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Liebeskummer

So lange dauert es, eine Trennung zu überwinden

So lange dauert es, eine Trennung zu überwinden
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4 Min. Lesezeit |

Die Phasen des Trennungsschmerzes folgen einem wissenschaftlich belegbaren Muster. Von anfänglichem Schock bis zur Neuorientierung durchleben Betroffene einen Prozess, der körperlich messbar ist.

Berlin. Der Schmerz einer Beziehungsauflösung trifft jeden – unabhängig davon, ob die gemeinsame Zeit nur kurz währte oder Jahre umfasste. Das plötzliche Fehlen der vertrauten Person im Alltag hinterlässt eine schmerzliche Leere und Einsamkeitsgefühle. Doch bei aller Intensität dieser emotionalen Belastung gibt es einen Trost: Selbst die tiefsten Trennungsschmerzen klingen mit der Zeit ab.

Wissenschaftliche Erkenntnisse der University of California belegen, dass Trennungen zu den emotional erschütterndsten Lebensereignissen zählen – gleich nach dem Verlust eines nahen Familienmitglieds. Die kalifornische Studie zeigt auf, dass Liebeskummer nicht nur metaphorisch, sondern neurobiologisch tatsächlich mit physischem Schmerz vergleichbar ist und depressive Episoden auslösen kann. Die Forschungsgruppe dokumentierte, dass bei Trennungsschmerz identische Hirnareale aktiviert werden wie bei körperlichen Verletzungen.

Die Auswirkungen einer Trennung beschränken sich nicht auf das Gehirn allein. Auch das Herz reagiert mit realen Beschwerden, für die die Medizin einen spezifischen Terminus geprägt hat: Das „Broken-Heart-Syndrom“. Ein Wissenschaftsteam der Johns Hopkins University School of Medicine konnte nachweisen, dass Trennungserfahrungen zu kardiologischen Symptomen wie Brustschmerzen und Kurzatmigkeit führen können.

Die körperlichen Reaktionen auf eine Beziehungsauflösung sind vielfältig: Über die emotionalen und physischen Schmerzen hinaus verändert sich die gesamte Hormonbalance. Der psychische Stress einer Trennung lässt den Adrenalinspiegel ansteigen, während gleichzeitig die Konzentration der Glückshormone Serotonin und Dopamin absinkt. Die daraus resultierenden Entzugserscheinungen ähneln dem Zustand, den Suchtkranke beim Drogenentzug erleben.

Obwohl jeder Mensch Trennungen auf eigene Weise verarbeitet, lassen sich gemeinsame Muster erkennen. Die meisten Betroffenen durchlaufen vier charakteristische Phasen der Bewältigung. Eine Beziehungsexpertin erläutert, wie man diesen Prozess aktiv und konstruktiv gestalten kann.

Vier Trennungsphasen

Die initiale Trennungsphase kennzeichnet sich durch Schockzustände. Selbst bei längerer Vorahnung trifft die tatsächliche Trennung die meisten Menschen mit voller Wucht. „Viele Paare reagieren zunächst mit einer Ablehnung der schmerzhaften neuen Realität“, erklärt die Hamburger Beziehungsberaterin Daniela van Santen. Besonders männliche Betroffene suchen laut van Santen gezielt nach Ablenkungsmöglichkeiten und neigen dazu, ihre Trauer zu internalisieren, um Schwäche nicht nach außen zeigen zu müssen.

Trotz der emotionalen Belastung keimen bei vielen Getrennten Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung. Van Santen betrachtet dies als normale Reaktion, da eine Trennung nicht nur den Verlust der Beziehung selbst bedeutet, sondern auch gemeinsame Routinen, möglicherweise den Freundeskreis und langgehegte Zukunftspläne in Frage stellt.

Für die Bewältigung des Trennungsschmerzes empfiehlt die Expertin, andere soziale Kontakte zu intensivieren – sei es zur besten Freundin, zu Geschwistern oder Eltern. Van Santen betont: Die soziale Einbindung hilft während des gesamten Verarbeitungsprozesses, erweist sich jedoch gerade in der Anfangsphase als besonders wertvoll, auch wenn die Betroffenen sich eigentlich zurückziehen möchten.

Nach dem ersten Schock folgt laut van Santen die Phase des emotionalen Aufruhrs. Wenn die Betroffenen beginnen, die Trennung als Realität zu akzeptieren, brechen all jene Gefühle hervor, die während der Schockstarre unterdrückt wurden: Wutausbrüche, tiefe Trauer, Selbstzweifel und Ängste – entweder simultan oder in rascher Abfolge. Männlichen Betroffenen rät die Expertin in dieser Phase, ihre Emotionen bewusst wahrzunehmen und im Gespräch mit Vertrauten zu teilen. Frauen hingegen empfiehlt sie, der Trennung nicht ihr gesamtes Leben unterzuordnen. „Phasen der Ablenkung verschaffen notwendige Atempausen“, so van Santen.

Wege zur Heilung

Die dritte Phase ist durch Neuorientierung gekennzeichnet. Die Hamburger Liebeskummer-Spezialistin gibt Hoffnung: „Nach etwa sechs Wochen intensiver Trauer beginnt das Leben allmählich wieder Farbe anzunehmen.“ Wenn die emotionale Kontrolle zurückkehrt, liegen meist die schwierigsten Momente bereits hinter den Betroffenen, und sie können aktiv an ihrer persönlichen Heilung arbeiten.

In dieser Entwicklungsphase, erläutert die Paartherapeutin, sei es besonders förderlich, die gewonnene Freiheit für Veränderungen zu nutzen – sei es durch neue Hobbys, Anschaffungen, eine veränderte Frisur oder Lebensstilanpassungen.

Die finale Trennungsphase markiert den Neubeginn. Ungeachtet der individuellen Verarbeitungsdauer erreichen die meisten Menschen schließlich diese vierte und letzte Etappe des Trennungsprozesses, erklärt die Fachfrau. Die Betroffenen haben die vergangene Beziehung emotional abgeschlossen und stehen bereit für neue Lebensabschnitte. „Erst in dieser Phase“, erläutert van Santen, „haben die Menschen den Trennungsschmerz vollständig verarbeitet und wären theoretisch bereit für eine neue Partnerschaft. Doch natürlich in ihrem ganz persönlichen Tempo.“

Unerfüllte Beziehungen münden häufig in Trennungen – wie auch die hohen Scheidungsraten in Deutschland belegen. Nach einer Beziehungsauflösung durchlaufen die meisten Menschen vier unterschiedliche Verarbeitungsphasen.

Irgendwann ist der schlimmste Schmerz überwunden, und die Bereitschaft für eine neue Beziehung kehrt zurück.