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INTERVIEW

Peter Dobcak: „Shisha-Lokale sind durch das Rauchverbot leider bald Schnee von gestern!“

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"Es kann nicht sein, dass wir in der Vergangenheit alles mit getrennten Räumen und Lüftungen vorbereitet haben, nur um jetzt vor der Türe Kindergärtner zu spielen!" (FOTO: KOSMO)

Der gelernte Touristikkaufmann, Peter Dobcak verleiht den Gastronomen Österreichs eine Stimme und setzt sich für ihre Belangen ein. Wir trafen den Obmann der Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, um mit ihm über das bevorstehende generelle Rauchverbot, Schwarzarbeit, Barrierefreiheit und vieles mehr zu sprechen.

KOSMO: Rauchen in der Gastronomie wird ab November untersagt. Was werden die größten Hürden hinsichtlich des bevorstehenden Rauchverbotes und welche Art von Gastronomiebetrieben trifft es am härtesten?
Peter Dobcak: Es ist glasklar, dass hier seitens des Gesetzgebers viel zu wenig auf die Anrainer geachtet wird, wie auch schon die Individualbeschwerde der Nachtgastronomie zeigt. Wenn ab November alle nach draußen gehen müssen, um zu rauchen, kommt es vor der Türe der Lokale unweigerlich zu Lärm- und Geruchsbelästigungen.

Kommt es in weiterer Folge zu mehrmaligen Anzeigen kann die Sperrstunde laut Gewerbeordnung von der Polizei vorverlegt werden. Dann könnte es sein, dass Diskotheken statt bis vier oder sechs Uhr morgens zu arbeiten, bereits um Mitternacht schließen müssen, was den Ruin vieler Nachtlokalitäten bedeuten würde.

Auf uns kommt daher die Herausforderung zu, durchzusetzen, dass die Betreiber der Lokale von jeglicher Verantwortung vor der Tür ausgenommen werden. Es kann schließlich nicht sein, dass wir in der Vergangenheit innerhalb der Lokale alles mit getrennten Räumen und Lüftungen vorbereitet haben, nur um jetzt vor der Türe Kindergärtner zu spielen. Das ist nicht unsere Aufgabe.

Was halten Sie davon, dass die etwa 500 Shisha-Lokale in Österreich durch ein allgemeines Rauchverbot ihre Existenzberechtigung verlieren?
Fakt ist, dass Österreich mit 1. November 2019 das einzige Land innerhalb der EU wäre, das das Dampfen von Shishas verbieten würde. Dass diesen Läden durch das allgemeine Rauchverbot ihre Basis weggenommen wird, ist nicht vertretbar. Shisha-Lokale sucht man schließlich nicht wegen der Getränke oder des Essens auf, sondern in erster Linie wegen der Wasserpfeifen.

Das ist nun mal ihr Geschäftsfeld und ich kann nicht nachvollziehen, dass der Gesetzgeber, Betriebe in zweiter oder dritter Generation, in die so viel investiert wurde, und von denen sich andere österreichische Restaurants eine Scheibe abschneiden könnten, derart ins Abseits drängt. Wir sprechen hier von 500 Lokalen österreichweit und etwa 6.000 bis 8.000 Mitarbeitern, die von heute auf morgen arbeitslos wären.

Es ist außerdem ein Trugschluss, wenn die Gesundheitsbehörde oder die Politik glaubt, dass ab November auch nur eine einzige Shisha weniger geraucht wird. Das wird sich unverzüglich in die Privatwohnungen, Keller oder Vereinslokale verschieben, wo dann heimlich geraucht werden wird.

„Fakt ist, dass Österreich mit 1. November 2019 das einzige Land innerhalb der EU wäre, das das Dampfen von Shishas verbieten würde.“

– Peter Dobcak

Leider glauben manche Gastronomen nach wie vor, Mitarbeiter gar nicht oder nicht korrekt anmelden zu müssen. Wie kann man das verhindern?
Schwarzarbeit ist zu verurteilen und soll selbstverständlich nicht vorkommen, aber der Gesetzgeber muss sehr wohl im Auge behalten, dass sich das über Jahrzehnte entwickelt hat. Durch die Einführung der Registrierkasse wurde Schwarzarbeit zwar limitiert aber auf der anderen Seite wurden die Rahmenbedingungen nicht geändert. Hier gehören die Lohnnebenkosten für Unternehmer gesenkt, sodass Gastronomen ihren Mitarbeitern auch das bezahlen können, was sie verdienen.

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„Die Gastronomie plagt aber eine kollektive Angst vor dem Gast.“ (FOTO: KOSMO)

Im internationalen Vergleich ist die Gastronomie in Österreich bei der Qualität, die wir bieten, immer noch sehr günstig. Die Preise müssten wir allerdings drastisch anheben und zwar zwischen 25 und 30 Prozent, um sowohl die Nebenkosten als auch unsere Mitarbeiter angemessen bezahlen zu können. Die Gastronomie plagt aber eine „kollektive Angst vor dem Gast“. Man traut sich nicht die Preise anzuheben, weil man befürchtet, dass der Gast in weiterer Folge ausbleibt. Daher müssen wir hier geschlossener auftreten, denn ein Gast, der sich mich nicht leisten kann, den kann ich mir auch nicht leisten.

