Ein Anästhesist verließ mitten in der Operation seinen Patienten für ein sexuelles Abenteuer mit einer Krankenschwester. Der 44-jährige Facharzt Dr. Suhail Anjum wurde in einem Nebenraum des Operationstrakts im Teesside General Hospital in eindeutiger Situation ertappt, während sein Patient auf dem OP-Tisch lag.
Der peinliche Vorfall ereignete sich am 16. September 2023, als eine Kollegin den dreifachen Familienvater und die als „Krankenschwester C“ bezeichnete Mitarbeiterin überraschte. Die Krankenschwester hatte ihre Hose bis zu den Knien heruntergelassen, während Dr. Anjum gerade dabei war, seine Hosenkordel zu schließen.
Vor dem Tribunal des General Medical Council schilderte Andrew Molloy als Vertreter der Anklagebehörde den Ablauf: Dr. Anjum hatte an jenem Samstagmorgen bei einer Serie von fünf Operationen Dienst. Während des dritten Eingriffs verließ er den OP-Saal mit der Begründung, die Toilette aufsuchen zu müssen – ein durchaus üblicher Vorgang. „In solchen Fällen übernimmt eine Anästhesie-Pflegekraft die Aufsicht. Er informierte die erfahrene Anästhesie-Schwester SK entsprechend, und die Toilette befand sich nur wenige Schritte von Saal Nummer fünf entfernt“, erklärte Molloy.
Der Vorfall flog auf, als eine OP-Schwester Ausrüstung für den nächsten Eingriff holen wollte. „Schwester NT stieß auf Dr. Anjum und Schwester C in einer kompromittierenden Situation“, führte Molloy aus. Die schockierte Kollegin kehrte sofort in den Operationssaal zurück. Erst acht Minuten später erschien Dr. Anjum wieder am OP-Tisch. „Der Patient erlitt während seiner Abwesenheit glücklicherweise keinen Schaden, und der Eingriff wurde ohne weitere Zwischenfälle abgeschlossen“, so Molloy.
⇢ Justiz-Skandal: Beamter nutzte Hausbesuche für Übergriffe
Disziplinarverfahren vor MPTS
Nach einer Meldung des Vorfalls räumte Dr. Anjum bei der Befragung ein, den Patienten verlassen und sich mit der Krankenschwester auf „sexuelle Aktivitäten“ eingelassen zu haben. Das Medical Practitioners Tribunal Service (MPTS) in Manchester muss nun entscheiden, ob seine Berufsausübungsfähigkeit durch dieses Fehlverhalten beeinträchtigt ist und ob er weiterhin als Arzt im Vereinigten Königreich praktizieren darf. Der Mediziner hatte bereits eingeräumt, dass sein Verhalten das Risiko für den Patienten erhöht habe, auch wenn laut Tribunal kein direkter Schaden entstanden sei.
In seiner Verteidigung beschrieb sich Dr. Anjum als „leidenschaftlichen“ Mediziner und verwies auf private Probleme. Der Vorfall habe sich in einer Phase ereignet, in der er und seine Frau sich „nicht als Paar verbunden“ gefühlt hätten. Seine jüngste Tochter sei zu früh zur Welt gekommen, und seine Frau habe während der Geburt ein Trauma erlitten, was ihm zusätzliche familiäre Pflichten auferlegt habe.
Persönliche Reue
Gegenüber seiner Anwältin Fiona Horlick KC betonte er: „Ich hatte nie Beschwerden gegen mich. Dies war ein einmaliger Vorfall. Ich kann nicht ausdrücken, wie beschämend das für mich ist.“ Er schilderte die schwierige Lebenssituation seiner Familie: „In Pakistan hatten wir familiäre Unterstützung, aber in Großbritannien waren wir allein. Ich arbeitete Vollzeit, unterstützte meine Frau und Kinder. Ich war erschöpft und am Ende.“
Der Mediziner, der inzwischen in Pakistan tätig ist, zeigte sich vor dem Tribunal reuig: „Ich weiß nicht, warum das passiert ist. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe.“ Er fügte hinzu: „Dies war für alle Beteiligten furchtbar beschämend. Ich habe alle im Stich gelassen. Es war der Tiefpunkt meiner Karriere. Ich entschuldige mich aufrichtig und erkenne den Ernst meines Verhaltens vollständig an. Es war ein einmaliger Fehler, und ich werde ihn nie wiederholen.“
Dr. Anjum, der 2004 sein Studium an der University of Health Sciences in Lahore abschloss, kam 2011 nach Großbritannien. Nach Stationen in Bristol, Milton Keynes und Dartford wechselte er 2015 zum Tameside and Glossop Integrated Trust. Im Oktober 2024 verließ er den Trust, arbeitete kurzzeitig in Liverpool und kehrte im Januar nach Pakistan zurück.
Trotz des Vorfalls äußerte er den Wunsch, seine Karriere in Großbritannien fortzusetzen.