Zwischen Atomanlagen und Raketenangriffen eskaliert der Nahost-Konflikt dramatisch. Während Israel und Iran militärisch aufrüsten, droht die Schließung einer lebenswichtigen Meeresstraße.
Der Konflikt zwischen Israel und Iran hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Israel führte umfassende Luftangriffe auf mehr als 100 Ziele im Iran durch, darunter den Nuklearkomplex Natanz und zwei weitere Atomanlagen. Die Operation „Aufsteigender Löwe“ zielt nach Angaben von Premierminister Benjamin Netanyahu darauf ab, die „existenzielle Bedrohung“ durch das iranische Atomprogramm zu neutralisieren. Israelische Militärquellen berichten von schweren Beschädigungen an den Nuklearanlagen in Isfahan und Natanz, deren Reparatur Wochen in Anspruch nehmen werde.
Der Iran reagierte mit einem Gegenangriff unter dem Codenamen „Wahres Versprechen 3“, bei dem Hunderte ballistische Raketen und Drohnen auf militärische und strategische Ziele im Großraum Tel Aviv abgefeuert wurden. Bei diesen Angriffen wurden mindestens drei Menschen getötet und Dutzende verletzt, darunter auch der kroatische Konsul und seine Frau, deren Wohnung vollständig zerstört wurde. Die israelische Armee meldete sieben leicht verletzte Soldaten in Zentralisrael.
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Drohende Energiekrise
Teheran erwägt nun offenbar die Schließung der Straße von Hormus (Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman) – eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, durch die täglich etwa 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs und ein Fünftel des globalen Handels mit Flüssigerdgas transportiert werden. Eine solche Maßnahme hätte erhebliche Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt und könnte zu einem deutlichen Anstieg der Öl- und Gaspreise führen.
Während israelische Bürger in Schutzräume flüchteten, erklärte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Oren Marmorstein, in einem Interview mit Sky News, dass Israel nicht nur um seine eigene Sicherheit kämpfe. „Die Idee ist, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen, denn diese ballistischen Raketen können bis nach Europa, bis zum Vereinigten Königreich reichen“, sagte Marmorstein.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte am Donnerstag erstmals seit 20 Jahren offiziell, dass der Iran gegen seine Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag verstößt. Marmorstein bezeichnete die erste Phase der israelischen Operation gegen den Iran als „sehr erfolgreich“, deutete aber an, dass die Militäraktionen noch nicht abgeschlossen seien.
Parallel dazu gehen die Kämpfe im Gazastreifen weiter. Bei israelischen Angriffen wurden mindestens 35 Palästinenser getötet, viele davon in der Nähe einer von den USA unterstützten Verteilungsstelle für humanitäre Hilfe.
Existenzielle Bedrohung
Netanyahu hat inzwischen klargestellt, dass sich die israelische Operation nicht nur auf die Zerstörung des iranischen Atomprogramms beschränkt, sondern auch den Sturz des Regimes in Teheran zum Ziel hat. Die iranische Führung betrachtet diesen Konflikt nun als existenzielle Bedrohung. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz warnte den obersten Führer des Iran, Ali Khamenei, direkt und drohte, dass „Teheran brennen wird“, wenn der Iran weiterhin Raketen auf Israel abfeuert.
Der Iran hat bestätigt, dass bei israelischen Luftangriffen zwei weitere hochrangige Militärbeamte getötet wurden: General Gholamreza Mehrabi, stellvertretender Geheimdienstchef des Generalstabs der Streitkräfte, und General Mehdi Rabbani, stellvertretender Operationschef. Zudem wurden laut iranischen Berichten neun Nuklearwissenschaftler bei den Angriffen getötet.
Teheran hat Großbritannien, den USA und Frankreich gedroht, im Falle ihrer Beteiligung an der Verteidigung Israels Schiffe und Militärbasen dieser Länder in der Region anzugreifen. Der ehemalige britische Diplomat Peter Ricketts warnte, dass die israelischen Luftangriffe, anstatt das Regime zu schwächen, dessen Position im Land vorübergehend stärken könnten.
Die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen haben die Spannungen in der Region weiter erhöht, was bei Schifffahrtsunternehmen und Energiehändlern große Besorgnis ausgelöst hat. Einige Reedereien meiden bereits die Durchfahrt durch die Straße von Hormus, und die Ölpreise sind aufgrund der Befürchtung möglicher Versorgungsunterbrechungen gestiegen.
Mehrere Länder in der Region haben auf die Eskalation reagiert. Syrien hat seinen Luftraum geöffnet und sich damit Jordanien und dem Libanon angeschlossen. Der israelische Hauptflughafen Ben Gurion bleibt hingegen geschlossen.
Papst Leo hat die Behörden im Iran und in Israel aufgefordert, nach den jüngsten Luftangriffen „vernünftig“ zu handeln und den Dialog fortzusetzen. „In einem so heiklen Moment möchte ich nachdrücklich erneut zu Verantwortung und Vernunft aufrufen“, sagte der Papst.
„Niemand sollte jemals die Existenz eines anderen gefährden. Es ist die Pflicht aller Länder, die Sache des Friedens zu unterstützen, indem sie Wege der Versöhnung fördern und Lösungen vorantreiben, die Sicherheit und Würde für alle garantieren.“