Eigentlich sollte es ein besonderer Tag mit Tieren werden. In Brandenburg endet er für ein Kind im Hubschrauber, der Park bleibt dicht.
Ein Wolf hat am Mittwochmorgen in einem Wildpark bei Baruth/Mark in Brandenburg ein achtjähriges Mädchen schwer verletzt. Die Behörden befassen sich mit dem Fall, der Park bleibt bis auf Weiteres geschlossen.
Schauplatz war die Polarwolfanlage des Wildparks Johannismühle südlich von Berlin. Ein Rettungshubschrauber brachte das schwer verletzte Kind in eine Klinik. Ob ein einzelner Wolf oder mehrere Tiere an dem Angriff beteiligt waren, ist noch Gegenstand der Untersuchungen.
Laut der Kreisverwaltung ereignete sich der Angriff während der Versorgung der Tiere mit Wasser. „Während der Tränkung der Tiere im Wildgehege griffen die dort gehaltenen Wölfe ein Mädchen an und verletzten es schwer.“
Tierpflegertag für Kinder
Wie inzwischen feststeht, befand sich das Mädchen nicht als reguläre Besucherin in der Anlage. Der Vorfall ereignete sich noch vor der Öffnung des Wildparks während eines gebuchten Tierpflegertages für Kinder. Gemeinsam mit dem achtjährigen Mädchen waren zwei weitere Mädchen und eine Tierpflegerin vor Ort.
Die Tierpflegerin griff unmittelbar ein. Nach Angaben des Landkreises verhinderte sie durch ihr schnelles Handeln, dass auch die beiden anderen Kinder verletzt wurden.
Vier Personen, darunter drei Kinder, wurden anschließend von der Notfallseelsorge betreut. Der Einsatz belastete offenbar auch die Rettungskräfte stark: Die Besatzung des zuerst eingesetzten Rettungswagens beendete nach dem Einsatz ihren Dienst. Für die beteiligten Einsatzkräfte wurde zudem eine Nachbesprechung organisiert.
Polizei prüft möglichen Fehler
Nun richtet sich der Blick auf die Frage, wie es während eines Kinderprogramms überhaupt zu dem Angriff kommen konnte. Die Polizei ermittelt zum genauen Hergang und prüft Medienberichten zufolge auch, ob Fahrlässigkeit eine Rolle gespielt haben könnte. Der Wildpark erklärte, vollständig mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
Der Landkreis Teltow-Fläming kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. „Ziel ist es, den Vorfall umfassend zu prüfen und die notwendigen Konsequenzen im Rahmen der gesetzlichen Zuständigkeiten zu ziehen.“
Öffnen darf der Wildpark erst wieder, wenn die zuständige Behörde grünes Licht gibt. Zusätzlich will das Veterinäramt die Anlage vor Ort unter tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten kontrollieren. Auch die bestehenden Sicherheitsvorgaben und betrieblichen Abläufe werden überprüft.
Frühere Kontrollen ohne Sicherheitsmängel
Besonders relevant für die Ermittlungen: Der rund 30 Jahre alte Wildpark war bereits mehrfach von den Behörden kontrolliert worden. Bei einer Überprüfung am 23. Juli 2025 wurden keine sicherheitsrelevanten Mängel an Zäunen oder Einfriedungen festgestellt. Frühere Beanstandungen seien laut Landkreis behoben worden.
Nach den Vorgaben für den Betrieb müssen die Gehege von Raubtieren täglich auf mögliche Schwachstellen überprüft werden. Nach Angaben des Parks werden die sicherheitsrelevanten Zäune jeden Morgen vor der Öffnung kontrolliert. Auch eine behördliche Überprüfung eines Teilbereichs der Anlage am 19. März 2026 ergab keine tierschutzrechtlichen Beanstandungen.
Die Behörden wollen nun insbesondere klären, welche Sicherheitsregeln für den Tierpflegertag galten und wie es trotz der bestehenden Vorkehrungen zu dem Angriff kommen konnte. Eine abschließende fachliche Einschätzung zum Verhalten und Gesundheitszustand des beteiligten Wolfs beziehungsweise der möglicherweise beteiligten Wölfe liegt bislang nicht vor.