Am Premierenwochenende von Florentina Holzingers neuem Stück in Stuttgart kam es zu 18 Erste-Hilfe-Einsätzen. Dies war das Resultat einer Aufführung, die durch ihre intensiven und belastenden Szenen sowohl körperliche als auch emotionale Reaktionen im Publikum hervorrief.

Florentina Holzinger, eine renommierte Choreografin aus Wien, hat sich durch ihre künstlerischen Darstellungen einen Namen gemacht. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die Inszenierung des weiblichen Körpers in radikalen und oft drastischen Szenen aus. Spiritualität, Sexualität sowie Religionskritik und ein kritischer Blick auf religiöse und gesellschaftliche Gewalt stehen im Zentrum der Aufführungen.
Radikale Inszenierung weiblicher Körper
Laut einer früheren Kritik der Aufführung in Mecklenburg, inszeniert das ausschließlich weibliche Ensemble, das größtenteils Nonnen darstellt, gleich zu Beginn eine ausgedehnte Masturbationsszene. Im Laufe der Aufführung werden immer wieder (stets nackte) Darstellerinnen gezeigt, die an Haken, die durch die Rücken gebohrt sind, über die Bühne schweben – eine Darstellung, die schockiert und polarisiert.
Während der Aufführung in Mecklenburg wurde einer Darstellerin mit einem Skalpell ein Stück Fleisch aus der Haut geschnitten. Eine Kritikerin berichtete, dass dieses später gebraten und im Rahmen einer Inszenierung des letzten Abendmahls verzehrt wurde.
Opernhaus warnt vor eigenem Stück
Das Stück wurde von der Staatsoper Stuttgart mit Warnhinweisen versehen: „Diese Aufführung zeigt explizite sexuelle Handlungen sowie Darstellungen und Beschreibungen von (sexueller) Gewalt. Zudem sind echtes Blut sowie Kunstblut, Piercingvorgänge und das Zufügen einer Wunde zu sehen. In der Vorstellung werden Stroboskopeffekte, Lautstärke und Weihrauch eingesetzt.“ Die Aufführung wurde ausdrücklich für ein Publikum empfohlen, das „mutig auf der Suche nach neuen Theatererfahrungen“ sei.
Das Stück #Sancta von Florentina Holzinger (@oper_stuttgart ) ist gleichzusetzen mit der Eröffnungsfeier der Schande bei den olympischen Spielen in #Paris. Eine blutige Oper, die lesbische Szenen in aufreizender Deutlichkeit beinhaltet und das Christentum verhöhnt. Es ist mir… pic.twitter.com/35q3LRb1zo
— Vanessa Behrendt MdL (@MdlBehrendt) October 14, 2024
Erste-Hilfe nötig
Was in Wien vom Publikum begeistert gefeiert wurde, hat in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart für Entsetzen gesorgt. Laut Medienberichten mussten bei der Stuttgarter Premiere am vergangenen Wochenende 18 Personen den medizinischen Notfalldienst in Anspruch nehmen, in drei Fällen wurde sogar ein Arzt hinzugezogen. Hauptsächlich klagten die Betroffenen über Übelkeit und Ohnmachtsanfälle.
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Kritik von Kirche
Die Darstellung der Kirche sorgte bereits in Wien für Unmut. Theologe Jan-Heiner Tück kritisierte, dass „Sancta“ die „Doppelzüngigkeit und Heuchelei des heutigen Kulturbetriebs“ offenbare: „Während Respekt und Ambiguitätstoleranz gegenüber Minderheiten zu Recht gefordert werden, darf das, was in der eigenen Tradition als heilig gilt, in den Dreck gezogen werden.“