Eine 2016 veröffentlichte Studie des ÖZIV-Bundesverbands für Menschen mit Behinderungen stellte den Geschäftslokalen in Wien ein schlechtes Zeugnis aus. Von 285 untersuchten Eingängen in den Gastronomiebetrieben waren nur 45 % barrierefrei zugänglich. Woran liegt es, dass immer noch so großer Nachholbedarf in diesem Segment besteht?
Diesem Bedarf nachzukommen ist komplizierter als man glaubt. Die Betriebsanlagengenehmigung und Vorschriften zum Brand- und Denkmalschutz erschweren diese Absichten nämlich. Laut der Betriebsanlagengenehmigungspflicht muss jegliche bauliche Veränderung in Abstimmung mit der Behörde durchgeführt werden und es ist so, dass derartige Umbauten damit einhergehen, dass man den gesamten Betrieb auf den aktuellen, technischen Stand bringen muss, was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Wir konnten allerdings verhandeln, dass man Umbauten für Barrierefreiheit nur dann vornehmen muss, wenn sie für den Betreiber wirtschaftlich vertretbar sind.

Unter Barrierefreiheit versteht man aber auch, dass Speisekarten in größerer Schrift und technische Hilfsmittel bereitgestellt werden, die Speisekarten vorlesen, aber auch Personal mit Gebärdensprachkenntnissen angestellt werden sollte. Was ist in dieser Hinsicht geplant?
In vielen Lokalen ist das bereits gang und gäbe. Im schlimmsten Fall kann man sich die Karte auch immer vorlesen lassen. Allerdings sollten definitiv Speisekarten in Brailleschrift angeboten und Vorbereitungen für Schwerhörige getroffen werden. Das kostet nicht viel, ist technisch nicht schwer umsetzbar und ein guter Ansatz. Das sind wir dieser Gästeschicht einfach schuldig.

„Auf diesem Teil der Ottakringerstraße herrscht eine
eigene Welt mit eigenen Regeln.“

– Peter Dobcak

Die sogenannte Balkanstraße in Wien-Ottakring tauchte vor allem im Rahmen von sportlichen Events bereits des Öfteren in den Negativ-Schlagzeilen auf. Polizeieinsätze standen zudem häufig an der Tagesordnung. Wie ist der derzeitige Stand der Dinge?
Fakt ist, dass Beamte diese Lokale bei Kontrollen nach wie vor niemals alleine betreten. Die Menschen mit ex-jugoslawischem Background sind eine eingeschworene willkommene Ethnie, die bemerkenswerte Geschäftsleute hervorbringt. Allerdings herrscht in diesem Teil der Ottakringerstraße eine eigene Welt mit eigenen Regeln, auf die wir, als Interessensvertreter aber zuzugehen haben. Schließlich schätzen wir engagierte Geschäftsleute. Das Freidenken der Community und die Einstellung, dass sie ihre Probleme selber und ohne Hilfe des Gesetzgebers lösen wollen, erschwert uns die Arbeit allerdings etwas.

Aufgrund der Lärmbelästigung in dieser Gegend kommt es immer wieder zu Anzeigen, die die Betreiber früher oder später ihre Lokale kosten können. Ein Problem, dessen sich der Gesetzgeber aber nicht bewusst ist, ergibt sich durch das Angebot von „Dienstleistern“, die betroffenen Lokalbesitzern den Service anbieten, Anrainerbeschwerden in Zukunft zu „verhindern“. Dass das ausgesprochen gefährlich werden kann, muss ich wohl nicht näher ausführen.

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„Die Lohnnebenkosten für Unternehmer müssen gesenkt werden, sodass Gastronomen ihren Mitarbeitern auch das bezahlen können, was sie verdienen.“ (FOTO: KOSMO)

Lohnt es sich heutzutage – bei all den besprochenen Hindernissen – überhaupt noch einen Gastronomiebetrieb zu eröffnen?
Früher war es zweifelsfrei leichter. Man brauchte lediglich eine gute Kochkraft und jemanden, der mit den Gästen umgehen kann. Heute bedarf es da schon weitaus mehr, nämlich ein klares Konzept, gutes Marketing, Abrechnungssysteme, eine knallharte Kalkulation und Registrierkasse, sowie engagierte Mitarbeiter, eine hohe Qualität und natürlich einen unschlagbaren Standort, der vermutlich die wichtigste Rolle spielt.

Ich bin froh, dass es trotz allem so viele junge Kollegen gibt, die sich mit Herz und Begeisterung in die Gastronomie wagen, neue Konzepte ausprobieren und damit mehr als erfolgreich sind. Ich kann aber nur an alle Gastronomen appellieren, sich mit ihren Anliegen und Herausforderungen an die Wirtschaftskammer, als ihren Interessensvertreter zu wenden. Dafür sind wir schließlich da. Wir bieten neben vielen anderen Services auch unser eigenes Betriebsanlagenreferat an, das sowohl alteingesessene Gastronomen aber auch Neueinsteiger bei Eröffnungen bzw. Umbauten ihrer Lokalitäten unterstützt.

Dort wird man von Experten und Ingenieuren von Anfang bis Ende des Projekts mit Rat und Tat begleitet. Dieses Angebot wird traurigerweise noch viel zu selten genutzt. Mir ist klar, dass man als Unternehmer daran gewöhnt ist, alles selbst zu regeln, aber man muss das Rad nicht zwangsweise neu erfinden.