Die Pflegekrise in Kroatien verschärft sich dramatisch: Auf einen Platz im öffentlichen Heim warten Senioren bis zu zehn Jahre. Derzeit stehen zwischen 17.000 und 20.000 Personen auf den Wartelisten, während landesweit nur 32.600 Pflegeplätze bei 662 Dienstleistern verfügbar sind. Mit 23,2 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahren verschärft sich die Situation durch den demografischen Wandel weiter – Experten rechnen bis 2030 mit einem Anstieg des Bedarfs um bis zu 30 Prozent.
Der chronische Personalmangel stellt die Branche vor zusätzliche Herausforderungen. “Ausländische Arbeitskräfte sind keine vorübergehende Lösung, sondern eine notwendige Komponente für die Stabilität des Sektors in den nächsten 10 bis 15 Jahren”, betont Pavo Corluka, Vizepräsident des Verbands für Gesundheitspflege beim kroatischen Arbeitgeberverband HUP (Hrvatska udruga poslodavaca). Er fordert vom Staat schnellere Verfahren sowie bessere Unterstützung bei Bildung und Spracherwerb für ausländische Pflegekräfte.
Strategiewechsel der Regierung
Das kroatische Ministerium für Arbeit, Rentensystem, Familie und Sozialpolitik verfolgt inzwischen einen Strategiewechsel. Von den bestehenden Pflegeeinrichtungen befinden sich nur 49 in öffentlicher Hand, während 613 privat oder von Vereinen betrieben werden. Die Regierung setzt verstärkt auf Deinstitutionalisierung und den Ausbau ambulanter Dienste, damit Senioren länger in ihren eigenen vier Wänden bleiben können.
Konkret plant man 18 neue Zentren für ältere Menschen mit Platz für knapp 1.850 Bewohner und zusätzlichen Dienstleistungen für mehr als 4.500 Personen. Parallel dazu läuft ein Ausbildungsprogramm für Pflegekräfte mit Gutscheinsystem, an dem bereits über tausend Personen teilgenommen haben. Dennoch bleibt der Personalmangel akut.
Nach Schätzungen des HUP arbeiten derzeit zwischen 800 und 1.200 ausländische Arbeitskräfte in kroatischen Altenheimen. Sie kommen überwiegend von den Philippinen, aus Nepal, Indien, Indonesien und den Westbalkanstaaten und sind hauptsächlich als Pflegehilfskräfte und Hausassistenten tätig. Das medizinische Fachpersonal stammt hingegen weiterhin überwiegend aus Kroatien selbst.
“Ausländische Arbeitskräfte sind motiviert und lernbereit, aber es gibt kein standardisiertes Integrationssystem. Die Heime organisieren selbst Mentoring und Kroatischkurse”, erklärt Corluka. Eine Studie des Instituts für öffentliche Finanzen kommt zum Schluss, dass Zuwanderung zwar ein notwendiger Teil der Lösung ist, ohne Lohnerhöhungen jedoch nicht nachhaltig sein wird.
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Kosten und Kapazitäten
Die Gehälter in Pflegeheimen liegen unter denen im Gesundheitswesen, weshalb viele Pflegefachkräfte den Sektor meiden. Neben dem Personalmangel stellen auch die steigenden Kosten ein wachsendes Problem dar. Private Einrichtungen sind oft zwei- bis dreimal teurer als öffentliche, und eine neue Welle von Preiserhöhungen erschwert vielen Senioren den Zugang zur dringend benötigten Pflege zusätzlich.
Die Preise variieren je nach Standort, Pflegestufe und Art der Unterbringung erheblich. In Zagreb allein warten etwa 2.500 Menschen auf einen Platz in städtischen Heimen, während die Gesamtzahl der Interessenten bei rund 10.000 liegt. Die elf städtischen Heime an 18 Standorten bieten theoretisch Platz für etwa 4.000 Bewohner, doch aufgrund laufender Renovierungsarbeiten an drei Objekten ist die tatsächliche Kapazität derzeit geringer.
Die Stadt beschäftigt 38 ausländische Pflegekräfte und versucht, das Personaldefizit durch die Beschäftigung von Rentnern und die Verlängerung der Arbeitszeit über das 65. Lebensjahr hinaus auszugleichen.
Um die Situation zu entschärfen, plant Zagreb den Bau von vier neuen Pflegeheimen in den Stadtteilen Dubrava, Sesvetski Kraljevec, Spansko und Precko sowie die Erweiterung des Heims Sveta Ana in Zagreb-Novi Zagreb.
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