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Skorpionsfund

Stachelige Überraschung: Klimawandel bringt Skorpione nach Graz

Stachelige Überraschung: Klimawandel bringt Skorpione nach Graz
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Zweimal in einem Jahr, immer dasselbe Haus: Ein Grazer Skorpionsfund lässt selbst Experten rätseln – und deutet auf mehr hin.

In einem Grazer Haushalt im Stadtteil Mariatrost hat sich innerhalb eines Jahres ein beunruhigendes Erlebnis wiederholt: Gleich zweimal tauchte in der Familie von Maria R. ein kleiner schwarzer Skorpion auf. Bereits im Sommer 2025 entdeckte sie ein solches Tier an der Wand ihrer Garage – vergangene Woche folgte der nächste Fund. Wie die Kronen Zeitung berichtet, war die Reaktion der Grazerin beim ersten Mal eindeutig: „Panisch“ habe sie reagiert, erzählt sie der Krone. „Ich wusste ja nicht, ob das Tier giftig ist oder nicht.“

Damals schien eine Erklärung rasch gefunden: Die Familie war kurz zuvor aus einem Urlaub in Italien zurückgekehrt. „Der Verdacht, dass wir den Exoten als blinden Passagier mit nach Hause gebracht haben, lag nahe.“ Plötzlich war da wieder ein solches Tier – diesmal hat es meine Tochter in einem Türrahmen entdeckt.

Klimawandel als Faktor

Wie schon beim ersten Vorfall fing die Familie das Tier vorsichtig mit einem Becher ein und wandte sich an das Joanneum. Dort wurde der Biologe und Skorpion-Spezialist Christian Komposch vom Grazer Ökoteam hinzugezogen. Die Bestimmung ergab: Es handelt sich um einen sogenannten Italienskorpion. Nach übereinstimmenden Fachquellen gilt der Italienskorpion (Euscorpius italicus) für den Menschen als weitgehend harmlos – sein Stich ist in der Regel mit einem Bienen- oder Wespenstich vergleichbar und verursacht überwiegend lokale, kurzzeitige Schmerzen und Schwellungen ohne systemische Vergiftungserscheinungen oder lebensbedrohliche Folgen.

Warum innerhalb eines Jahres gleich zwei Exemplare am selben Haus aufgetaucht sind, bleibt jedoch selbst für den Fachmann ungeklärt. „Es kann sein, dass die Familie damals zwei Exemplare importiert hat oder jetzt neuerlich ein Tier mitgebracht wurde. Beides halte ich aber für äußerst unwahrscheinlich“, sagt Komposch der Krone. Komposch hält daher eine weiterreichende Erklärung für denkbar: Der Italienskorpion könnte sich in Graz bereits dauerhaft niedergelassen haben. „In Slowenien sind die Tiere heimisch. Der Klimawandel könnte ihnen in die Karten spielen.“

Dass exotische Skorpione unbemerkt auf Reisen mitgebracht werden, ist laut dem Experten kein Einzelfall. Erst kürzlich wurde in Graz ein Skorpion in einem Kleiderschrank entdeckt. „Es stellte sich heraus, dass das Tier – übrigens ein extrem giftiges Exemplar – aus Mexiko ‚importiert‘ worden war.“

Keine Auswilderung

Die beiden in Graz-Mariatrost gefundenen Tiere befinden sich vorerst in Komposchʼ Obhut und werden in einem Terrarium gehalten. Eine Auswilderung in Slowenien kommt für den Wissenschaftler nicht infrage. „Das wäre aus Naturschutzsicht das Schlechteste, was man machen könnte“, sagt der Experte. „Jedes Vorkommen hat seine eigene genetische Information.“

Eine unkontrollierte Freisetzung könnte verschiedene Populationen miteinander vermischen und damit irreversible ökologische Folgen haben.

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KO KOSMO-Redaktion
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