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Studie

Neue Therapie bei Lungenkrebs kommt aus Krems

Julia Ohrfandl, BSc, OA Dr. Sabin Handzhiev, Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Peter Errhalt, OA Clin. Ass. Prof. DDr. Klaus Hackner. (FOTO: Universitätsklinikum Krems)
Julia Ohrfandl, BSc, OA Dr. Sabin Handzhiev, Prim. Clin. Ass. Prof. Dr. Peter Errhalt, OA Clin. Ass. Prof. DDr. Klaus Hackner. (FOTO: Universitätsklinikum Krems)

Im Universitätsklinikum Krems wurde eine bahnbrechende Therapie gegen aggressiven Lungenkrebs entwickelt. Diese soll das Potenzial haben, die Lebenszeit der Betroffenen zu verlängern. Die Studie wurde im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Kleinzelliger Lungenkrebs gilt als besonders aggressiv. „Die meisten Patientinnen und Patienten, die mit diesem Lungenkrebs zu uns kommen, sind schon in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Wo man eigentlich keine heilenden Optionen mehr hat, sondern wo man durch Therapien versucht, die Lebensqualität zu erhalten und die Lebensdauer möglichst zu verlängern.“, erklärt Peter Errhalt, Leiter der Pneumologie im Universitätsklinikum Krems.

„Tarlatamab“

Die Forscher in Krems haben jedoch nicht aufgegeben. Sie waren Teil einer internationalen Studie mit 56 Lungenkrebszentren und haben ein neues Medikament namens „Tarlatamab“ entwickelt. Ein Lungenkrebsexperte erklärt: „Mit diesem neuen Medikament gelingt es einerseits die Tumorzellen an das Medikament zu binden. Und dann diese Immunzellen an den Tumor heranzuführen. Das heißt, dadurch erkennen die Immunzellen wieder, dass es hier um einen Lungenkrebs geht und sie können diesen Krebs selber bekämpfen, ohne dass wir eine Chemotherapie verabreichen müssen.“

Lebenszeit verlängert

Die Ergebnisse der Studie, an der 220 Patientinnen und Patienten weltweit teilnahmen, sind vielversprechend. Bei 40 Prozent der Teilnehmenden sprach der Tumor deutlich auf das Medikament an. Bei weiteren 30 Prozent stabilisierte sich die Tumorsituation. „Das ist durchaus beachtlich, weil alle Patientinnen und Patienten, die eingeschlossen wurden, hatten bereits vorher Therapien – und zwar mindestens drei verschiedene Chemo- oder Immuntherapien. Viele der Patientinnen und Patienten galten tatsächlich als austherapiert. Durch diese Behandlung war es möglich, dass noch einige Monate, teils auch Jahre an Lebenszeit erreicht werden konnten“, so Klaus Hackner, Lungenfacharzt UK Krems.

Die Studie war für viele Patienten die letzte Hoffnung. „So sind zwei Patienten extra regelmäßig aus der Schweiz und Tschechien angereist, um die Therapie zu erhalten“, berichtet Sabin Handzhiev, Oberarzt an der klinischen Abteilung für Pneumologie in Krems. Ihre Geschichten unterstreichen die Bedeutung der Forschung und die Hoffnung, die sie für viele Betroffene darstellt.

Die Forschung schreitet voran und die Hoffnung wächst. „Es gibt natürlich immer Ein- und Ausschlusskriterien, aber jeder, der teilnehmen möchte und auch den Vorgaben entspricht, wird natürlich möglichst hier bei uns eingebunden und in die Studie eingeschlossen“, erklärt Hackner. Die neue Therapie soll noch vor Markteinführung des Medikaments mehr Betroffenen angeboten werden. Das soll in einem früheren Stadium der Erkrankung geschehen. Damit könnten die Prognosen weiter verbessert werden und der Kampf gegen den Lungenkrebs einen entscheidenden Schritt vorankommen.

Quelle: Universitätsklinikum Krems

Sandra Plesser
Als zweites Kind jugoslawischer Gastarbeiter wurde Sandra in Wien geboren und studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Während ihrer Tätigkeit als Redakteurin bei Advanced Photoshop, mokant und Der Standard baute sie mittels Weiterbildungen ihr Wissen im Bereich Social Media-, Content- und Veranstaltungsmanagement aus. Nach drei Jahren in der Eventorganisation widmet sie sich bei KOSMO wieder ihrer Passion: dem Journalismus.