Rheinmetall drängt nach Kroatien – und hat dabei mehr im Blick als bloße Lieferverträge.
Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall ist auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern in Kroatien. Im Rahmen einer Veranstaltung der Kroatischen Wirtschaftskammer stellte das Unternehmen kroatischen Firmen aus dem Verteidigungssektor konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit vor. Zentrales Thema war die Frage, auf welchem Weg kroatische Unternehmen künftig in die globalen Lieferketten des Konzerns eingebunden werden könnten – ergänzt durch Perspektiven für gemeinsame Projekte in den Bereichen Entwicklung, Produktion und Innovation.
Peter Fleischmann, Senior Vice President für globale Geschäftsoperationen bei Rheinmetall, skizzierte einen langfristig angelegten strategischen Kurs. Dieser soll auf gezielten Investitionen, enger Kooperation mit kroatischen Unternehmen sowie dem Ausbau von Exportkapazitäten aufgebaut werden. Die Veranstaltung trug den Namen „Rheinmetall Industry Day Croatia 2026″. Präsentiert wurden dabei mehrere Geschäftsbereiche des Konzerns: Landsysteme, taktische Fahrzeuge, Logistikfahrzeuge, maritime Systeme, Munition und Luftabwehr.
DOK-ING im Fokus
Von besonderem Interesse ist für Rheinmetall das technische Know-how kroatischer Ingenieure und Unternehmen. Der Konzern sieht Potenzial darin, Kroatien als Standort für Robotik und maritime Technologien zu etablieren. Eine zentrale Rolle in diesem Vorhaben spielt das kroatische Unternehmen DOK-ING, das international für seine unbemannten Systeme bekannt ist – insbesondere für Fahrzeuge zur Minenräumung und für Einsätze in gefährlichen Umgebungen. Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro und beschäftigte etwa 250 Mitarbeiter.
Bereits im März hatte Rheinmetall die Absicht bekanntgegeben, eine Mehrheitsbeteiligung an DOK-ING zu erwerben. Konkret sollen 51 Prozent an den deutschen Konzern übergehen, während 49 Prozent beim Gründer Vjekoslav Majetic verbleiben. Aus dieser Partnerschaft soll ein Kompetenzzentrum für schwere unbemannte und autonome Systeme hervorgehen.
DOK-ING-Chefin Gordana Pesic teilte mit, dass sich die Verhandlungen mit Rheinmetall in der Abschlussphase befinden. Das kroatische Unternehmen sieht seine Zukunft vor allem im Segment unbemannter Systeme – zu Lande, in der Luft und auf dem Wasser. Für DOK-ING würde die Partnerschaft einen bedeutenden Schritt darstellen: Die eigenen Technologien würden damit in ein weit größeres internationales Rüstungsnetzwerk integriert.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Plattform Komodo – einem modularen unbemannten Bodenfahrzeug, das für den Einsatz unter extremen Bedingungen konzipiert wurde. Das System kann in Minenfeldern, bei Bränden oder in Gebieten mit gefährlicher Strahlung operieren. Es verfügt über einen diesel-elektrischen Hybridantrieb und lässt sich je nach Anforderung mit verschiedenen Modulen ausstatten. Pesic zufolge ist genau diese Plattform einer der wesentlichen Gründe für das ausgeprägte Interesse von Rheinmetall. Das Fahrzeug ist sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke einsetzbar – von der Minenräumung über den Schutz kritischer Infrastruktur bis hin zur Drohnenabwehr.
Maritimer Ausbau
Neben DOK-ING kommt dem maritimen Bereich eine wichtige Funktion zu. Im März schloss Rheinmetall die Übernahme von NVL ab, dem militärischen Schiffbaubereich der Lürssen-Gruppe, und baut damit seine neue Sparte für Marinesysteme weiter aus. Zu diesem Netzwerk gehört auch NVL d.o.o. mit Sitz in Rijeka, das damit Teil der Naval-Systems-Struktur von Rheinmetall ist. Für Kroatien könnten sich daraus neue Perspektiven in den Bereichen Schiffbau, maritime Technologie und Verteidigung ergeben.
Die Kroatische Wirtschaftskammer sieht das Land an der Schwelle zu einem umfangreicheren Investitionszyklus im Verteidigungsbereich. Ziel sei es, kroatische Unternehmen mit den bedeutendsten internationalen Akteuren der Branche zu vernetzen. Nach Einschätzung der Kammer verfügt Kroatien über eine Reihe von Firmen mit relevantem Wissen, entsprechenden Technologien und geeigneten Produktionskapazitäten.
Rheinmetall seinerseits sucht in einem Umfeld steigender Verteidigungsausgaben nach neuen Partnern innerhalb von EU und NATO.