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INTERVIEW

Piplica: “Man will uns ruinieren!”

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Der höchste kroatische Vereinsfunktionär in Österreich spricht exklusiv für KOSMO über die aktuellen Anschuldigungen gegen ihn. (FOTO: Radule Božinović/KOSMO)

Miroslav Piplica ist in der kroatischen Diaspora ein zweifellos einflussreicher Mann. Er übt nicht nur die Funktion des Präsidenten der Österreichisch-Kroatischen Gesellschaft für Sport und Kultur aus, sondern ist zugleich Obmann der Österreich-Filiale der kroatischen Regierungspartei HDZ.

Seit letzter Woche hat Piplica allerdings Erklärungsbedarf: Es geht um die Spenden, die er letztes Jahr im Juni für den Wasserturm von Vukovar sammelte, aber die erst vor einigen Tagen – fast ein Jahr nach dem vopn ihm organisierten Humanitären Abend – bei der Stadtregierung der slawonischen Stadt eingelangt sind. Die Spendenübergabe passierte nachdem das kroatische Portal index.hr am Tag zuvor veröffentlichte, dass die Spenden von Piplica nie in der Stadtkassa angekommen sind. Dabei berief sich das Portal auf eine offizielle Antwort der Stadt Vukovar vom 18. Mai. Am 20. Mai, einen Tag nach der Index.hr-Veröffentlichung, erschien auf der Webseite der Stadt die Spende der Österreichischen-Kroatischen Gesellschaft in den Neuigkeiten. In dieser offiziellen Verlautbarung bedankt sich die Stadt Vukovar für die Übergabe der Spenden.

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Miroslav Piplica verfügt über zahlreiche Funktionen und gehört zu den wohl einflussreichsten Kroaten in der Diaspora. Nun wird ihm Veruntreuung von Spendengeldern vorgeworfen. Er selbst hat in einer ersten Reaktion für KOSMO die Vorwürfe zurückgewiesen.

 

Exklusiv für KOSMO spricht Piplica in seinem „Cafe Providenca“ in Rudolfsheim-Fünfhaus erstmals über die Spenden-Causa, aber auch über Thompson, Ceca und die umstrittene Bleiburg-Feier.

KOSMO: Herr Piplica, lassen Sie uns gleich das Wichtigste fragen: Sind sie in dieser Sache ein Opfer oder ein Täter?
Piplica: Ganz klar, das Opfer.

Dann stellt sich allerdings die Frage, wieso eine Geldspende erst nach einem Jahr überreicht wird.
Lassen sie mich vom Anfang der Geschichte beginnen. Die Spendenaktion und der Humanitäre Abend enstanden auf meine Initative. Die ganze Sache habe ich auch im Vorhinein mit dem Bürgermeister von Vukovar beredet. Insgesamt kamen wir auf 9.328 Euro zugesicherte Spenden. Dabei fehlten uns bei der nächsten Sitzung viele Spendengelder von Sponsoren, welches uns idiese vorher zugesichert haben. Das kam von manchen gar nicht, von anderen erst mit der Zeit. Uns fehlten am Ende 3.800 Euro. Mir fehlen heute aber noch immer 900 Euro, die ich übrigens aus eigener Tasche beglichen habe. Wir wollten die Spenden am Tag des Gedenkens der Schlacht um Vukovar überreichen. Nachdem ich aber verhindert war, vereinbarte ich mit dem damaligen Präsidenten des Stadrats Ivo Gavrić, dass die Überreichung beim Kroatischen Ball im Februar in Wien stattfindet. Da die Vertreter Vukovars allerdings zum Ball nicht kommen konnten, vereinbarte ich mit Gavrić, dass ich das Geld demnächst nach Vukovar bringe.

Darüber gibt es keine schriftliche Korrespondenz?
Es gibt Einträge aus Sitzungen der Österreichisch-Kroatischen Gesellschaft, wo wir die Spendenaktion und die weitere Vorgangsweise besprechen. Die Kommunikation mit dem Vertretern Vukovars war telefonisch.

Finden Sie es nicht eigenartig, dass eine Spende erst ein Jahr nach Ende der Aktion überreicht wird?
Nein, weil wir auf die Sponsoren warten mussten. Ich wollte nicht, dass wir weniger geben als die verkündeten 9.328 Euro. Letztendlich beglich ich aus meiner Tasche, wie schon gesagt, das Minus von 900 Euro. Außerdem gab es nie eine Vereinbarung, dass es dann und dann dort sein muss. Wir waren in ständigem telefonischen Kontakt mit dem Bürgermeister und dem Präsident des Stadtrats. Sie wussten immer über alles Bescheid. Ebenso laufend informiert war natürlich der Vorstand der Österreichisch-Kroatischen-Gesellschaft für Kultur und Sport.

