Nach dem Amoklauf in Graz mit elf Toten reagiert die Regierung entschlossen: Ein Millionenpaket soll die psychische Gesundheit an Schulen stärken.
Nach dem tragischen Amoklauf mit elf Todesopfern am BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) Dreierschützengasse in Graz reagiert die Bundesregierung mit einem umfassenden Maßnahmenpaket zur Förderung der psychischen Gesundheit an Schulen. Der Ministerrat soll bereits am Mittwoch entsprechende Beschlüsse fassen. Aus dem Bildungsministerium verlautet, dass der Grazer Amoklauf die Notwendigkeit raschen Handelns nochmals verdeutlicht habe. Verschiedene Studien hatten bereits zuvor auf eine zunehmende psychische Belastung bei Jugendlichen hingewiesen – verstärkt durch die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine und weitere internationale Konflikte.
Unmittelbar nach dem Amoklauf wurden bereits mehrere Teams aus Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie Mitarbeitende der Krisenintervention an der betroffenen Schule eingesetzt. Sie unterstützen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Angehörige bei der Trauma- und Krisenbewältigung. Zusätzlich wurden individuelle Beratungsangebote außerhalb des Unterrichts bereitgestellt, um eine nachhaltige psychologische Betreuung sicherzustellen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) kündigte konkrete Schritte an: Die Schulpsychologie wird personell verstärkt, die Schulsozialarbeit ausgebaut und neue externe Präventionsprogramme für Jugendliche werden eingeführt. Die Verstärkung des psychosozialen Unterstützungspersonals war bereits im Regierungsprogramm festgeschrieben. „Wir sehen schon lange den Handlungsbedarf und rücken jetzt das große Thema der mentalen Gesundheit in den Mittelpunkt der Arbeit dieser Bundesregierung“, erklärte Wiederkehr.
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Personelle Verstärkung
Ab 2026 werden österreichweit neue Workshops zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung an Schulen eingeführt, die das bestehende Angebot zur Deradikalisierung ergänzen. Für das Projekt „Starke Schule, starke Gesellschaft“ wird das Budget auf jährlich vier Millionen Euro verdoppelt. Bei der Schulpsychologie ist ein massiver Personalausbau vorgesehen: Die Stellenzahl soll von derzeit etwa 190 bis Ende 2027 auf 390 anwachsen. Erstmals schafft der Bund zudem Planstellen für Schulsozialarbeit an AHS (Allgemeinbildende Höhere Schulen) und BMHS (Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen) – zunächst 30 im Schuljahr 2025/26, gefolgt von weiteren 25 im darauffolgenden Jahr.
Weitere Prävention
Die Regierung plant über die unmittelbare Reaktion auf den Amoklauf des 21-jährigen Schulabbrechers hinaus weitere Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt und Schulabbrüche. Dazu zählen die Erweiterung des Jugendcoachings sowie verpflichtende Beratungsgespräche mit Eltern, wenn Schulabbruch oder Suspendierung drohen.
Bereits vor dem Vorfall in Graz wurden Projekte wie die „Mental Health Days“ etabliert, bei denen jährlich an Schulen Einheiten zu Mobbing, Leistungsdruck und psychischer Gesundheit abgehalten werden. Laut Bildungsministerium ist die Schule ein zentraler Ort für präventive Maßnahmen gegen psychische Erkrankungen. Die Nachfrage nach solchen Programmen übersteigt das aktuelle Angebot deutlich. Das Ziel der Regierung ist, diese Präventionsmaßnahmen bis 2030 flächendeckend an allen Schulen zu etablieren.
Diese Maßnahmen befinden sich laut Ministerium allerdings noch in der Entwicklungsphase und sind noch nicht entscheidungsreif.