Europas Pharmabranche fordert radikale Preisreform nach US-Vorbild. Die Konzerne sehen den Innovationsstandort in Gefahr, während die EU-Kommission auf Ausgewogenheit pocht.
Die Pharmakonzerne drängen auf eine grundlegende Neugestaltung der europäischen Arzneimittelpreise. Sie schlagen vor, einen einheitlichen Listenpreis für Medikamente in ganz Europa einzuführen, der sich an den deutlich höheren Nettopreisen in den USA orientieren soll. Dies geht aus einem Bericht der Tiroler Tageszeitung hervor, der sich auf APA-Informationen stützt.
Warnungen der Industrie
Die Unternehmensführer warnen eindringlich vor den Folgen des Status quo: Ohne Veränderungen werde Europa als Standort für pharmazeutische Innovationen zunehmend an Bedeutung verlieren. Teil ihres Reformvorschlags ist zudem die Einführung eines EU-weiten Ausgabenziels für innovative Medikamente und Impfstoffe.
Massive Preisunterschiede als Ausgangspunkt
Die Forderungen der Pharmabranche basieren auf erheblichen Preisunterschieden zwischen den Märkten. Laut OECD-Daten liegen die Medikamentenpreise in den USA durchschnittlich 2,5-mal höher als in Europa. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für verschreibungspflichtige Arzneimittel betrugen 2022 in den USA etwa 1.126 US-Dollar, während sie in Deutschland und Österreich bei unter 600 US-Dollar lagen.
Mögliche Auswirkungen auf Patienten
Gesundheitsexperten warnen, dass eine europaweite Preisangleichung nach US-Vorbild die Kostenbelastung für nationale Gesundheitssysteme erheblich steigern würde. Besonders in einkommensschwächeren EU-Mitgliedsstaaten könnte dies den Zugang zu wichtigen Medikamenten erschweren. Die zentrale Herausforderung der laufenden EU-Pharmareform bleibt, Innovationen zu fördern und gleichzeitig die Bezahlbarkeit der Arzneimittel zu gewährleisten.
EU-Kommission reagiert
Die EU-Kommission reagiert auf diese Forderungen mit Zurückhaltung. Sie betont ihre Bereitschaft zum weiteren Dialog mit den Pharmakonzernen und strebt Lösungen an, die sowohl die Entwicklung neuer Wirkstoffe fördern als auch deren Bezahlbarkeit für alle europäischen Bürger gewährleisten.