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Tragödie

Nach Graz-Amoklauf: Ehemalige Schüler brechen Schweigen

Nach Graz-Amoklauf: Ehemalige Schüler brechen Schweigen
FOTO: EPA-EFE/ANTONIO BAT
5 Min. Lesezeit |

Nach dem Amoklauf am Grazer BORG melden sich ehemalige Schüler mit einem emotionalen Bekenntnis zu ihrer Schule. Sie zeichnen ein Bild des Zusammenhalts und der Wärme.

Mehr als drei Wochen nach dem verheerenden Amoklauf am Grazer BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) Dreierschützengasse rückt die Zukunft der Bildungseinrichtung verstärkt in den Fokus öffentlicher Debatten. Die Schule, die seit dem tragischen Ereignis vom 10. Juni mit zehn Todesopfern landesweit bekannt wurde, hat inzwischen einen Teil ihrer Schülerschaft wieder im Gebäude aufgenommen. Intensiv wird nun diskutiert, wie schnell der Weg zurück in den Schulalltag beschritten werden soll und welche Unterstützungsmaßnahmen die Jugendlichen auch während der Sommerferien benötigen. Der Elternverein hat sich in dieser Debatte am Mittwoch zu Wort gemeldet und sogar einen späteren Schulstart im Herbst als mögliche Option ins Gespräch gebracht.

Nun melden sich auch Absolventen der Schule mit einem offenen Brief zu Wort und zeichnen ein ausgesprochen positives Bild ihrer ehemaligen Bildungsstätte. „Diese Schule ist ein Ort, wie es ihn selten gibt – einer, der jungen Menschen eine Stimme verleiht, sie trotz Leistungssystems auf einem individuellen Weg begleitet, Schüler*innen einen Raum für Freundinnenschaft, Gemeinschaft und Zusammenhalt bietet und vor allem da ist, wenn man mehr braucht.“ So formulieren es die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der 8D-Klasse, die zwischen 2017 und 2021 das BORG Dreierschützengasse besuchten.

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Persönliche Stimmen

Die Initiative der früheren 8D-Klasse umfasst neben dem offenen Brief auch persönliche Stellungnahmen einzelner Absolventen. Hier einige Auszüge aus diesen individuellen Bekenntnissen:

Die beste Entscheidung meines Lebens. No contest.
Jasper H.

Ein Ort, der mir nach dem Schulwechsel hierher die Freude am Schulbesuch zurückgegeben hat und an dem ich einfach ich selbst sein durfte.
Katrin M.

Mehr als eine Schule! Es ist ein Ort, an den ich immer wieder gerne zurückdenke und den ich mit Wärme, Lachen und Zusammenhalt verbinde.
Lena S.

Ein Ort, wo man Unterstützung in jeder Lebenslage, schulisch, aber auch außerschulisch, erhält und ein Ort für Verständnis.
Lisa S.

Der offene Brief der ehemaligen Klasse richtet sich an die breite Öffentlichkeit, Medienvertreter und alle Menschen mit Verbindung zur Schule. Die Verfasser betonen gleich zu Beginn: „Diese Schule bedeutet uns viel, und es tut weh, Zeilen zu lesen, die diesen Ort anders darstellen, als er ist und war.“

Ehrliche Erinnerungen

Die Absolventen räumen ein, dass Erinnerungen an die Schulzeit oft verklärt werden können, distanzieren sich jedoch von solcher Nostalgie: „Wenn man nach längerer Zeit an seine Schulzeit zurückdenkt, passiert es leichter und schneller als gedacht, eine rosarote Brille aufzusetzen, die stressigen und fordernden Zeiten wegzudenken und Erinnerungen an „damals“ in eine warme Farbe zu tauchen. Das machen wir hier nicht, denn in Anbetracht dieses unvorstellbaren und erschütternden Ereignisses müssen wir nun ehrlich sein. Die Beschönigungsbrille also abgenommen:“

Sie beschreiben ihre ehemalige Schule als besonderen Ort, der jungen Menschen Gehör schenkt, sie individuell fördert und ihnen einen Raum für Gemeinschaft bietet. Besonders betonen sie das Unterstützungsangebot: „Was wir damit meinen, ist ein Angebot: reichende Hände, die junge Menschen in herausfordernden Lebensphasen greifen können, wenn sie das brauchen. Lehrer*innen, die den Menschen sehen und abgesehen von Noten auch hinter die Leistungsfassade blicken.“

Umfassendes Krisenmanagement

Nach dem Amoklauf hat die Schule unter Hochdruck ein umfassendes psychosoziales Betreuungskonzept umgesetzt. Mehrere Teams aus Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie Spezialisten für Krisenintervention stehen seither dauerhaft vor Ort zur Verfügung. Sie bieten individuelle Beratung und unterstützen bei der Trauma-Bewältigung – ein Angebot, das sowohl von Schülern als auch Lehrkräften und Angehörigen genutzt wird.

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Besonders bemerkenswert: Das BORG hat zusätzlich spezielle Begegnungsräume geschaffen, in denen Betroffene gemeinsam die Ereignisse verarbeiten können. Die schulpsychologische Betreuung wurde bewusst auch außerhalb der Unterrichtszeiten angesiedelt, um möglichst niederschwellige Hilfe zu gewährleisten. Zur Verstärkung wurden Expertenteams aus anderen Bundesländern hinzugezogen, was die flächendeckende Betreuung sicherstellt.

Die Verfasser sind überzeugt, dass die Schule wieder zu einem sicheren Ort werden kann, wenn sie ihren bisherigen Weg fortsetzt. Sie weisen die Verantwortung für das Geschehene von der Schule: „Wenn hier jemand die Verantwortung trägt, dann ist es die Politik – und wir alle, die wir mehr unsere Gesellschaft und den Frieden pflegen sollten.“

In ihrem Schreiben würdigen die ehemaligen Schüler, dass das BORG Dreierschützengasse ihnen nicht nur akademisches Wissen vermittelt hat, sondern sie zu einer inklusiven Gemeinschaft geformt hat – „egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, Glaubens, sexueller Orientierung oder Gesellschaftsschicht.“

Der Brief schließt mit einem Aufruf zum Zusammenhalt und zur gegenseitigen Unterstützung, ganz im Sinne des Schulmottos: „Gemeinsam für das Leben lernen“.

Unterzeichnet ist er mit „Herzlich und in unendlicher Betroffenheit, ehemalige Schüler*innen der 8D-Klasse (2017-2021)“.

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KO KOSMO-Redaktion
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