Nazi-Gruß in Bleiburg: Kroatischer Politiker (HDZ) in Österreich inhaftiert

BIS ZU 10 JAHRE HAFT

Nazi-Gruß in Bleiburg: Kroatischer Politiker (HDZ) in Österreich inhaftiert

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(FOTO: Slobodna Dalmacija)

Nun wurde die Identität einer der insgesamt sieben, bei der kürzlich abgehaltenen Kommemoration in Bleiburg, Verhafteten öffentlich.

Beim diesjährigen Bleiburg-Treffen am Loibacher Feld nahmen zwischen 10.000 und 11.000 Menschen teil. Bereits seit vielen Jahren ist das Treffen Grund für heftige Diskussionen im In- und Ausland, da es sich laut Gegner von einer Gedenkveranstaltung zu einer Pilgerstätte für Rechtsextremisten entwickelte. (KOSMO berichtete)

Auch dieses Jahr musste die Polizei in mehreren Fällen einschreiten. Mehrere Personen wurden wegen Verstöße gegen das Verbotsgesetz, wegen des Nichteinhaltens eines Aufenthaltsverbotes, wegen einer Anstandsverletzung und wegen unbefugter Gewerbeausübung angezeigt. Zudem kam es zu sieben Verhaftungen wegen des Verbotsgesetzes – sechs kroatische und ein slowenischer Staatsbürger. (KOSMO berichtete)

HDZ-Politiker in Österreich inhaftiert
Kroatische Medien berichteten, dass es sich bei einem der Beschuldigten und in Österreich Inhaftierten um einen Politiker der Kroatische Demokratische Union (Hrvatska demokratska zajednica – HDZ), Anđelko Bosančić handelt.

Ihm wird vorgeworfen, während des Treffens in Bleiburg, seinen rechten Arm zum Hitler-Gruß gehoben zu haben. Bosančić ist ein langjähriges Parteimitglied und war auch in der lokalen Regierung von Dugopolje tätig.

Die Abfuhr durch die österreichische Polizei wurde auch von zahlreichen Fotographen festgehalten. „Slobodna Dalmacija“ kontaktierte den österreichischen Anwalt Bosančićs, Thomas Romauch und bat um eine Stellungnahme.

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Anđelko Bosančić bei der Abfuhr durch österreichische Polizeibeamten. (FOTO: Slobodna Dalmacija)

„Bosančić gab zu, den rechten Arm gehoben zu haben“
„In der ersten Einvernahme erklärte Anđelko Bosančić, dass er den Hitler-Gruß nicht verwendete, sondern nur lauthals sang. Anhand des Reports, den ich erhalten habe, wurde ihm ein Bericht des Polizeiinspektors Ferster gezeigt, der an der Kommemoration präsent war. Fester hielt sich in unmittelbarer Nähe von Bosančić auf und hat alles mitbekommen“, so Romauch.

„Bosančić gab zu, danach den rechten Arm gehoben zu haben, verteidigte sich aber damit, dass er nichts Böses im Sinne hatte. Er erklärte auch, dass er ein Mitglied der Kroatischen Demokratischen Union ist, ein Demokrat und Lokalbeamter, der in Bleiburg als Repräsentant seiner Gemeinde war, die diese Reise bezahlte“, fügte der Anwalt hinzu.

Weitere rechtliche Schritte
Seit Bosančićs Festnahme am 12. Mai, befindet er sich in Untersuchungshaft. Diese soll insgesamt 14 Tage andauern, allerdings möchte sein Anwalt Romauch einen Deal aushandeln, sodass sein Klient das Gefängnis verlassen darf. Dafür müsse Bosančić bis zum Verhandlungsbeginn im Lande bleiben. Romauch erklärte zudem, dass es Teil seiner Verteidigungsstrategie sei, den Fall auf lokaler Ebene zu behalten.

„Auf Bundesebene werden diese Vergehen auf dem gleichen Level wie Mord und bewaffneter Überfall gesehen. Dies ist das Ergebnis der negativen Erfahrungen die Österreich mit der Hitler-Ära und deren Erbe machte“, fügte der Anwalt hinzu.

Dem HDZ-Politiker drohen nun bis zu zehn Jahren haft.