Millionenrechnungen, zwei Regierungen und keine Einigung: Der Brandtragödie von Crans-Montana folgt ein zermürbender Streit.
Ein Streit über unbezahlte Krankenhausrechnungen in Millionenhöhe belastet die Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien, während die Familien der Opfer des Silvesterbrands in Crans-Montana auf eine Lösung warten.
Der verheerende Brand in Crans-Montana im Kanton Wallis in der Silvesternacht forderte 41 Todesopfer und hinterließ 115 Schwerverletzte. Nun stehen Schweizer Krankenhäuser vor einem finanziellen Problem: Für die medizinische Versorgung von zwölf verletzten Italienern wurden rund 1,6 Millionen Euro in Rechnung gestellt – Rechnungen, die bis heute unbeglichen sind. Weder die betroffenen Familien noch die italienische Regierung zeigen sich bereit, die Kosten zu übernehmen.
Politischer Stillstand
Obwohl eine politische Entscheidung zur Klärung der Kostenfrage längst erwartet worden wäre, ist die Situation festgefahren. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA trägt der Rücktritt des Schweizer Präsidenten Guy Parmelin zur Verzögerung bei. Dabei hatten Parmelin und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bereits im Mai gemeinsam eine rasche Lösung in Aussicht gestellt – passiert ist seither nichts.
Rom verweigert die Übernahme der Behandlungskosten und verweist stattdessen auf die Verantwortung der Barbetreiber sowie auf mögliche Behördenfehler im Kanton Wallis. Ein laufendes Strafverfahren soll klären, ob die Schweizer Behörden oder die Gemeinde Crans-Montana eine Mitverantwortung an der Katastrophe tragen. Der Anwalt mehrerer Opferfamilien bringt die Kernfrage auf den Punkt: „Sollte sich das bestätigen, sei kaum nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet Italien für die Kosten aufkommen solle.“