Nach neun Jahren zieht Billa den Stecker: Der Marktführer im Onlinelebensmittelhandel stellt Ende Jänner seine Hauszustellung in Ostösterreich komplett ein.
Die Supermarktkette Billa beendet ihre Hauszustellung in Ostösterreich mit Ablauf des Jänner und zieht sich damit vollständig aus dem Segment der Lebensmittelzustellung zurück. In Wien werden zwei Lagerstätten geschlossen. Für die etwa 250 Mitarbeiter an den betroffenen Wiener Lagerstandorten werden innerhalb des Unternehmens alternative Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten, wie die Supermarktkette mitteilte. Von der Einstellung des Lieferdienstes sind zudem Zusteller betroffen, die bei einem externen Dienstleister angestellt sind.
Im Onlinegeschäft will Billa künftig den Schwerpunkt auf die Expresszustellung in Kooperation mit dem Lieferdienst Foodora sowie auf den Abholservice Click & Collect legen. Diese strategische Neuausrichtung erfolge als Reaktion auf „verändertes Kundenverhalten und die steigenden Kosten der letzten Meile“, erklärte das Unternehmen in einer Aussendung. Der Onlineshop werde weitergeführt, bestätigte Billa auf Nachfrage der APA. Kleinere Einkäufe können in Wien, Graz, Linz, Traun, Salzburg und Innsbruck weiterhin über Foodora zugestellt werden.
Bereits Ende 2024 hatte die Supermarktkette nach neunjährigem Betrieb aus wirtschaftlichen Erwägungen die Onlinehauszustellung außerhalb des Großraums Wien eingestellt. Die Rewe-Tochter war nach eigenen Angaben bislang Marktführer im österreichischen Onlinelebensmittelhandel. Im Jahr 2024 erzielten Billa und Bipa gemeinsam einen Onlineumsatz von 114 Millionen Euro.
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Billaʼs Online-Entwicklung
Im Vergleich zu Mitbewerbern setzte Billa verstärkt auf das Onlinegeschäft. 2015 erfolgte der Ausbau des Onlineshops, bis 2024 wurde eine flächendeckende Zustellung in Österreich angeboten. 2017 eröffnete die Supermarktkette in Wien das erste dedizierte Warenlager für den Onlinehandel, 2020 folgte ein zweites Onlinelager in der Hauptstadt.
Marktveränderungen
Während der ersten Phase der Coronapandemie mit mehreren Lockdowns verzeichneten Onlinehandel und Lebensmittelzustellung einen regelrechten Boom. Mit dem Abklingen der Pandemie und der einsetzenden Teuerungskrise endete jedoch der Aufschwung im Onlinesektor in Österreich. Auch Interspar stellte in diesem Jahr seine Lebensmittellieferungen ein.
In Wien konkurrieren neben Billa und Hofer die Onlinelebensmittelhändler Alfies, Gurkerl und Hausfreund um Marktanteile. Der Diskonter Hofer bietet in Wien eine Lebensmittelzustellung in Zusammenarbeit mit dem Lieferdienst Roksh an. Zwei Vorreiter im österreichischen Onlinelebensmittelhandel – die Tiroler Supermarktkette MPreis und der oberösterreichische Nahversorger Unimarkt – haben ihre Onlineshops ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen vollständig geschlossen.
Auch Interspar stellte in diesem Jahr seine Lebensmittellieferungen ein.