Ein Ökonom will das AMS neu denken – und hat einen ungewöhnlichen Vorschlag für alle, die bereits in Arbeit sind.
Holger Bonin, Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien, plädiert dafür, dass das Arbeitsmarktservice Österreich künftig auch Beschäftigte aktiv über passende Stellenangebote informiert – und zwar einmal jährlich, in Form eines gezielten Newsletters. Ziel dieser Initiative ist es, die berufliche Mobilität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land zu stärken.
Bislang liegt der Fokus des AMS vor allem auf der Wiedereingliederung arbeitsloser Personen in den Arbeitsmarkt. Von dem Förderbudget von rund 1,39 Milliarden Euro wurden zuletzt etwa 454 Millionen Euro für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen verwendet – allerdings ausschließlich für arbeitsuchende Personen. Angesichts des demografischen Wandels und der damit einhergehenden Verknappung von Arbeitskräften hält Bonin diese Ausrichtung für nicht mehr ausreichend. Er sieht die Notwendigkeit, das vorhandene Arbeitskräftepotenzial gezielter und produktiver einzusetzen.
Bonins AMS-Vision
„Lange Zeit war die Aufgabe: Wir müssen Arbeitslose wieder zurück in Beschäftigung bringen. Jetzt ist die Aufgabe: Wir müssen Beschäftigte in den besten Job bringen, den sie kriegen können“, so Bonin.
Der IHS-Chef argumentiert, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre berufliche Situation vorschnell als gegeben hinnehmen – schlicht deshalb, weil ihnen Alternativen nicht bekannt sind. „Die Menschen sind viel zu früh zufrieden mit dem, was sie haben, weil sie nicht wirklich wissen, was sie haben könnten“, betont er. Ein jährlicher AMS-Newsletter könnte hier Abhilfe schaffen: Wer über mögliche Optionen informiert ist, kann bewusstere Entscheidungen über seine berufliche Laufbahn treffen.
Wettbewerb und Weiterbildung
Als Nebeneffekt würde eine solche Maßnahme den Wettbewerb der Unternehmen um qualifizierte Fachkräfte intensivieren – was Bonin ausdrücklich begrüßt. „Als Volkswirt muss ich sagen: Genau das wollen wir. Wir wollen nicht, dass Jobs, die eben nicht so gut sind, erhalten werden. Wir wollen, dass die Menschen in die besseren Jobs kommen“, erklärt er.
Darüber hinaus spricht er sich für eine steuerliche Besserstellung von Umzugskosten im Zuge eines Jobwechsels aus und unterstreicht die Bedeutung von Weiterbildung als dauerhaftem Bestandteil des Erwerbslebens. „Dann lohnt es sich mit 45, mit 50 nochmal was Grundlegendes Neues zu lernen“, so Bonin. Seit Juni 2026 existiert mit der Weiterbildungszeit eine neue AMS-Förderung speziell für Beschäftigte, die mit einem Jahresbudget von 150 Millionen Euro ausgestattet ist und eine verpflichtende Bildungsberatung vorsieht.