Nach dem Amoklauf am Grazer BORG mit zehn Todesopfern greift eine besondere Regelung: Die betroffenen Maturanten dürfen auf die mündliche Prüfung verzichten.
Nach dem verheerenden Amoklauf am BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) in der Grazer Dreierschützengasse, bei dem zehn Menschen ihr Leben verloren, hat nun auch der Bundesrat eine Sonderregelung für die betroffenen Maturanten beschlossen. Die letzte parlamentarische Instanz gab grünes Licht für eine Ausnahmeregelung, die bereits zuvor im Nationalrat im Eilverfahren verabschiedet worden war. Schülerinnen und Schüler der betroffenen Bildungseinrichtung können demnach auf die mündliche Reifeprüfung verzichten. In diesem Fall erfolgt die Beurteilung auf Grundlage des Jahreszeugnisses, wie aus einer offiziellen Mitteilung hervorgeht.
Der 10. Juni 2025 markiert einen tiefen Einschnitt in der österreichischen Geschichte. An diesem Tag betrat ein ehemaliger Schüler mit zwei Schusswaffen das BORG Dreierschützengasse und eröffnete das Feuer. Die Bilanz des Amoklaufs: zehn Todesopfer, bevor der Täter sich selbst das Leben nahm.
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📍 Ort des Geschehens
Flexible Regelung
Die Entscheidungsfreiheit bezüglich der Matura bleibt den Schülern bis zum 31. Oktober 2025 erhalten. Dabei wird ausdrücklich betont: „Kandidaten, die eine Prüfung ablegen möchten, können dies aber tun.“ Die steirische Mandatarin Antonia Herunter (ÖVP) unterstrich, dass diese gesetzliche Anpassung den betroffenen Maturanten Halt gebe.
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Auch Bernadette Kerschler (SPÖ) bewertete die Maßnahme als „wichtig und notwendig“. Bundesrätin Julia Deutsch (NEOS) forderte darüber hinaus weitergehende Schritte: Den flexiblen Lösungen müssten „viele weitere große Schritte folgen, etwa durch einen Ausbau der Schulpsychologie“ und weiteren niederschwelligen Angeboten auch im digitalen Raum.
Parteiübergreifende Unterstützung
Peter Samt (FPÖ) bezeichnete die Sonderbestimmung für die Reifeprüfung als „sinnvolle Reaktion auf ein unfassbares Attentat“. Für Elisabeth Kittl (Grüne) sei es ein persönliches Anliegen, „so viel Erleichterung wie möglich in dieser schweren Zeit zu geben auch durch die kleine, aber wichtige Erleichterung für Maturanten am BORG Dreierschützengasse“.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr nutzte die Gelegenheit in der Länderkammer, um sich für die „parteiübergreifende Unterstützung von der ersten Minute an“ zu bedanken.
Umfassende psychologische Betreuung
Unmittelbar nach dem Amoklauf wurden mehrere Teams aus Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie Mitarbeitende der Krisenintervention direkt an der Schule eingesetzt. Sie leisten seit dem ersten Tag Beistand für betroffene Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Angehörige der Opfer. Für die psychologische Versorgung wurden auch Expertenteams aus anderen Bundesländern nach Graz entsandt, um eine ausreichende Betreuung sicherzustellen.
Die Bildungsdirektion Steiermark hat zudem ein Informationszentrum für Angehörige in der ASKÖ-Halle eingerichtet und eine spezielle Telefonhotline geschaltet. In der Helmut List Halle steht ein Begegnungsraum zur Verfügung, in dem schulpsychologische Beratung und Gespräche angeboten werden. Österreichweit wurden mehrere niederschwellige Hotlines für psychologische Akuthilfe aktiviert, darunter die Schulpsychologie-Hotline, „Rat auf Draht“ und die Telefonseelsorge.