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(FOTO: Radule Božinović/KOSMO)

Wie kommt es dazu, dass einen Tag nach der index.hr-Veröffentlichung sie plötzlich in Vukovar sind und die Spende feierlich übergeben?
Als ich sah, dass jetzt die Flut an Anschuldigungen nach dieser Schmutzkübelkampagne kommt, wollte ich das sofort nach Vukovar bringen. Das hatte ich sowieso vor. Wir sprachen mit den Stadtvertern Vukovars davon, dass ich in den nächsten 20 Tagen runterfahre.

Sie meinen, dass das eine Kampagne gegen Sie ist?
Ja, definitiv. Man will mich, aber auch die Österreichisch-Kroatische Gesellschaft ruinieren. Es geht von Zoran Lucić aus, einem Niemand in der kroatischen Community. Er ist nicht einmal im Vorstand von einem unserer Vereine hier in Österreich. Ganz im Gegenteil: Er schuldet drei Vereinen noch den Mitgliedsbeitrag. Plötzlich begann genau dieser Typ mich auf Facebook zu adden und mich zu terrorisieren. Er begann penetrant Fragen auf freche Art zu stellen und ich dachte mir nur: „Wer bist Du?“. Ich bin Präsident der Österreichisch-kroatischen Gesellschaft, die aus 24 Vereinen besteht und wo durch die Vorstandssitzungen jeder von diesen über alles informiert ist. Ich bin keinem Einzelnen extra Rechenschaft schuldig. Außerdem, wieso hätte ich so was nötig? Für mich ist das alles sowieso nur Liebe und Leidenschaft. Ich habe keinen Euro durch diese Tätigkeit verdient, für mich ist das ein Minusgeschäft und der Verein kostet mich privat 3 bis 4 Tausend Euro jährlich. Unsere Vereine machen mindestens 33 Feste pro Jahr. Und ich bin bei jedem ein Sponsor, der mindestens 100 Euro gibt.

Was werden Sie nun tun?
Ich habe meinen Anwalt eingeschaltet, um dieser Kampagne gegen mich, aber auch gegen die Österreichisch-Kroatische Gesellschaft den Kampf anzusagen. Herr Lucić wird von mir eine Klage wegen Rufschädigung bekommen.

Hat man sie aus ihrer Heimatpartei HDZ angerufen wegen dem Medienberichten um die Spenden?
Nein, wieso auch?

“Der Unabhängige Staat Kroatien gehört zu unserer Geschichte. Damit sollen sich Historiker befassen und aufklären, was es noch zum Aufklären gibt” – Piplica

Naja, sie sind Präsident der HDZ Österreich…
Ja, aber es gibt keinen Grund, dass sie mich anrufen. Jeder, die Arbeit der Österreichisch-Kroatischen Gesellschaft kennt, hat keine Zweifel an uns. Wir haben so oft humanitäre Veranstaltungen gemacht und das Geld ist immer bei denen gelandet, denen wir es versprochen haben. So auch in Vukovar. Bedenken Sie bitte, dass das meiste – egal bei welcher Aktion – was wir sammeln aus unseren Privatgeldern kommt. Nur beim kroatischen Ball haben wir einige Unterstützer. Die Politik unterstützt uns – bis auf Heinz-Christian Strache und seine FPÖ – aber eher selten.

In der Stadt haben sie den Ruf eines extremen kroatischen Nationalisten.
Ich bin kein Nationalist, ich bin Patriot und, ja, ich liebe meine Heimat. Aber ich hasse niemanden. Manche Leute reden so, als würde Piplica dies, das tun. Aber das sind alles nur Geschichten. Schauen sie doch her: In meinem Lokal arbeite eine Serbin seit zwei Jahren. Das sagt doch alles, oder?

Trotzdem sieht man sie oft in Gesellschaft von Leuten wie dem verurteilten Kriegsverbrecher Darijo Kordić.
Darijo Kordić ist ein enger Freund von mir. Ich habe seine Familie während seiner Haft in Den Haag aktiv unterstützt. Und es ist mein gutes Recht, mit meinen Freunden zu verkehren. Ich habe auch ein Buch über ihn geschrieben und werde ihn weiterhin unterstützen, egal was das Haager Tribunal sagt.

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