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Fahrzeuggefahr

Moderne Bremssysteme außer Kontrolle: 300 Betroffene nach mysteriösen Unfällen

Moderne Bremssysteme außer Kontrolle: 300 Betroffene nach mysteriösen Unfällen
(FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Frankreich leitet Untersuchung zu mysteriösem „Phantombremsen“ auf Autobahnen ein. Im Fokus steht das sogenannte „Phantombremsen“ – ein Phänomen, bei dem Fahrzeuge bei hohem Tempo ohne erkennbaren Grund plötzlich stark abbremsen.

Frankreich hat eine dringende Untersuchung zu einer beunruhigenden Serie von Autobahn-Unfällen gestartet. Betroffen sind vorwiegend Autos mit automatischen Notbremssystemen und modernen Fahrassistenztechnologien, die eigentlich für mehr Sicherheit sorgen sollen. Paradoxerweise scheinen genau diese Systeme die Unfälle zu verursachen, indem sie Verkehrsschilder, Schatten oder harmlose Gegenstände fälschlicherweise als Gefahr interpretieren.

Auslöser der Untersuchung war ein dramatischer Vorfall nahe Lyon. Joanna Peyrache schilderte, wie ihr Peugeot 208 bei Tempo 105 unvermittelt eine Vollbremsung einleitete. Das nachfolgende Fahrzeug krachte in ihr Heck und beschädigte ihren Wagen erheblich. „Durch den Aufprall drehte sich mein Auto um 180 Grad. Ich kann mir nicht erklären, warum es plötzlich gebremst hat“, berichtete die Fahrerin gegenüber lokalen Medien.

Nachdem ihre Versicherung die Schadensübernahme verweigerte, begann sie selbständig zu recherchieren. Mittlerweile haben sich über 300 Betroffene gemeldet, die von ähnlichen Vorfällen berichten – ihre Fahrzeuge hätten ohne jede Vorwarnung abrupt angehalten.

Technische Schwachstellen identifiziert

Die französischen Untersuchungen reihen sich in eine internationale Diskussion über die Zuverlässigkeit moderner Fahrassistenzsysteme ein. Deutsche Gutachter stellten im Juni 2025 gravierende Schwächen bei kamerabasierten Systemen fest, insbesondere bei der Hinderniserkennung. Ein gerichtlich beauftragtes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass Fahrzeuge mit reiner Kameratechnik deutlich weniger zuverlässig arbeiten als solche mit Ultraschallsensoren.

Diese technischen Defizite erhöhen die Gefahr unerwarteter Bremsmanöver erheblich, bestätigten die Experten. Besonders problematisch: Die fehlerhafte Interpretation von harmlosen Objekten als Hindernisse führt zu genau jenen Phantombremsung-Vorfällen, die auch in Frankreich untersucht werden.

Rechtliche Konsequenzen

Einige der betroffenen Autofahrer sind derart erschüttert, dass sie eine Sammelklage gegen die Hersteller erwägen. Fachleute warnen, dass das Problem weit über Frankreichs Grenzen hinausreichen könnte. Mit der zunehmenden Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen könnte ein Softwarefehler Millionen Menschen gefährden.

Brancheninsider befürchten zudem, dass solche Vorfälle das Vertrauen in die Technologie des autonomen Fahrens nachhaltig beschädigen könnten, da diese auf denselben Sensorsystemen basiert. Manche Experten gehen sogar davon aus, dass das „Phantombremsen“ die Einführung selbstfahrender Autos verzögern könnte, sollte keine Lösung gefunden werden.

Tragische Folgen

Besonders tragisch ist ein Fall vom Dezember 2023: Fahrerin Aurelie Tormos berichtete, dass auch ihr Wagen ohne Vorankündigung stark gebremst habe. Bei dem folgenden Unfall kam ihr Beifahrer ums Leben, sie selbst wurde später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Aktivisten fordern nun eine Überprüfung solcher Urteile, falls sich herausstellen sollte, dass „Phantombremsen“ die eigentliche Unfallursache war. Eine Petition, die eine parlamentarische Untersuchung fordert, hat bereits mehr als 450 Unterschriften gesammelt. Darin wird hervorgehoben, dass verschiedene Automarken betroffen sind, wobei die Gemeinsamkeit in den verbauten Fahrerassistenzsystemen, insbesondere den automatischen Bremssystemen, liegt.

„Fehlkalibrierte Sensoren sind wie ein Kurzsichtiger ohne Brille am Steuer. Das Fahrzeug kann wegen nicht existierender Hindernisse abrupt bremsen“, erläutert Christophe Theuil, Vizepräsident des französischen Automobilverbands. Die Behörden haben angekündigt, dass die Untersuchung Sensoren, Algorithmen und sogar Wetterbedingungen unter die Lupe nehmen wird, um die Auslöser dieser gefährlichen Vorfälle zu identifizieren.

Bislang wurden in Frankreich keine offiziellen Rückrufaktionen gestartet, obwohl Fahrer berichten, dass der Fehler marken- und modellübergreifend auftritt.

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KO KOSMO-Redaktion
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