experten warnen vor Kettenreaktion
(Foto: iStockphoto)
4 Min. Lesezeit |

Die Milliardärsfamilie Persson intensiviert ihre Kontrolle über H&M und befeuert damit Spekulationen über einen möglichen Börsenrückzug des Modekonzerns. Ende Mai hielten die Perssons und ihre verbundenen Unternehmen bereits mehr als 64 Prozent der Anteile am schwedischen Moderiesen, dessen Marktwert derzeit bei etwa 187 Milliarden schwedischen Kronen (rund 19,7 Milliarden Dollar) liegt.

Trotz der starken Marktposition verzeichnete die H&M-Aktie seit Jahresbeginn einen Wertverlust von neun Prozent – ein Spiegelbild der allgemeinen Marktturbulenzen und der Herausforderungen im Einzelhandel.

Diese Entwicklung könnte auf einen strategischen Richtungswechsel eines der weltweit führenden Modeunternehmen hindeuten. Die Holdinggesellschaft der Familie, Ramsbury Invest, die hauptsächlich dem reichsten Schweden Stefan Persson gehört, hat allein im ersten Halbjahr 42,75 Millionen H&M-Aktien erworben. Die jüngste Transaktion fand laut Daten der schwedischen Finanzaufsichtsbehörde erst am Montag statt.

Das Tempo der Aktienkäufe hat sich deutlich beschleunigt: Während Ramsbury Invest im gesamten Jahr 2024 bisher 56,85 Millionen Aktien kaufte und 2023 insgesamt 55,65 Millionen, hat die Familie nun ihr Engagement in kürzerer Zeit massiv ausgeweitet.

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Die konsequente Strategie zeigt Wirkung: Mittlerweile kontrolliert die Persson-Familie rund 70 Prozent des Kapitals sowie etwa 85 Prozent der Stimmrechte – eine Machtposition, die durch die besondere Aktienstruktur mit Stimmrechtsvorteilen für die Gründerfamilie weiter verstärkt wird. Finanzexperten weisen darauf hin, dass die Familie bei Erreichen von 90 Prozent der Anteile einen formellen Antrag auf Delisting stellen könnte.

Experteneinschätzungen

Finanzexperten interpretieren diese Entwicklung als deutliches Signal für die langfristigen Pläne der Eigentümerfamilie. „Mit steigendem Aktienanteil fließen höhere Dividenden zurück, die wiederum für weitere Käufe eingesetzt werden können“, erläutert Adam Cochrane, Analyst bei der Deutschen Bank, der einen vollständigen Börsenrückzug von H&M bis 2030 für wahrscheinlich hält.

Ähnlich äußert sich Peter Magnusson, Portfoliomanager bei Cicero Fonder in Stockholm: „Ich gehe davon aus, dass sie das Unternehmen früher oder später von der Börse nehmen werden – die Frage ist nur, ob das jetzt, in zehn oder zwanzig Jahren geschehen wird.“ Magnusson betont jedoch, dass die Familie für eine komplette Übernahme vermutlich externe Finanzierungsquellen oder Partner benötigen würde.

H&M selbst verweigert jeden Kommentar zu den Aktienkäufen und verweist Anfragen an den Sprecher von Ramsbury Invest, der sich ebenfalls weder zur Anteilserhöhung noch zu einem möglichen Delisting (Rückzug von der Börse) äußern wollte. Branchenkenner rechnen damit, dass künftig mehr börsennotierte Einzelhändler einen Rückzug vom Kapitalmarkt erwägen könnten – nicht zuletzt aufgrund von Handelshemmnissen wie Zöllen und der anhaltenden Marktvolatilität.

Strategische Vorteile eines Börsenrückzugs

Ein möglicher Börsenrückzug bietet für H&M erhebliche strategische Vorteile. Als privat geführtes Unternehmen könnte der Konzern flexibler auf Marktschwankungen und regulatorische Herausforderungen reagieren, ohne dem Druck kurzfristiger Aktionärserwartungen ausgesetzt zu sein. Gerade in Zeiten volatiler Rohstoffpreise und zunehmender Handelshürden würde dies dem Management mehr Spielraum für langfristige Transformationsprozesse geben.

Branchenexperten sehen darin einen wachsenden Trend: Auch andere Modekonzerne prüfen angesichts der aktuellen Unsicherheiten einen Rückzug vom Kapitalmarkt, um sich besser auf die Digitalisierung ihres Geschäftsmodells konzentrieren zu können. Die fortlaufende Reinvestition von Dividenden in weitere Aktien beschleunigt dabei den Prozess für die Familie Persson erheblich.

Familiengeschichte

Die Geschichte von H&M begann 1947 mit der Gründung durch Erling Persson. Sein Sohn Stefan übernahm 1982 die Geschäftsführung und prägte das Unternehmen 27 Jahre lang, bevor er 2009 die Leitung an seinen Sohn Karl-Johan Persson weitergab.

Ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte war das Jahr 2020, als erstmals eine Person außerhalb der Gründerfamilie an die Konzernspitze berufen wurde, während Karl-Johan den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm. Obwohl die Familie Persson ihre Pläne nicht offiziell bestätigt, werden ihre Marktaktivitäten von Analysten genau beobachtet.

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KO KOSMO-Redaktion
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